Kochen, waschen – trotzdem männlich

Claudia Förster

Von Claudia Förster

Mo, 07. Mai 2018

Freiburg

Zum Auftakt der Väter-Aktionstage erzählen moderne Freiburger Väter von ihrem Familienleben / Veranstaltungen bis 18. Mai .

FREIBURG. Früher waren die Rollen von Vater und Mutter klar getrennt, heute hat sich nicht nur das Selbstverständnis der Frau, sondern auch das des Mannes gewandelt. Um moderne Väter zu unterstützen, richtet das Freiburger Bündnis für Familie in den beiden Wochen rund um den Vatertag erstmals die Väter-Aktionstage aus. Täglich können sich Interessierte bei Filmen, Lesungen oder Familienaktionen mit dem Vatersein auseinandersetzen.

Den Auftakt der Themenwochen bildeten am Freitag ein Vortrag des Soziologen Christoph Giebeler und ein Podiumsgespräch, bei dem Freiburger Führungspersönlichkeiten von ihren Erfahrungen als Vater berichteten. "Die Väter von heute sind aktiver an der Kindererziehung beteiligt und emotional involvierter, aber nicht weniger männlich", sagt Pia Maria Federer vom Bündnis für Familie. Die Studienlage zeige, dass nahezu alle Väter zwischen 25 und 45 Jahren an der Entwicklung ihrer Kinder teilhaben wollten, bestätigt Giebeler – sei es als Vertrauensperson, Spielkamerad oder Erzieher. "Es gibt aber eine große Diskrepanz zwischen dem, was sich junge Väter vornehmen, und dem, was sie umsetzen." Der Widerspruch sei eventuell darauf zurückzuführen, dass sich Männer im Zweifel eher für die Karriere als die Familie entschieden, so Giebeler. Auch Geld spiele eine Rolle: Wegen der ungleichen Bezahlung der Geschlechter seien einige Familien auf das höhere Gehalt des Mannes angewiesen.

Ohne Rollenvorbilder, die moderne männliche Kindererziehung und Haushaltsführung sichtbar vorleben, fehle es offen eingestellten Männern außerdem an Inspiration, kritisiert Federer. Deshalb schilderten einige Freiburger Väter beim Podiumsgespräch ihren Alltag. VAG-Vorstand Oliver Benz zum Beispiel ist morgens alleine für seine Tochter verantwortlich. Oliver Trachte von der Universität und seine Frau arbeiten beide in Teilzeit, Peter Kramer, Referatsleiter beim Regierungspräsidium Freiburg, nutzt die Gleitzeit, um seinen Alltag an den der Kinder anzupassen.

Matthias Müller, Leiter des städtischen Rechtsamtes, arbeitet zwei Nachmittage pro Woche von zu Hause aus – nebenbei kocht er oder hilft bei Hausaufgaben. "Die Telearbeit bringt viele Gewinne, aber sie kostet auch", sagt Müller. Um bei seinen Kindern zu sein, müsse er Abstriche machen, im Endeffekt sei es aber eine Sache der Organisation. "Der erste Schritt ist zu akzeptieren, dass man verzichtbar ist", sagt Müller. Trotzdem sei jede Elternzeit ein Kampf, sagt Karl-Jörg Gisinger, Geschäftsführer einer Baufirma. "Wenn Eltern bevorzugt werden, müssen Kollegen den Wegfall einer Arbeitskraft ausbaden. Als Vorgesetzter bin ich gefordert, die Balance im Team zu halten."

Umso wichtiger, dass staatliche Einrichtungen Vorbild sind, findet André Jenaro vom Jugendhilfswerk, der einen Treff für junge Väter leitet: "Oft wissen die Männer gar nicht von ihren Möglichkeiten." Als Sozialarbeiter erlebe er oft, dass offizielle Stellen Väter außer Acht lassen. "Wie sollen junge Väter eine moderne Haltung entwickeln, wenn es nicht einmal offizielle Stellen tun? Wir müssen sie in jedem Bereich einbeziehen, damit ein neues Selbstverständnis fruchtet."

Die Väter-Aktionstage sollen jungen Männern in den nächsten Wochen deshalb die Augen öffnen für Wege und Möglichkeiten, ein moderner Vater zu sein.

Informationen und Programm im Internet unter http://www.fbff.de