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16. Februar 2011 19:26 Uhr
Gesundheitswesen
Konkurrenz sauer – Uniklinik wirbt Krebsspezialist ab
Der Arzt Michael Bauer hat das Monopol für Brustkrebsscreenings in Südbaden. Bisher kooperierte er mit dem Emmendinger Kreiskrankenhaus und zwei Freiburger Häusern. Nun warb ihn die Uniklinik ab. Die Konkurrenz ist sauer.
Unter den Brustkrebsärzten in Südbaden ist Michael Bauer ein gefragter Mann. 20.000 Patientinnen lassen sich jedes Jahr von ihm und seinem Partner Klaus Weingart untersuchen. Als Verantwortliche für das staatliche Mammografie-Screening-Programm werden alle südbadischen Frauen ab 50 Jahren regelmäßig zum Brustkrebscheck an das Röntgengerät in deren Praxis oder zum Mammomobil geladen. "Ich bin das Brustkrebszentrum schlechthin bei uns", tönt der ausgebildete Frauen- und Röntgenarzt selbst.
Kein Wunder, geschätzte 160 neue Patientinnen überweist der Inhaber des Screeningmonopols jedes Jahr an die operierenden Krankenhäuser. Das macht den Mann interessant – die Kliniken müssen schließlich ihre Betten füllen. So interessant, dass die Uniklinik nun viel Geld in die Hand genommen hat, um diesen Mann auf die eigene Seite zu ziehen. Mit Bauers Hilfe und Bauers Patientinnen soll das eigene Zentrum nun auf Augenhöhe mit den Brustzentren der anderen Unikliniken gebracht werden.
Nur dumm, dass sich der Gynäkologe eigentlich anderweitig versprochen hatte. Vor etwa sieben Jahren hatte er zusammen mit dem Diakonie- und St. Elisabeth-Krankenhaus in Freiburg sowie dem Kreiskrankenhaus Emmendingen das "Zentrum für Brusterkrankungen Südbaden" ins Leben gerufen und dort lange Zeit auch selbst operiert.
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Nun scheint es mit der trauten Einigkeit vorbei zu sein – am Dienstag unterschrieb der Mediziner einen Kooperationsvertrag mit der Konkurrenz. Weil die Uniklinik mit einem zweiten Freiburger Brustzentrum um die gleichen Patientinnen wirbt, spekuliert man dort, mit Hilfe des neuen Partners Patientinnen aus den Betten der Konkurrenz hinaus und in die eigenen Betten hinein leiten zu können.
Im Diakonie- und St. Elisabeth-Krankenhaus ist man darüber alles andere als amüsiert: "Es ist nicht in Ordnung, wenn hier mit öffentlichen Finanzmitteln ein Mediziner von der Konkurrenz abgeworben wird", schimpft einer, der anonym bleiben möchte. Denn das ist das eigentlich Heikle an dem Deal: Grundbedingung für den Seitenwechsel sei gewesen, so der Vorwurf, dass die Uniklinik Michael Bauer dessen Praxis am Münsterplatz abkauft – was Bauer allerdings bestreitet.
Fakt ist zumindest: Der Kauf fand statt, die Klinik ist plötzlich Praxisbesitzer und wird diese in ein sogenanntes medizinisches Versorgungszentrum umwandeln. Die weitere Untersuchung der Röntgenaufnahmen und die Entnahme der Gewebeproben der gescreenten Frauen wird, laut Gerald Gitsch, dem Ärzlichen Direktor der Uni-Frauenklinik, in Zukunft von einem Unimediziner übernommen. Weitere ärztliche Leistungen, versichert er, würden dort nicht erbracht. Auch das Mammografiescreening soll Bauer, der in der Uni operieren wird, ab 2012 einem anderen Niedergelassenen abtreten.
Visionen, die zumindest dem Spitzenverband der Krankenkassen sauer aufstoßen. Eigentlich habe man bei der Gründung des Screeningprogrammes eine solche wirtschaftliche Nähe zwischen dem Untersucher, also Bauer, und dem Therapeuten, also der Uniklinik, ausschließen wollen, heißt es hier – um für den Arzt keine ökonomischen Anreize zu schaffen, viele positive Tumorbefunde melden zu könne. Rechtlich scheint das Freiburger Konstrukt jedoch zu funktionieren.
Die Pläne der neuen Partner gehen noch weiter. "Wir werden die Aktivitäten beider Brustzentren zusammenlegen", kündigt Bauer an, der einst die kleineren Krankenhäuser überreden wollte, ihm ein eigenes, neues Brustzentrum auf die grüne Wiese zu stellen – und hat jetzt die Rechnung ohne den Wirt gemacht. "Wir haben bisher noch keine derartige Zusage gemacht", heißt es im Diakonie-Krankenhaus. Im Gegenteil: "Auf Herrn Bauer sind wir nicht angewiesen"– inzwischen habe ein neuer Chefarzt dessen Operationen übernommen.
In Offenburg, Lahr, Villingen-Schwenningen, Rheinfelden und Freiburg hat die Deutsche Krebsgesellschaft insgesamt sechs Brustzentren zertifiziert. Ihr Ziel: In enger Kooperation der Mediziner der einzelnen Fachrichtungen den jährlich im Regierungsbezirk neu erkrankenden 1100 Frauen eine optimale Therapie zu garantieren.
- Kommentar: Keine Werbung fürs Screening
Autor: Michael Brendler


