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15. August 2012

Freiburg

Mit dem Twike durch die Alpen

Eine Freiburger Geografin fährt mit ihrem Twike bei der E-Miglia mit. Mit ihrem dreirädrigen Elektromobil startet Silvia Brutschin bei der internationalen Rallye für Elektromobile durch die Alpen. Unter den 20 Startern ist ein weiterer Freiburger.

  1. Silvia Brutschin mit Twike in der marokkanischen Wüste. Foto: Werksfoto

Mit einem Twike, einem dreirädrigen Elektromobil, ist die Freiburger Geografin Silvia Brutschin dieser Tage auf der E-Miglia, der internationalen Rallye für Elektromobile durch die Alpen unterwegs. Die Rallye startete am vergangenen Sonntag in München, über Großglocknerhochalpenstraße und Südtirol geht es in vier Tagen nach St. Moritz. 800 Kilometer sind insgesamt zu bewältigen, leise und emissionsfrei. 20 Elektromobile, darunter vier Twikes, nehmen teil und fahren um ein Preisgeld von 2500 Euro.

"Der Hersteller meines Twikes hat mich zur Teilnahme an der E-Miglia eingeladen", erzählt Silvia Brutschin. Seit ihrer Twike-Tour von Freiburg nach Marokko im Dezember vergangenen Jahres ist sie in der Twike-Szene eine feste Größe. Zur Zeit baut sie bei Agadir in Marokko ein kleines Unternehmen für sanften Tourismus auf, das Twike-Touren anbietet.

Begonnen hatte alles 2007. Damals war die 30-Jährige nach einer Studienexkursion in Südspanien zwei Wochen lang alleine mit dem Fahrrad durch Marokko gefahren. Land und Leute beeindruckten sie sehr. Nach Freiburg zurückgekehrt, lernte sie in Abendkursen Arabisch und verbrachte in den folgenden Jahren jede freie Zeit in Marokko, durchquerte das Land von West nach Ost mit dem Fahrrad. "Alleine reisen bin ich als Geografin gewohnt", sagt sie, "das Fahrzeug an meiner Seite verschafft mir Respekt, da werde ich nicht dauernd angemacht." Ein Auslandssemester in Agadir folgte, auch ihre Abschlussarbeit schrieb sie über Marokko.

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Das Wüstenstromprojekt Desertec, das vorsieht, in den Wüstengegenden Nordafrikas erneuerbare Energie mit Hilfe von Photovoltaik- und Windkraftanlagen zu erzeugen und diese in die Verbrauchszentren in Europa zu übertragen, lenkte dann 2011 Brutschins Aufmerksamkeit auf Elektrofahrzeuge. So entstand die Idee, statt mit dem Fahrrad mit einem Elektromobil zu reisen und damit Werbung für Elektromobilität zu machen. "Ein Twike kostet leider noch über 20 000 Euro. Deshalb habe ich dann bei der Herstellerfirma nachgefragt, ob sie mir für die Reise eines zur Verfügung stellen würden." Das war nicht möglich, die Firma unterstützte die Reise jedoch mit technischem Support und Marketing.

Auf ihrer Reise nach Agadir hat Silvia Brutschin 2500 Kilometer zurückgelegt, pro Tag etwa 400 Kilometer. Das Twike ist eine Art Liegefahrrad mit Vollverkleidung bei dem man mittreten kann. Es erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 85 Stundenkilometern. Der Akku hat eine Reichweite von 200 Kilometern und kann an jeder Steckdose aufgeladen werden.

Durch ihre Twike-Fahrten hat Silvia Brutschin inzwischen Kontakt zum Energieminister Marokkos und zu vielen anderen Politikern bekommen. Sie wird zu internationalen Konferenzen wie der Menarec, der Middle East North Africa Renewable Conference, eingeladen. "Mein großer Wunsch ist, dass ich einen Kontakt zwischen der Green City Freiburg und meiner marokkanischen Zweitheimatstadt Agadir herstellen kann. Agadir soll nämlich Modellstadt für erneuerbare Energie werden."

Silvia Brutschin ist übrigens nicht die einzige Starterin aus dem Raum Freiburg bei der Rallye E-Miglia. Der 75-jährige François Loeb, Ex-Nationalrat der Schweiz, der in Merzhausen lebt, nimmt ebenfalls teil.

Autor: Gabriele Hennicke