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14. Juli 2014

Nah dran an der Nachhaltigkeit

Von mehr als 30 engagierten Gruppen gab’s auf Freiburgs Einkaufsmeile Infos und Denkanstöße.

  1. Der Stand des Eine-Welt-Forums und andere Basisarbeiter zeigten bei den Nachhaltigkeitstagen viele Facetten des Themas. Foto: Thomas Kunz

Nachhaltig wollen alle sein. Und viele versuchen sich darin. Das bewiesen die "Nachhaltigkeitstage", die in Freiburg auf drei Ebenen gleichzeitig stattfanden: im Rahmen einer Landeskampagne, auf Initiative der Stadtverwaltung und im Zusammenschluss unzähliger Engagierter. Alle, die an der Basis aktiv sind, präsentierten sich bei einem "Bazar" am Samstag in der Kaiser-Joseph-Straße. 32 Gruppen waren dabei.

Vegane Hirsekroketten gefällig? Iris Tiedemann und Manfred Richard bleiben am Stand vom Klimagarten stehen: Auf dem Dietenbachgelände in Weingarten wird Gemüse angebaut, jetzt am Infostand gibt’s Aufklärung über die Zusammenhänge von veganer Ernährung und Klimaschutz: Für Tierhaltung wird viel zu viel Energie und Fläche verbraucht, erklären die Klimagärtner. Iris Tiedemann war eine Zeit lang Vegetarierin und achtet mit Manfred Richard darauf, saisonal einzukaufen: "Bei uns gibt’s im Winter keine Tomaten." Vieles sei im Vergleich zu früher verlorengegangen, bedauert Manfred Richard. Er erinnert sich, wie seine Eltern Früchte, Gurken und Tomaten für den Winter einmachten. "Und heute gibt’s nur noch Supermärkte."

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Nebenan verteilt Helma Haselberger vom Mietshäuser-Syndikat Infos über die drei Bauprojekte im neuen Haslacher Baugebiet Gutleutmatten. Geplant sind rund 50 Wohnungen, Ziel sind Mieten mit einem Quadratmeterpreis von sieben Euro, interessierte Mieter gibt’s jetzt schon bald drei Mal so viele wie nötig. Finanziert wird das Bauen überwiegend über Direktkredite von Privatanlegern: "Bei uns kann man nachhaltig und ethisch korrekt Geld anlegen." Wer Nachhaltigkeit in größerem Stil ausprobieren will, ist bei Larissa Mogk vom Institut für Ethnologie der Uni richtig: Sie lädt zum Simulationsspiel "Socialsim" am Samstag, 2. August, in der Mensa Rempartstraße ein. 100 Teilnehmer sollen eine simulierte Gesellschaft schaffen und über Wahlsystem, Energienutzung und Eigentum entscheiden.

Wie nachhaltig wird diese Gesellschaft werden, wie nachhaltig die Einzelnen? Dagmar Große vom "Eine-Welt-Forum" nimmt lieber die Realität unter die Lupe: Sie hat den Bazar mitorganisiert, jetzt steht sie mit dem Mikro neben drei Frauen, die alle versuchen, die aktuelle Welt ein bisschen nachhaltiger zu machen. Die Geographin Nina Osswald hat über Ökolandwirtschaft in Indien geforscht, Stefanie Osten engagiert sich im Weltladen Herdern, Stefanie Kolarov arbeitet beim Lebensgarten Dreisamtal mit, der 61 Familien das ganze Jahr über mit saisonalem Biogemüse versorgt. Fairer Handel soll Kleinbauern mit stabilen Preisen Sicherheit garantieren, Öko-Landwirtschaft hält Böden und Natur gesund, solidarisches Wirtschaften wie im Lebensgarten Dreisamtal bietet Alternativen zu kapitalistischen Strukturen: Alle Mitglieder bezahlen denselben Beitrag, die Ernte wird an sie verteilt. "Große Lebensmittel- und Agrarkonzerne schaffen Armut", sagt Nina Osswald, "sie machen Kleinbauern abhängig von viel zu niedrigen Weltmarktpreisen." "Der alte Spruch ist nach wie vor aktuell", bilanziert Stefanie Osten: "Politik macht man mit dem Einkaufswagen." Das immer wieder einleuchtende Fazit: Wer saisonal und direkt bei den Produzenten einkauft, ist am nahesten dran an der Nachhaltigkeit.

Autor: Anja Bochtler