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05. Februar 2015

Uniklinik Freiburg hilft bei der Ausbildung von afghanischen Ärzten

Auch nach dem Abzug der Bundeswehr hilft die Uniklinik einem Krankenhaus in Afghanistan.

  1. Studenten in Mazar-i-Sharif lernen mit der Sam-II-Puppe, die von der Uniklinik finanziert wurde. Foto: Privat

Die internationalen Soldaten ziehen ab, auch die Bundeswehr ist seit Jahresanfang nicht mehr in Afghanistan präsent. Weiterhin aktiv für das Land am Hindukusch ist jedoch die Uniklinik Freiburg. Seit zwei Jahren läuft ein Projekt, das die Ausbildung von afghanischen Ärzten unterstützt. Wegen der prekären Sicherheitslage in Afghanistan tritt es zur Zeit allerdings etwas auf der Stelle, zwei Besuche der deutschen Delegation mussten bereits abgesagt werden. Stattdessen kommen afghanische Ärzte nach Freiburg und verbessern hier ihr Wissen.

"Wir hoffen, dass wir im Sommer oder im Herbst wieder nach Afghanistan fahren können", sagt Michael Wirsching, Verantwortlicher für das Afghanistan-Projekt und Leiter der Abteilung für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie des Uniklinikums. Zuletzt sei daran wegen der Unruhen rund um die Präsidentschaftswahlen nicht zu denken gewesen. Mit dem neuen Präsidenten von Afghanistan, Ashraf Ghani, gab es jedoch schon Kontakt: Ende vergangenen Jahres konnte die Freiburger Projektgruppe, zu der neben Michael Wirsching der Gynäkologe Michael Runge und die Allgemeinmediziner Wilhelm Niebling und Zahir Nazary gehören, sich per Videokonferenz eine Stunde lang mit Ashraf Ghani unterhalten. Wirsching glaubt, dass die Anliegen aus Freiburg auf fruchtbaren Boden gefallen sind: "Es war ein sehr interessantes Gespräch." Er hofft, dass sich unter Ashraf Ghani die medizinische Versorgung in Afghanistan verbessern wird. Daran will auch die Freiburger Delegation weiter arbeiten. Das Projekt, das vom Auswärtigen Amt mit 200 000 Euro jährlich gefördert wird, läuft noch bis Ende 2017.

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Im Moment ist die Reise zu gefährlich

Da eine Reise nach Afghanistan im Moment zu gefährlich ist, holt die Uniklinik stattdessen immer wieder afghanische Ärzte nach Deutschland. In Seminaren lernen sie die Theorie, auf den Stationen der Uniklinik sehen sie die Umsetzung. Dieses Wissen sollen sie dann nach Afghanistan tragen. Mit afghanischen Medizinstudenten ist die Uniklinik in Kontakt, sie bekommen aus Deutschland Lernmaterialien, zum Beispiel lebensechte Puppen, an denen sie üben können. In Afghanistan fehle den Studierenden vor allem die Praxis, erzählt Wirsching. Dies habe sich durch den Einsatz der Freiburger Uniklinik bereits verbessert: In Masar-i-Scharif gebe es jetzt Kontakte zwischen Universität und Krankenhaus: "Das war ein erster Meilenstein unserer Projekts."

Auch wenn dies erst einmal gar nicht so spektakulär klingt: In Afghanistan seien Strukturen vorhanden, die vieles sehr kompliziert machten, sagt Wirsching: "Davon machen wir uns kein Bild." Ein Problem sei auch die schlechte Bezahlung der Ärzte. Sie sind deshalb eher in Privatkliniken tätig – und fehlen dann in den allgemeinen Krankenhäusern. Dort sei die Medizin zum Teil noch auf dem Stand von vor 200 Jahren, berichtet Wirsching: In der psychiatrischen Klinik würden die Patienten sediert und am Bett fixiert. Durch die Freiburger Uniklinik lernten die Ärzte nun Gesprächstherapien. Weitere Schwerpunkte des Einsatzes sind Hilfen gegen Infektionskrankheiten und gegen die hohe Mutter-Kind-Sterblichkeit.

Der Einsatz der Freiburger Uniklinik bewege sich "zwischen Hoffnungslosigkeit und missionarischem Sich-Einmischen", sagt Wirsching: "Aber wir machen weiter." Vieles, was er selbst in Afghanistan erlebt habe, oder Schicksale, von denen die afghanischen Ärzte in Freiburg berichteten, gingen unter die Haut. Dafür, sagt Wirsching, lohne sich der Einsatz – auch wenn die derzeitigen Aktivitäten nur ein mäßiger Ersatz für die direkte Hilfe vor Ort seien.

Autor: Jelka Louisa Beule