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07. August 2014

Laborbesuch

BZ-FERIENAKTION: Am Max-Planck-Institut für Immunbiologie und Epigenetik erfahren 130 Leserinnen und Leser etwas über Zellen – und Bananen.

Warum ist die Banane krumm? Diese Frage ist ein Klassiker und wird immer wieder – auch sprichwörtlich – gestellt. Bei der BZ-Ferienaktion gestern im Max-Planck-Institut für Immunbiologie und Epigenetik konnten Kinder und Jugendliche im Labor tatsächlich das aus der Frucht herausfiltern, was damit zu tun hat: Ihre DNA, in der die Erbinformationen der Banane gespeichert sind. Die Erwachsenen erfuhren, warum es gut ist, Bananen zu essen – und was das alles zu tun hat mit Immunbiologie und Epigenetik, jenen Forschungsfeldern, mit denen sich die 325 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Instituts tagtäglich beschäftigen.

Rund 130 BZ-Leser sind gekommen – und sie quetschen sich durch die Labore des Max-Planck-Instituts und drängen sich um die großen Maschinen und Computerbildschirme, die es im Institutsgebäude im Industriegebiet Nord gibt. In der Mikroskopierabteilung hält Mitarbeiterin Petra Kindle bunte Bilder in die Luft. Keine Kunstwerke, sondern Aufnahmen aus hochauflösenden Mikroskopen, mit denen das Max-Planck-Institut arbeitet. Zwischen 200 000 und einer Million Euro kostet ein solches Gerät – und wie eine Zecke darunter aussieht, sehen die BZ-Leser dann selbst. Durch Licht grün gefärbt und 100-fach vergrößert liegt sie da. "Das wäre das richtige für einen Science-Fiction-Horror-Film", meint eine Frau. Unter einem anderen Mikroskop ist der Herzmuskel einer Maus zu sehen.

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Eine Etage tiefer stehen herkömmliche Mikroskope, die jeder aus der Schule kennt. Auch die Kinder und Jugendlichen, die hier in weißen Kitteln und mit blauen Einmal-Handschuhen stehen. Obwohl gerade Ferien sind, sind sie hoch motiviert – und fragen den Mitarbeitern des Max-Planck-Instituts Löcher in den Bauch. In einem Reagenzglas schwimmt eine gelbliche Pampe: zerquetschte Bananen. Davon soll am Ende nur noch die DNA übrig bleiben. Doch was ist das eigentlich, diese DNA oder Desoxyribonukleinsäure?

Die DNA ist wie der

Speicher eines Computers

"Das könnt ihr Euch vorstellen wie der Speicher eines Computers, darin liegen alle wichtigen Informationen", erklärt Peter Nielsen. Die Kinder nicken – und machen sich ans Werk. Mit Salz und Spüli stellen sie eine Lösung her, rühren, mischen, schütteln und gießen alles durch einen Kaffeefilter. Spülmittel? "Das löst die Membran der Zelle auf", erklärt Peter Nielsen, sie bestehe aus Fett.

Wenig später ist von der Banane tatsächlich nur noch die DNA übrig – was die Kinder daran erkennen, dass sie lange Fäden zieht. Zwei Meter lang ist die DNA in einem menschlichen Zellkern, wenn sie auseinander gerollt wäre: Das hat Thomas Jenuwein, Direktor und Wissenschaftliches Mitglied am Max-Planck-Institut, den Teilnehmern der Ferienaktion schon zu Beginn des Tages in einem Vortrag erklärt. Sein Steckenpferd ist die Epigenetik: eine der Schwerpunkte in der Forschung des Max-Planck-Instituts. Dabei geht es beispielsweise um die Frage, warum Zellen wissen, was sie zu tun haben. Das Max-Planck-Institut betreibt Grundlagenforschung. Die Wissenschaftler wollen verstehen, wie etwas funktioniert. Das ist wichtig für die Praxis, etwa bei der Erforschung von Krankheiten. Wenn man beispielsweise einer Muskelzelle erklären könnte, dass sie zukünftig eine Hautzelle sein muss, könnte das Transplantationen deutlich erleichtern.

Um Experimente machen zu können, ist es für die Wissenschaftler wichtig, einzelne Zellen zu extrahieren. Dafür gibt es im Max-Planck-Institut große Maschinen. Die BZ-Leser dürfen schauen, wie diese von innen aussehen. Daneben stehen Computerbildschirme, auf denen – mal mehr, mal weniger dicht gedrängt – die verschiedenen Zelltypen zu sehen sind. Mit Hilfe eines Laserstrahls werden die Zellen blitzschnell sortiert. Die Ausgangssubstanz läuft dabei an Platten mit 4000 Volt Spannung vorbei. "Finger weg", mahnt Mitarbeiter Andreas Würch.

In der Epigentik spielen vererbbare Eigenschaften eine Rolle. So haben Wissenschaftler herausgefunden, dass die Nahrung, die die Eltern aufnehmen, nicht nur darüber entscheidet, wie sich das Kind entwickelt und welche Krankheiten es bekommt, sondern sogar noch Einfluss hat auf Enkel und Urenkel. "Für immer gilt das jedoch nicht", erklärt Jenuwein. Positive Wirkungen, so Jenuwein, hätten beispielsweise Brokkoli, Avocado, Rosenkohl und Spinat – und auch Bananen.

Autor: Jelka Louisa Beule und Ingo Schneider (Fotos)