Kulturliste tritt wieder an - 48 Bewerber nominiert

Frank Zimmermann

Von Frank Zimmermann

Fr, 28. Februar 2014

Freiburg

48 Bewerber für die Kommunalwahl nominiert / Stadtrat Wiedemann kandidiert nicht mehr.

Mit Stadtrat Atai Keller und den weiteren Spitzenkandidaten Brigitte von Savigny, Martin Flashar und Rolf Störtzer geht die Kulturliste in ihren dritten Kommunalwahlkampf. Sie bildet derzeit mit der Linken Liste und den Unabhängigen Frauen die Fraktionsgemeinschaft Unabhängige Listen. Man habe aus so vielen Bewerbern wie noch nie die 48-köpfige Liste aufstellen können, sagte Keller am Donnerstag in einem Pressegespräch im Morat-Institut. Ziel sei es, mit mindestens drei Bewerbern in den Gemeinderat einzuziehen.

2004 trat die Kulturliste zum ersten Mal bei der Kommunalwahl an – und schaffte auf Anhieb mit den Bewerbern Atai Keller und Paul Bert den Einzug in den Gemeinderat. 2009 gelang dies erneut, damals mit Keller und Kinobetreiber Michael Wiedemann, der auf Listenplatz 15 angetreten war und das zweitbeste Ergebnis für die Kulturliste einfuhr. Wiedemann tritt diesmal aus beruflichen Gründen nicht mehr an. "Es hat Spaß gemacht", sagt er, gibt aber auch zu bedenken, dass das Amt des Stadtrats einem Halbtagsjob gleichkomme.

Rund dreieinhalb Stunden dauerte am Mittwoch die Sitzung, auf der über die Vorschlagsliste der Findungskommission abgestimmt wurde. Die Medien waren dazu nicht eingeladen. Stichwahlen gab es keine. Die 48-köpfige Liste besteht jeweils zur Hälfte aus Frauen und Männern, 22 der 48 Kandidaten treten erstmals an. Das berufliche Spektrum der Kandidaten ist breit: Es reicht vom Musiker, Architekten und Verleger bis zum Galeristen und Bildhauer. Mit dabei sind ein Winzer, ein Regisseur und drei Lehrer, ein pensionierter Richter, eine Tanztherapeutin und eine Klavierlehrerin. Auf der Liste vertreten sind auch vier Rechtsanwälte, eine Journalistin, eine Kinderärztin, eine Stadtführerin und drei Studentinnen.

Kandidaten wollen bald ein Wahlprogramm erarbeiten

Hinter Kulturberater Atai Keller (61 Jahre) gehen die Kunsthistorikerin Brigitte von Savigny (61), Archäologe Martin Flashar (54), der unlängst Bürgermeister in Gottenheim werden wollte, und Kulturprojektleiter Rolf Störtzer (61) ins Rennen. Auf der Liste finden sich auch Musiker Günter Buchwald (Platz 7), der durch seine Stummfilmkonzerte bekannt ist, der Kunsthistoriker und Sammler Franz Armin Morat (9), Galerist Markus Foth (23), Künstler Tom Brane (35), Schauspieler Georg Blumreiter (37), der derzeit am Wallgraben-Theater in "Tagträumer" zu sehen ist, und der frühere Stadtrat und Stadtplaner Paul Bert (Platz 48). Die Zahl der Bewerber sei so hoch wie noch nie gewesen, sagt Keller. "Das freut uns sehr. Es bestätigt unsere Arbeit."

Keller kündigt an, dass ein Gros der Kandidaten an einem Wochenende ein Wahlprogramm zusammenstellen werde. Mit dem Bau eines neuen Hauses für die Freie Tanz- und Theaterszene, der geplanten Wiedereinführung einer städtischen Kunstkommission und der Gründung eines Gestaltungsbeirats seien zuletzt wichtige Forderungen der Kulturliste realisiert worden oder vor der Realisierung.

Für die Kandidaten Brigitte von Savigny und Norbert Hahn ist die Möblierung der Innenstadt ein Dorn im Auge. Martin Flashar liegt die Kunst im öffentlichen Raum am Herzen, die durch fehlende Achtsamkeit bedroht sei, obwohl Freiburg eine Stadt mit außergewöhnlich vielen Kunstwerken auf Straßen und Plätzen sei. Rolf Störtzer setzt sich für mehr Künstlerateliers und Proberäume für junge Bands ein. Zudem, findet er, seien jährlich 10 000 Euro für den Ankauf neuer Kunstwerke für alle städtischen Museen zusammen "eine lächerliche Summe".