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16. Januar 2014

Neues Zentrum für Jugendmedizin soll alle Kompetenzen bündeln

Für einen Neubau der Kinderklinik wird ein Raumkonzept erstellt – ein wenig Alltag soll auch im Krankenhaus möglich sein.

  1. So könnte eines der neuen Behandlungszimmer aussehen. Foto: Skizze: Kopvol Architecture & Psychology

  2. Drangvolle Enge: Patientenzimmer in der Uni-Kinderklinik. Foto: Bamberger

Freiburgs Kinderklinik an der Mathildenstraße ist in die Jahre gekommen. Eine neue soll an einem einzigen Standort alle Kompetenzen in Sachen Kinder- und Jugendmedizin bündeln – sowohl die der Universitätsklinik als auch die des St. Josefskrankenhauses. Um das Stuttgarter Finanzministerium von der Wirtschaftlichkeit der neuen Kinderklinik zu überzeugen, arbeitet das Uniklinikum gerade an einem so genannten Raumbuch, in dem alle relevanten Zahlen für den Neubau, der hinter der Frauenklinik entstehen soll, rauf und runtergerechnet werden.

Parallel dazu hat die"Initiative für unsere Kinderklinik Freiburg", ein von Ärzten gegründeter Förderverein, ein qualitatives Raumbuch vorgelegt, denn ein am Patienten ausgerichtetes Gebäude mit viel Atmosphäre kann Kranke beim Gesundwerden unterstützen. Das haben zahlreiche Studien ergeben. Warum diesen Aspekt also nicht gleich mit einplanen?

In der alten Kinderklinik gibt es Patientenzimmer, die sind so klein, dass man besser gleich im Bett bleibt. Rechts an der Wand steht das Klinikbett, daneben der Nachttisch. Hinten unters Fenster lässt sich gerade noch eine Liege für die Eltern quetschen. Drumherum kahle Wände in Hellgrün. Ein einsames Mobile baumelt von der Decke. Für mehr Wohnlichkeit ist kein Platz. Blöd nur, dass der Patient nicht einfach aufstehen und gehen kann. Sondern bleiben muss, vielleicht Monate lang. "Patientenorientierung ist kein Luxus, sondern Versorgungsauftrag" steht ganz vorne im qualitativen Raumbuch, das von dem Rotterdamer Planungsduo Kopvol Architecture & Psychology im Auftrag der Initiative gestaltet wurde. Was das heißt, erklärt Charlotte Niemeyer, Geschäftsführende Chefärztin der Unikinderklinik: "Ziel muss es sein, eine Atmosphäre zu schaffen, in der sich junge Patienten, von denen viele schwerstkrank sind, samt ihrer hoch belasteten Eltern auch wohlfühlen können." Dafür brauche es eine gesundheitsfördernde Architektur. Und keine, die genauso krank ist wie der Patient.

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Der Anti-Warteraum soll zentral liegen

So hat ein Patientenzimmer, wie es im qualitativen Raumbuch beschrieben ist, erst einmal ausreichend Fläche, die von Familien, Freunden, aber auch Therapeuten und Pflegenden flexibel genutzt werden kann: An einem Tisch in der Mitte kann erzählt, gespielt oder zusammen gegessen werden. Vom Bett aus überblickt das Kind das ganze Zimmer, sieht, wer herein kommt, kann aus dem Fenster schauen oder mit dem Elternteil kommunizieren, dessen Bett ein bisschen abseits steht.

Durch einen Paravent können Kinder und Eltern so viel Nähe und Abstand halten, wie es für sie gerade erforderlich ist. Während das Kind fernsieht, kann sich die Mutter auch mal wegdrehen und ein Schläfchen halten.

Flure, in denen Stuhl an Stuhl steht, auf denen gewartet werden muss, soll es keine mehr geben. Stattdessen favorisiert das neue Konzept einen zwischen den Fachambulanzen zentral gelegenen Anti-Warteraum, der, weil als Aufenthaltsgebiet geplant, Kindern wie Eltern die Angst vor anstehenden Untersuchungen nehmen soll. Sich am Automaten einen Kaffee zu ziehen oder zum Ratschen, Lesen oder Hausaufgabenmachen in eine Nische zurückzuziehen soll dort genauso möglich sein wie die angrenzende Spielfläche mit dem Bobbycar abzufahren oder draußen frische Luft zu schnappen.

Auch wenn sich in einem Krankenhaus nicht normal leben lässt, sollte dort so etwas wie Alltag möglich sein. Niemeyer erzählt, dass in der alten Kinderklinik eine Familie wochenends nicht einmal zusammen essen könne. "Eltern und Geschwister müssen sich ihr Essen in einer Cafeteria holen, tragen ihr Tablett durch Treppenhäuser und Gänge und finden dann auf der Station noch nicht mal ein gemütliches Eckchen." Ein Buffet-Raum könne, so Niemeyer weiter, familiäres Miteinander möglich machen. Die neuen Raumkonzepte sind immer familienfreundlich gedacht, sollen aber auch den Autonomiebedürfnissen von Jugendlichen gerecht werden. Ein Behandlungszimmer etwa, das auf knapp 19 Quadratmetern einen separaten Untersuchungs- und einen Besprechungsbereich hat, ermöglicht, dass sich Kinder mit, aber auch mal ohne ihre Eltern mit den Ärzten besprechen können. Vieles im Raumbuch kommt einfach daher. Oder wie Niemeyer sagt: "Die darin aufgeführten Konzepte basieren vor allem auf sehr viel Einfühlungsvermögen. Sie kosten aber nicht mehr Geld oder Fläche." Klingt simpel. Und wenn es das Kranksein leichter macht, umso besser.

Den Förderverein "Initiative für unsere Kinderklinik Freiburg" gibt es seit 2012. Gegründet wurde er, um Spenden für ein neues Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin zu sammeln. Spenderkonto: 13 16 25 19, BLZ 680 501 01, Sparkasse Freiburg Nördlicher Breisgau.


Autor: Stephanie Streif