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20. Dezember 2012

MEINUNG: Große Chancen und kleine Schritte

GASTBEITRAG: Solararchitekt Rolf Disch kritisiert die Unentschlossenheit der Stadt beim Klima- und Umweltschutz.

  1. Foto: Michael Bamberger

Freiburg ist Deutschlands nachhaltigste Großstadt! Herzlichen Glückwunsch an den Oberbürgermeister und an alle, die zu diesem schönen Erfolg beigetragen haben. Wie OB Salomon bei der Preisverleihung durch die Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis sagte: Es ist "Ehre und Anerkennung für Freiburg und Ansporn für die weitere Zukunft auf unserem Weg zu einer nachhaltigen Stadt!"

Erst kürzlich hat eine neue Studie des Öko-Instituts diesen "Ansporn" konkretisiert. Diese Studie schließt an die Studie zur "Klimaneutralen Kommune" an, und die Studie zur 100-Prozent-Region der Energieagentur weist in dieselbe Richtung. Die Maßnahmen, die zu ergreifen sind, sind ebenfalls hinreichend studiert. Die Stadtverwaltung aber mag vorerst keine – oder nur kleine – Maßnahmen ergreifen, mag auch nicht die Klimaschutz-Ziele anpassen, bevor nicht noch eine weitere Studie, dieses Mal zur Klima- bilanz 2010/2011, vorliegt. Bürgermeisterin Stuchlik setzt auf "kleine Schritte" ebenso wie Gemeinderat Nikolaus von Gayling-Westphal "kleine Lösungen" bevorzugt. Hermann Scheer, der Erfinder des Erneuerbare-Energien-Gesetzes sprach vom "Minimum als Maximum" mit Blick auf die großen Klimakonferenzen, wo vor lauter Rücksichtnahmen und kurzsichtigen Egoismen nur Minimalkonsense beschlossen werden, so dass das Gefahrenpotenzial ständig weiter steigen kann.

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Klimaschutz spart Geld

und bringt Rendite

Auf der lokalen Ebene aber können wir viel agiler sein. Überlassen wir den Kleinmut den Großkonferenzen!

"Kleine Lösungen, die wenig kosten", wünscht sich Herr von Gayling. Gemeinderat Thilo Buchholz kontert: "Was kostet es die Stadt später, wenn wir die Maßnahmen jetzt nicht umsetzen?" Doch selbst diese Frage trifft noch nicht den Kern, weil auch sie noch auf die Kosten starrt wie das Kaninchen auf die Kobra: Jeder Euro, der in Klimaschutz-Maßnahmen investiert wird, vermeidet doch gerade Kosten oder erzielt sogar Gewinne. Wechseln wir die Perspektive: Reden wir also von Investitionen, nicht von Kosten!

Was alles an Investitionen könnte man zum Beispiel mit den vom Öko-Institut vorgeschlagenen 8,5 neuen Stellen bei der Stadt Freiburg auslösen, die sich ausschließlich um die Umsetzung von Klimaschutz-Maßnahmen kümmern! Klimaschutz würde so zu einem kommunalen Wirtschaftsförderungsprogramm, das Arbeitsplätze in innovativen Branchen schafft – und das nicht zuletzt große Steuer-Rückflüsse generiert.

Ein Klima für privatwirtschaftliche Investitionen in den Klimaschutz erreichen wir nicht durch allzu kleine Schritte. Sondern durch einen zugleich visionären und realistischen Maßnahmenplan, den Oberbürgermeister, Umweltbürgermeisterin, Kämmerer und Wirtschaftsförderer zur Chefsache machen, um dann – mit Bürgern und Unternehmen – Maßnahme für Maßnahme Schlag auf Schlag umzusetzen.

Rolf Disch: 1944 in Freiburg geboren, seit 1969 Inhaber des Architekturbüros Rolf Disch Solar Architektur; geschäftsführender Gesellschafter der Solarsiedlung GmbH. Er schuf das erste Plusenergiehaus (Heliotrop) und auch die erste Plusenergie-Siedlung der Welt. Er ist Mitbegründer des Fördervereins Energie und Solaragentur Regio Freiburg (FESA), der 100 Prozent GmbH und Träger des Utopia Awards (2009), des World Energy Globe (2003) sowie des Europäischen Solarpreises (2002).


Autor: bz