Urteil

Mann wegen Angriff auf Ladenbesitzerin zu sechs Monaten Freiheitsstrafe verurteilt

Fabian Vögtle

Von Fabian Vögtle

Di, 21. November 2017 um 10:31 Uhr

Freiburg

Hausfriedensbruch, Nötigung und versuchter Körperverletzung: Ein 37-Jähriger wurde für den Angriff auf eine Ladenbesitzerin in Freiburg verurteilt. Er muss sechs Monate in Haft.

Im Prozess um den Angriff auf eine Ladenbesitzerin im Stühlinger hat das Amtsgericht Freiburg am Montag ein Urteil gefällt. Der bereits vorbestrafte 37-Jährige erhielt wegen Hausfriedensbruch, Nötigung und versuchter Körperverletzung eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten ohne Bewährung. Seine ebenfalls vorbestrafte Ex-Freundin, die als Hauptzeugin geladen war, machte in der Verhandlung von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch.

Nach nur zwei Minuten verließ sie den Saal V des Amtsgerichtsgebäudes wieder. Zum Vorfall, der sich am 15. Februar dieses Jahres an der Klarastraße ereignete, und der Rolle ihres angeklagten Ex-Freundes (die BZ berichtete) wollte sich die 30-jährige Hauptzeugin, die der Polizei auch als Straftäterin bekannt ist, nicht äußern. Am ersten Prozesstag im Oktober war sie erst gar nicht aufgetaucht.

"Nur eine kleine Eskalation"?

Und so blieben zur Beweisaufnahme am Montag zwei Zeugen. Ein Zeuge, der zur Tatzeit mit der Ladenbesitzerin telefonierte, gab an, während des Gesprächs im Hintergrund aggressive Stimmen sowie vulgäre Beleidigungen gehört zu haben. Damit bestätigte er die bereits vom Opfer selbst geschilderten Vorkommnisse.

Die zweite Zeugin, eine Bekannte des Angeklagten, die an jenem Tag mit dessen Ex-Freundin und deren Tochter unterwegs gewesen war, versuchte während ihrer Aussage den 37-Jährigen zu entlasten. Demnach sei es in dem Laden an der Klarastraße nur zu einer kleinen Eskalation zwischen der damaligen Freundin und der Ladenbesitzerin gekommen.

Gericht glaubt der Schilderung des Opfers

Sie habe durch das Schaufenster beobachtet, wie die Inhaberin ihrer Bekannten eine Ohrfeige verpasst hätte. "Dann hat sie sich gewehrt und sie geschubst." Dabei sei die Hausherrin auf einen Kleiderständer gestürzt. "Das war Verteidigung", betonte die Zeugin und stritt auf Nachfragen von Richter Nils Klein und Verteidigerin Christina Gröbmayr ab, dass auch der Angeklagte mit seinem Hund die offene Ladentür betreten habe, um die Besitzerin zu bedrohen und zu bedrängen, so wie diese den Tathergang geschildert hatte.

Richter Klein bewertete die Aussagen in seiner späteren Urteilsbegründung als "tendenziös" und fügte hinzu: "Die Zeugin hat gezittert wie Espenlaub." Er sei überzeugt, dass die Tat so stattgefunden habe, wie es das Opfer bereits am ersten Prozesstag geschildert hatte. Dafür spreche der hohe Detaillierungsgrad. Die Aussage des Angeklagten, er habe keine Eskalation gewollt, sei eine Schutzbehauptung. Eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten sei für die Tat angemessen. Vom Vorwurf des unerlaubten Waffenbesitzes sprach der Richter den Mann jedoch frei.

Wegen Nazi-Shirt aneinandergeraten

Gröbmayr plädierte auf Freispruch. Man könne ihrem Mandanten keinen Tatbeitrag nachweisen und allenfalls von Hausfriedensbruch sprechen. Zudem sei zu berücksichtigen, dass die Ladeninhaberin den Angeklagten in der Vergangenheit wegen seiner politischen Haltung – vor zwei Jahren gerieten beide aneinander, weil er ein Nazi-Shirt trug – nicht in Ruhe gelassen habe.

Deshalb hätten ihre Aussagen "Belastungstendenzen". "Wird hier nicht etwas gegen jemanden ausgeschlachtet, der vielen im Stühlinger ein Dorn im Auge ist?", fragte sie.

Mehr zum Thema: