Freiburger Start-Ups

Mit ihrer Idana-Software will die Firma Tomes die Erfassung der Krankengeschichte erleichtern

Ursula Thomas-Stein

Von Ursula Thomas-Stein

Di, 10. April 2018

Freiburg

Acht Minuten – so lange haben deutsche Ärzte im Durchschnitt Zeit für ein Patientengespräch. Die ausführliche Befragung kommt dabei oft zu kurz. Idana, die nach eigenen Angaben erste Software für eine „intelligente digitale Anamnese“ will das ändern: Sie erfasst alle wichtigen Informationen schon vor dem Arztgespräch.

FREIBURG-BRÜHL. Acht Minuten – so lange haben deutsche Ärzte im Durchschnitt Zeit für ein Patientengespräch. Die ausführliche Befragung kommt dabei oft zu kurz. Idana, die nach eigenen Angaben erste Software für eine "intelligente digitale Anamnese" will das ändern: Sie erfasst alle wichtigen Informationen schon vor dem Arztgespräch.

Fragebögen, die man im Wartezimmer ausfüllt, kennt jeder. Das Neue an Idana: Es werden nicht nur Standardfragen abgedeckt. Wenn zum Beispiel jemand mit Rückenschmerzen vorstellig wird, erhält er vom Arzt den Idana-Rückenschmerz-Fragebogen und weitere Anamnesefragebögen zu Medikation oder Lebensstil. Via Smartphone oder Tablet können im Wartezimmer oder von zu Hause die Fragen beantwortet werden. Über das Internet werden die Antworten an den Arzt-Computer übermittelt und dort übersichtlich als PDF-Datei dargestellt. "Es ist eine Win-win-Situation für Arzt und Patienten", erklärt Lucas Spohn, selbst Mediziner. "Der Arzt kann sich vorab ein genaues Bild von seinem Patienten machen und hat mehr Zeit, individuell auf ihn einzugehen."

Die Geschäftsidee hatte Spohn während seines praktischen Jahres, als er den ständigen Zeitmangel in der Klinik erlebte: "Ich hatte Lust, die Medizin global zu verbessern, nicht nur in einer einzelnen Arztpraxis." Nach Abschluss seines Studiums 2015 arbeitete Spohn mit dem Gründerbüro der Uni Freiburg seinen Businessplan aus. Beim Startinsland-Gründerwettbewerb stellte er die Idee vor und gewann Jerome Meinke als Mitstreiter – der Informatiker saß damals im Publikum. Die Dritte im Bunde, die Ärztin Lilian Rettegi, meldete sich auf eine Facebook-Anzeige. Im Oktober 2016 gründete das interdisziplinäre Trio die Tomes GmbH, erhielt ein Exist-Gründerstipendium und begann eine Kooperation mit der Uniklinik Freiburg.

Keine Kosten für Anschaffung oder Wartung

Idana wird gemäß dem Prinzip "Software as a Service" vertrieben, also als Dienstleistung. Kunden benötigen dafür internetfähige Computer und Tablets. Eine Erhebung, bei der beliebig viele Fragebögen kombiniert werden können, kostet 50 Cent. Kosten für Anschaffung, technische Wartung oder Updates fallen keine an. Zudem werden so genannte Medienbrüche vermieden. Die manuelle Übertragung der Daten von Papierfragebögen in die elektronische Akte ist nicht mehr nötig. Dank eines anwaltlich geprüften Datenschutzkonzepts mit einer asymmetrischen Ende-zu-Ende-Verschlüsselung sei der Datenschutz gewährleistet, versichert Spohn, der auch einen Bachelor-Abschluss in Embedded Systems Engineering hat.

Aktuell sammelt das junge Unternehmen bis zu 500 000 Euro Kapital über eine Crowdinvesting-Kampagne ein, während mehrere Praxen und zwei Abteilungen der Uniklinik die Software testen. Seit Ende 2017 hat die Firma zwei Räume im Biotechpark Freiburg angemietet. Zu den neun Mitarbeitern, sechs davon in Vollzeit, gehören auch Designer und Vertriebler. "Unsere Vision ist es, die Beziehung zwischen Arzt und Patient zu revolutionieren, und in der Medizin mehr Zeit für das Wesentliche zu schaffen", erklärt Lucas Spohn, "also für den Patienten."