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19. Oktober 2016 10:53 Uhr

Landgericht Freiburg

Menschenhandel: Drei Männer in Freiburg vor Gericht

Drei Männer müssen sich vor dem Landgericht Freiburg wegen Menschenhandel verantworten. Sie sollen mehrere Frauen nach Deutschland gebracht haben, um sie sexuell auszubeuten.

  1. Die Staatsanwaltschaft hätte gerne mehrere Verfahren verbunden, das Gericht wehrt sich jedoch dagegen. Foto: dpa

Es geht um Prostitution und gefälschte Papiere. Am Landgericht Freiburg müssen sich derzeit drei Männer verantworten, die Frauen aus der Ukraine und Moldawien nach Freiburg gebracht und auf Bordelle verteilt haben sollen. Der Vorwurf: Schwerer Menschenhandel zum Zwecke der sexuellen Ausbeutung von Frauen.

Die beiden Hauptangeklagten hüllen sich in Schweigen. Sie und ihre Anwälte haben jetzt einen so genannten Deal mit dem Gericht abgelehnt. Nur der dritte Angeklagte, der Beihilfe angeklagt, hat angenommen. Er hat gestanden, 6000 Euro von einer Frau angenommen, an die Hintermänner weitergeleitet und einer illegal arbeitenden Prostituierten Unterkunft gewährt zu haben. Sein Verfahren wird abgetrennt und seine Bewährungsstrafe am Ende zwischen neun und 15 Monaten liegen.

Hintermann nicht auf der Anklagebank

Der mutmaßlich wichtigste Hintermann aus der Ukraine, mit einem Wohnsitz in Freiburg, sitzt nicht auf der Anklagebank. Ende August 2016 ist der Mann ausgeliefert worden und sitzt hier in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft hätte gerne die Verfahren verbunden, das Gericht wehrt sich jedoch dagegen. Der Vorsitzende Richter Arne Wiemann erwidert der Vertreterin der Staatsanwaltschaft: "Das braucht Zeit und das muss einmal öffentlich gesagt werden." Zeit für die Akteneinsicht eines Verteidigers und für die Entscheidung des Gerichts über die Zulassung der Anklage zur Hauptverhandlung.

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Die Frauen, die von den beiden Hauptangeklagten mit gefälschten EU-Ausweisen und Visa der Prostitution unter anderem in Freiburg zugeführt worden sein sollen, sind längst in ihre Heimatländer zurückgekehrt.

Die Hälfte der Einnahmen ging an die Bordellbetreiber

Am 9. Dezember 2015 hatten die Fahnder mehrere Etablissements und die Wohnungen der Angeklagten durchsucht. Dort fanden sie echte Ausweise von den Prostituierten und gefälschte Papiere aus Litauen, Polen und Rumänien. Die Prostituierten wurden vernommen, dann mussten sie in ihre Heimatländer zurückkehren. Die Verteidiger fragen die Polizisten nach Formalien wie Zeugenbelehrungen oder Namen der Dolmetscher. Gleichzeitig versuchen sie die Glaubwürdigkeit der Frauen, deren Aussagen im Prozess von den Polizisten referiert werden, zu erschüttern: Sie hätten sich selbst durch das Vorzeigen der gefälschten Ausweise und durch die illegale Arbeitsaufnahme strafbar gemacht.

Falsche Hoffnungen

Aus den Aussagen der Frauen geht hervor, dass sie hofften, in Deutschland bis zu 6000 Euro im Monat zu verdienen. Ihnen sei klar gewesen, dass sie dafür sexuelle Dienstleistungen anbieten sollten. An den mutmaßlichen Hintermann und einen der Angeklagten waren monatlich 1500 Euro für die gefälschten Ausweise zu zahlen. An die Bordellbetreiber ging die Hälfte ihrer Einnahmen zuzüglich 25 Euro täglich für das Finanzamt. 100 Euro zahlten Freier pro 30 Minuten.

Nicht jede Frau hatte am Ende eines Monats genug Geld verdient, um 1500 Euro für die "Arbeitsvermittlung" zahlen zu können. Eine ließ sich deshalb Geld von Verwandten schicken. Von direkten Drohungen oder physischer Gewalt berichten die Frauen nicht.

Der Prozess wird wohl weit mehr als die bislang vorgesehenen neun Verhandlungstage bis November benötigen.

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Autor: Peter Sliwka