Nachmittagsbetreuung: Stadt verspricht genügend Plätze

Anita Rüffer

Von Anita Rüffer

Di, 24. Mai 2011

Freiburg

Eigentlich sollte es bald keine Schülerhorte mehr geben. Aber der Plan von Stadtverwaltung und Gemeinderat geht nicht auf. Grund: Der Ausbau der Ganztagsschulen geht langsamer voran als erhofft. Gleichzeitig wollen immer mehr Eltern eine Nachmittagsbetreuung für ihre Schulkinder.

Deshalb genießen die vorhandenen, klassischen Hortplätze vorläufig Bestandsschutz. Aber es werden keine neuen mehr geschaffen. Den zusätzlichen Betreuungsbedarf soll die Nachmittagsbetreuung an den Schulen auffangen.

Volle Wartelisten bei allen Anbietern und kein Hortplatz in Sicht: Nicht nur im Stadtteil Vauban geraten Eltern in Panik, deren Nachwuchs nach den Sommerferien vom Kindergarten in die Grundschule wechselt. Wo soll das Kind nachmittags unterkommen, wenn die Eltern berufstätig sind? Mütter, die deshalb ihre Stellen reduzieren, eine selbst organisierte Reihum-Betreuung oder Omas, die regelmäßig anreisen müssen, sind Notlösungen, die laut Gaby Hönig unter Vauban-Eltern diskutiert werden. Sie selbst hat für ihre Tochter (seit drei Jahren auf der Warteliste) einen der drei frei werdenden Plätze für Schulkinder in der Kita Immergrün ergattert, die sie schon als Kindergartenkind besucht hat. 31 dieser Hortplätze standen bisher zur Verfügung. Fünf wurden wegen Überbelegung vom Landesjugendamt gestrichen, für die es bisher eine Ausnahmegenehmigung gegeben hatte. Weil zum Schuljahresende immer nur wenige Hortplätze frei werden, "können wir zehn Kinder, die hier groß geworden sind, als Schulkinder nicht mehr versorgen", berichtet Kita-Leiterin Kerstin Kohler-Gern. Ganz zu schweigen von den 15 weiteren, die auf der Warteliste stünden.

Das Konzept, in den Kindergärten in altersgemischten Gruppen auch Schulkinder zu betreuen, war eine Zeitlang forciert worden in der Erwartung, die Zahl der Kindergartenkinder sinke. Eine Fehleinschätzung. "Eins durch das andere zu kompensieren, ist wegen der wachsenden Nachfrage in allen Altersgruppen nicht möglich", sagt Marianne Haardt vom Amt für Kinder, Jugend und Familie.

In einer Kita in Hochdorf wurde beispielsweise Platz für die unter Dreijährigen benötigt. Die 27 Hortplätze für Schulkinder wurden – weiterhin in der Regie der Kita – kurzerhand in die benachbarte Schule verlagert, die dafür eigens eine Küche bekam. "Kreative Lösungen" seien im Einzelfall gefragt, sagt Schulamtsleiter Rudolf Burgert. In Hochdorf wurde sie von Schul- und Jugendamt gemeinsam ausgetüftelt. Langfristig soll aber nur noch das Schulamt für die Betreuung der Schulkinder zuständig sein.

"Wir planen mit 45 zusätzlichen Plätzen über die 250 vorhandenen hinaus in Vauban. Und die kriegen wir auch unter", beruhigt Burgert die Eltern. An der Karoline-Kaspar-Grundschule hat der Förderverein eine flexible Kinderbetreuung organisiert. Zwar sind auch dort die Wartelisten voll. Aber Burgert geht davon aus, dass das Angebot dem Bedarf entsprechend erweitert werden kann. Häufig könnten zusätzliche Räume in der Schule geschaffen werden. Das Problem sei häufig die Infrastruktur: fehlende Küchen, Organisation des Mittagstischs. Die Karoline-Kaspar-Kinder gehen zum Essen in das Gasthaus "Süden", das aber nicht ausreichend Kapazitäten für alle habe.

Ohnehin ist der unübersichtliche Betreuungs-Flickenteppich an den Schulen aus der Not entstanden. Um der Betreuungsqualität willen hätte nicht nur Burgert lieber ein flächendeckendes Angebot an Ganztagsschulen. Damit sei die Verzahnung von Unterricht und Freizeit sowie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf am besten gewährleistet. Auch zwei Drittel der Eltern bevorzugten laut einer Umfrage im vergangenen Jahr diese Form der Nachmittagsbetreuung.

Derzeit laufen an den Schulen die Anmeldungen für die Nachmittagsbetreuung im kommenden Schuljahr. Wie viele Plätze gebraucht werden, ist – auch aufgrund von Mehrfachanmeldungen – noch nicht klar. Bis zwei Monate nach Schuljahresbeginn gebe es immer "noch viel Bewegung".