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24. Oktober 2011 17:46 Uhr

Schulpolitik

Klage gescheitert: Kein Ethik-Unterricht an der Grundschule

An baden-württembergischen Grundschulen wird es keinen Ethik-Unterricht als Alternative zu Religion geben – zumindest noch nicht: Eine Mutter ist mit ihrer Klage vor dem Verwaltungsgericht Freiburg gescheitert.

  1. Ethik steht bei baden-württembergischen Schülern bisher nicht auf dem Stundenplan. Foto: Ingo Schneider

Die Mutter wollte durchsetzen, dass ihren Söhnen an der Karoline-Kaspar-Grundschule im Stadtteil Vauban eine gleichwertige Alternative zum Religionsunterricht angeboten wird – und nicht nur eine Freistunde.

Für diesen Anspruch fehlt aber die Grundlage, entschied das Verwaltungsgericht: Eltern hätten zwar das Recht zu entscheiden, welche religiöse oder weltanschauliche Erziehung ihr Kind erhalten soll – und damit auch, ob es am Religionsunterricht teilnimmt oder nicht. Es gebe aber "grundsätzlich keinen Anspruch" der Eltern "auf Einrichtung eines bestimmten Schulfaches": Ob und wann Ethik als eigenes Fach angeboten wird, könne das Kultusministerium also frei festlegen, heißt es in dem Urteil. Ethische Werte würden in der Grundschule schließlich "auch im Rahmen des sozialen Miteinanders innerhalb des Klassenverbandes vermittelt." Die unterschiedliche Behandlung konfessionsgebundener und konfessionsloser Schüler ergebe sich aus der besonderen Stellung des Religionsunterrichts im Grundgesetz.

Die Klägerin Anna Ignatius, promovierte Philosophin und Mutter dreier Söhne, stellt das Urteil nicht zufrieden: Sie überlegt, in Berufung zu gehen. "Natürlich ist das auch eine Frage des Geldes – aber ich würde gerne weiter machen", sagte sie der BZ. "Wir hoffen, dass dann endlich die Grundfragen zur Debatte stehen." Sie sieht in der jetzigen Regelung eine Diskriminierung nicht-religiöser Kinder durch den Staat. Deren Anteil ist an der Karoline-Kaspar-Grundschule besonders hoch, er macht hier fast die Hälfte aller Schüler aus. Hinzu kommen noch Kinder nicht-christlichen Glaubens. Das Schulfach Ethik gibt es in Baden-Württemberg bisher nur an weiterführenden Schulen ab Klasse sieben beziehungsweise acht.

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Trotz der gescheiterten Klage von Anna Ignatius könnte sich das irgendwann auf politischem Wege ändern: "Ethik soll neben Religion als Alternative schrittweise ab Klasse eins eingeführt werden", heißt es im grün-roten Koalitionsvertrag. Dieses Ziel bestätigt das Stuttgarter Kultusministerium auf Anfrage – eine Sprecherin schränkt aber ein: "Zurzeit gibt es viele verschiedene Bildungsbaustellen, und der Ethikunterricht steht nicht auf den vorderen Rängen der Prioritätenliste." Ein neues Schulfach koste Geld.

"Es ist nicht machbar, alle Reformen innerhalb eines Jahres umzusetzen", heißt es im Freiburger Büro der grünen Fraktionsvorsitzenden im Landtag, Edith Sitzmann, die sich seit Jahren für Ethik als Alternative zum Religionsunterricht engagiert: "Wir halten aber an dem Ziel fest."

Autor: Thomas Goebel