Kritik an ideologischer Aufladung

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Do, 27. Dezember 2018

Freiburg

Stadtdekan Markus Engelhardt äußert sich zu Dietenbach.

FREIBURG (vö). Der evangelische Stadtdekan Markus Engelhardt hat in seiner Weihnachtspredigt auf den Bürgerentscheid zu Dietenbach am 24. Februar 2019 Bezug genommen. Ob man sich für oder gegen den neuen Stadtteil entscheide, sei keine Frage einer höheren Moral, "in der es nur schwarz oder weiß, wahr oder falsch gibt. Ökologie, der Schutz des natürlichen Bodens auf der einen und der soziale Friede, Teilhabegerechtigkeit auch am Wohnraum auf der anderen Seite dürfen nicht plump gegeneinander ausgespielt werden", sagte er an Heiligabend im Christvespergottesdienst in der Christuskirche.

Vielmehr gehe es um eine "nüchterne Güterabwägung", wo das eine gegenüber dem anderen höher zu gewichten sei. "Das ist eine Frage der pragmatischen Vernunft, keine ideologische", sagte Engelhardt. Er empfahl zu prüfen, ob die Absicht von Stadtverwaltung und Gemeinderat, Dietenbach zu bauen "nicht ein im Wortsinn not-wendiger Versuch" sei, die soziale Balance in der Stadt, die nach seiner Ansicht in den letzten Jahren sehr ins Kippen geraten sei, wieder zu stärken.

Erzbischof: Sorge um Sicherheit treibt Menschen um

Der Versuchung, strittige Fragen in unserer Gesellschaft ideologisch und unversöhnlich aufzuladen, könne man entgehen, wenn man die Weihnachtsgeschichte in den Blick nehme, so der Stadtdekan.

An Weihnachten sehen viele Menschen in der Botschaft vom Frieden auf Erden und dem "hehren Ideal der Liebe" jedoch auch eine Diskrepanz zur gelebten Wirklichkeit, so der Stadtdekan: "Das Licht der Heiligen Nacht ist für viele ein Zwielicht geworden." Es gäbe "diese eigenartige, sehr schmerzende Weihnachtstraurigkeit", vor der nicht wenige Menschen am meisten Angst hätten.

Der Theologe erklärt sich diesen Zwiespalt zwischen weihnachtlichem Ideal und Wirklichkeit mit "einer ganz hohen eigenen Moral", die dann häufig zu "abgrundtiefen Enttäuschungen" führen könne.

Auch Erzbischof Stephan Burger sprach in der Christmette im Münster von den daraus entstehendenden Herausforderungen. Der Umbruch, in dem sich die Gesellschaft befinde, die Verschiebung politischer Kräfte und "die Sorge um die Sicherheit in unserem Land, nicht zuletzt auch hier in der Stadt Freiburg", trieben die Menschen um, so Burger. Das geschehe zudem meist "in einer eigenartigen Spannung zwischen einer Skepsis fremden Menschen gegenüber, aber auch der Offenheit gegenüber den Hilfesuchenden und der vor Not und Tod Geflüchteten".