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28. Juli 2010 15:28 Uhr

Nächtlicher Baustellenbesuch

Wie das Sicherheitsrisiko im Schützenalletunnel beseitigt wird

Das Sicherheitslücke im Schützenalleetunnel ist 50 Meter lang und 4,70 Meter hoch. Doch diese Lücke wird derzeit täglich kleiner. Denn derzeit wird in Nachtarbeit eine Trennmauer hochgezogen. Ein Besuch auf der Baustelle.

Die Arbeiten laufen planmäßig. 450 000 Euro kostet das Löcherstopfen im Tunnel. Die Mauer verhindert, dass künftig in einem Brandfall Rauch von einer Röhre in die andere ziehen kann – wie dies bei Brandversuchen im Tunnel geschehen war.

Es ist keine Baustelle wie jede andere. Denn während die Bauarbeiter an der Mittelwand arbeiten, läuft der Verkehr einspurig weiter "20 Prozent der Bausumme entfallen allein auf die Sicherungsmaßnahmen", sagt Bauleiter Udo Gütle von der Abteilung Straßenwesen und Verkehr des Regierungspräsidiums. Gearbeitet wird jeweils zwischen 20 Uhr abends und 6 Uhr in der Frühe. Das kostet zwar Nachtschichtzuschläge, hat aber den Vorteil, dass der Verkehr tagsüber ungestört durch den Tunnel rollen kann. Wäre die Wand zu normalen Zeiten hochgezogen worden, hätte das jeden Tag kilometerlange Staus verursacht: "Dann wäre der volkswirtschaftliche Schaden höher gewesen als die 100 000 Euro, um die die Nachtbaustelle teurer ist", sagt Gütle.

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Sicherheit hat Vorrang, So wartet auf die Bauarbeiter jeden Abend das gleiche Ritual. In beiden Röhren muss im Bereich der Baustelle jeweils die innere Spur gesperrt werden. Abend für Abend hebt ein Lkw-Kran die etwa ein halben Meter hohen Betonabsperrungen in Position. Eineinhalb Stunden dauert der Aufbau der Absperrung – und jeden Morgen, gegen 4.30 Uhr beginnt wieder der Abbau, für den die gleiche Zeit veranschlagt werden muss. In der vergangenen Wochen half den Lückenschließern, dass der Tunnel an mehreren Abenden wegen der turnusmäßißgen Wartungsarbeiten gesperrt war. "Wir haben diese Termine absichtlich so gelegt", sagt Bauleiter Gütle.

Fest eingebaut und verankert wurden in den ersten drei Arbeitswochen Betonfertigteile, die den Sockel für die Trennwand bilden. Bis zu acht Tonnen wiegt jedes der 24 Teile. Der Einbau war schwierig. Denn der Tunnel ist nur 4,70 Meter hoch. So blieb nur wenig Luft nach oben. Beim Einsetzen per Kran kam es auf jeden Zentimeter an. Auf die Betonteile wird nun eine Stahlkonstruktion aufgesetzt, die mit Brandschutzplatten verkleidet wird. Dann ist die Wand dicht – und kann im Ernstfall ein Aufprall mit einem Druck von 50 Tonnen aushalten.

Zehn Bauarbeiter sind derzeit Nacht für Nacht im Tunnel beschäftigt. Sie sägen den Asphalt ab, gießen Betonsockel, versetzen Bordsteine und montieren die Stahlteile, während auf beiden Seiten der Verkehr vorbeidonnert. Wegen des Lärms tragen alle Mann Gehörschutz. Doch manchmal geht der vorbeifahrende Verkehr auch ganz fies in die Nase: "Jeden Abend um Punkt 20.45 Uhr kommt ein Laster mit Tierkadavern, dann stinkt es hier drin immer zehn Minuten lang bestialisch", berichtet Udo Gütle.

Ist das Loch dann in der kommenden Woche geschlossen, ist der Tunnel sicher. Denn bei einem Brandversuch zeigte sich, dass durch diese Lücke Rauch von einer Röhre in die andere zieht – dies wäre bei einem Ernstfall fast einmal einer Feuerwehrbesatzung aus Kirchzarten zum Verhängnis geworden. Das jedoch Loch im Tunnel war Teil der Betriebsgenehmigung und sollte verhindern, dass Abgase aus dem Tunnel in die Wiehre ziehen. Dass der Mauerbau illegal ist, davon ist Anwohner Hans-Otto Mühleisen überzeugt. Nur mit dieser Umlenkung der Abgasemission sei es rechnerisch möglich gewesen, die Grenzwerte am westlichen Ausgang des Schützenalleetunnels einzuhalten. Er gehörte in den 80er Jahren zu den Klägern gegen die B 31 Ost-neu.

Gegen die neue Wand will er indes nicht klagen. Es sehe zwar einen "klaren rechtlichen Anspruch", allerdings auch eine Verantwortung gegenüber den Feuerwehrleuten. "Und in dem Tunnel gibt es viele Unfälle." Es gilt also abzuwägen zwischen einer konkreten Gefährdung der Feuerwehr heute und einer möglichen Gefährdung der Anwohner in Zukunft. Das sieht auch Reiner Ehret aus Kirchzarten so. Der Vorsitzende des Landesnaturschutzverbandes, der ebenfalls zu den Kämpfern gegen die B 31-Ost gehörte, hielte eine Klage gegen die Mauer für sehr aussichtsreich - und rät davon ab. "Stattdessen müssen wir Druck machen, dass der geplante Stadttunnel realisiert wird." Nur so seien Verkehr und Schadstoffe in den Griff zu bekommen. Die Stuttgarter Landesregierung, so der Naturschützer, habe bislang nicht den Eindruck, als ob die Region das 320-Millionen-Projekt wirklich fordere.

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Autor: Joachim Röderer und Uwe Mauch