31. Oktober

Moraltheologe Eberhard Schockenhoff zum ökumenischen Reformationsgottesdienst

Sina Schuler

Von Sina Schuler

Sa, 28. Oktober 2017

Freiburg

Am Reformationstag ist einiges in Freiburg geboten. Unter anderem gibt es einen ökumenischen Gottesdienst in der Universitätskirche. Warum der zentrale Reformationsgottesdienst nicht reicht, sagt Moraltheologe Eberhard Schockenhoff im Interview.

Zum Reformationstag am kommenden Dienstag finden in Freiburg einige Gottesdienste statt. Neben der zentralen Feier im Stadttheater richten die Theologische und die Philosophische Fakultät einen ökumenischen Gottesdienst in der katholischen Universitätskirche aus. Sina Schuler hat mit einem der Organisatoren gesprochen, dem katholischen Moraltheologen Eberhard Schockenhoff.

BZ: Herr Schockenhoff, Sie planen einen ökumenischen Gottesdienst. Kommt Ihnen die Ökumene beim zentralen Gottesdienst im Stadttheater zu kurz?
Schockenhoff: Die Reformation hat viele Aspekte. Sie ist ein historisches Ereignis, ein politisches, ein kulturelles. Aber im Kern ist sie ein religiöses Ereignis und deshalb ist der richtige Ort für ein Reformationsgedenken eben auch ein Kirchenraum. Und darauf kommt es uns an. Wir wollen die Freiburger Bevölkerung beiderlei Konfessionen einladen, miteinander der Reformation zu gedenken.
BZ: Ist das Stadttheater also nicht der richtige Ort, um der Reformation zu gedenken?
Schockenhoff: Unsere Feier richtet sich gegen niemanden. Wir wollen deutlich machen, dass Martin Luther ja nicht eine Kirchenspaltung wollte oder eine protestantische Sonderkirche gründen, sondern er wollte die Erneuerung, die Reform der gesamten Christenheit. Das war sein Ziel. Wenn wir uns heute nach vielen hundert Jahren auf dieses ursprüngliche Anliegen besinnen, dann wollen wir das auch gemeinsam in ökumenischer Zusammenarbeit tun.
BZ: Sie und Ihr evangelischer Kollege Reiner Marquard halten eine Predigt. Um was wird es gehen?
Schockenhoff: Ich möchte als katholischer Theologe einen Blick auf Martin Luther werfen und fragen, was man als heutiger Christ in seinem Wirken, seinen Werken und seinen theologischen Überlegungen an Ermunterungen zum Christsein finden kann. Dazu werde ich Luthers Freiheitsverständnis in den Mittelpunkt stellen. Das wird ja auch manchmal polarisierend dargestellt. Die Evangelische Kirche als Kirche der Freiheit, die Katholische Kirche als Kirche der Autorität, der Ordnung, des Gehorsams. Und da möchte ich deutlich machen, dass Luther Freiheit nicht als ungebundene Autonomie versteht. Mein Kollege hat den Psalm "Gott ist unsere Zuversicht und Stärke" als Predigttext gewählt. Ich denke, dass auch er deutlich macht, dass Martin Luther ein geistliches Anliegen hatte, das für heutige Christen nach wie vor bedeutsam ist.

Eberhard Schockenhoff (64) ist Professor für Moraltheologie an der Uni Freiburg und Präfekt der Universitätskirche.