Kunst und Handwerk gehören dazu

Anita Rüffer

Von Anita Rüffer

Mo, 24. Juni 2013

Freiburg

Die Waldorfschule St. Georgen feiert 40 Jahre / Gartenbaulehrer Hermann Bents ist seit 1982 dabei.

Als Hermann Bents 1982 als Lehrer für Gartenbau an die Schule kam, hatte sie schon neun Jahre Leben hinter sich: 1973 wurde die Freie Waldorfschule St.Georgen "geboren". Damals noch als Ableger der Waldorfschule an der Schwimmbadstraße, der ältesten ihrer Art in Freiburg. Am Wochenende feierte die "Tochter" ihren 40. Geburtstag. Mit 600 Schülerinnen und Schülern und einem 60-köpfigen Kollegium ist sie der "Mutter" zwischenzeitlich über den Kopf gewachsen.

Weil zu viele Eltern Anfang der 1970-er Jahre eine Waldorfschule für ihre Kinder suchten, die in der Schwimmbadstraße aber voll war, gründeten sie kurzerhand einen eigenen Verein und drei Jahre später eine eigene Schule. Zwei Jahre lang residierte diese in einer Villa in der Holbeinstraße, bevor sie auf dem Zechengelände in St.Georgen unterkam. Mit viel Elternhilfe wurden die Gebäude in ein gemütliches Schuldomizil verwandelt – heute ist dort das Albertus-Magnus-Haus. Nach zehn Jahren war auch das zu klein.

An Pfingsten 1985 zog die Schule an die Bergiselstraße in ein neues Haus. "Schöne Gemeinschaftserlebnisse" verbindet Bents mit dem Umzug. "Mit Bollerwagen sind wir von der Zeche hier rüber gezogen." Schüler, Eltern und Lehrer, alle hätten mit angepackt, auch schon beim Bau des Schulhauses. Schließlich gehört die Selbstverwaltung zum Prinzip der Waldorfschule. Alle übernehmen gemeinsam Verantwortung und bekommen den gleichen Lohn. Es gibt keinen Chef, der sagt, wo es lang geht, sondern Gremien für alles und jedes.

Das kostet, wie Bents einräumt, viel Zeit, macht Arbeit und auch mal Stress. "Für die Architekten war das nicht einfach." Für die Lehrerinnen und Lehrer auch nicht: Seit sieben Jahren keine Gehaltserhöhungen und Mehrarbeit im Dienst der Schule bei einem Grundgehalt, das einem Drittel von dem eines Oberstudienrats entspreche. "Die Arbeit hier erfordert einen ideellen Einsatz." Dem 58-jährigen studierten Forstwirt war sie das wert. "Ich hätte auch Forstamtsleiter werden können." Aber er hatte sich in den Kopf gesetzt, Lehrer zu werden, absolvierte noch eine Gärtnerlehre und eine Ausbildung zum Waldorflehrer.

In einer anthroposophischen Einrichtung meinte er seinen Traum am besten verwirklichen zu können: Kinder an die Natur heranführen, nicht indem nur darüber geredet wird, sondern indem sie zwei Pflichtstunden in der Woche draußen die eigene grüne Oase hegen und pflegen, Kräutersalz herstellen, Marmelade kochen. Den Wert des Ganzen, gibt er freimütig zu, erkennen manche erst als Erwachsene.

Das mag auch andere "Hand-Arbeiten" betreffen: Kunst und Handwerk werden groß geschrieben in Waldorfschulen, die sich als eine Art Gesamtschule verstehen. Weshalb 1994 an der Bergiselstraße ein Werkstatttrakt dazu kam. Und weil Klassengrößen von um die 40 Schülerinnen und Schülern Anfang der 90-er Jahre nicht mehr tragbar waren, wurde die Zweizügigkeit mit Klassenstärken von maximal 24 beschlossen. Dafür wurde wieder angebaut: Der Festsaal mit zusätzlichen zwölf Klassenräumen wurde 2008 eingeweiht. Jetzt muss kein Sportunterricht mehr ausfallen, weil die Turnhalle für Jahresfeste, Zirkus- oder Theateraufführungen herhalten muss. Oder für die Jubiläumsfeierlichkeiten zum Geburtstag mit viel lokaler politischer Prominenz einschließlich Grußwort des Oberbürgermeisters.