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03. Februar 2011

Landwirtschaft

Schwermetall - Gesprächsthema auch auf dem Münstermarkt

Einige der Bauern auf der Nordseite des Freiburger Münstermarkts kommen aus der Region im Landkreis Emmendingen, aus der besorgniserregende Schwermetallwerte in den Böden gemeldet werden. Wie fallen die Reaktionen aus?

  1. Ohne Umzug auf Ausweichflächen bleifrei: Äpfel. Foto: Thomas Kunz

  2. Ohne Umzug auf Ausweichflächen bleifrei: Äpfel. Foto: Thomas Kunz

Erst als das Kilo Gelbe Rüben schon abgewogen ist, fragt Andrea Schober "ihren" Bauern: "Gell, Sie sind nicht aus Denzlingen?" Ist er doch. Einige der Bauern auf der Nordseite des Münstermarkts kommen ausgerechnet aus der Region im Landkreis Emmendingen, aus der dieser Tage besorgniserregende Schwermetallwerte in den Böden auf einer Fläche von 20 Quadratkilometern entlang Elz und Glotter, quasi als Spätfolgen mittelalterlichen Bergbaus, berichtet werden.

Andrea Schober will auf Nummer sicher gehen, möglichst wenig Schadstoffe zu sich nehmen, lokal einkaufen, gesund leben. Kann sie auch weiter, beruhigt sie der Denzlinger Hilmar Nübling: "Die Karotten sind von einem unbelasteten Anbaugebiet."Ausweichflächen sind jetzt für die Landwirte das A und O, erklärt auch Walter Schwaab, ebenfalls aus Denzlingen. An seinem Münstermarktstand sei die Nachricht von überschrittenen Schwermetallgrenzwerten in diesen Tagen kein Thema, "nur ein bisschen Unruhe ist unter den Bauern zu spüren". Unruhe und auch Unsicherheit – denn es blieben viele Fragen offen. Zum Beispiel, warum von den Behörden außer den Böden nicht auch die Landwirte und ihre Familien selbst auf Schwermetall hin untersucht würden: "Die leben schließlich in erster Linie von dem, was sie da anbauen – und zwar ein Leben lang", sagt Walter Schwaab. Regelmäßig lassen übrigens auch die Bauern selbst ihre Böden analysieren – jedoch nur auf den Nährstoffgehalt hin, nicht auf mögliche Schadstoffe.

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Seit Jahrhunderten ernähre man sich hier von diesen Böden, ergänzt ein Kollege, "die haben sich ja nicht verändert seit vergangenem Jahr, nur die Grenzwerte." Ein bisschen Verärgerung schwingt da mit und Ratlosigkeit. "Wir haben zum Glück Ausweichflächen", berichtet Hilmar Nübling. Die hat auch Walter Schwaab. Mit den behördlichen Ansagen, betroffen seien von der Warnung vor allem Salate und tief wurzelndes Gemüse wie Karotten, könne man umgehen. "Nicht auszudenken, Äpfel würden Schwermetall aufnehmen – mit den Bäumen könnten wir nicht auf andere Flächen wandern!" Allerdings hat Walter Schwaab bei seinen Recherchen in Sachen Schwermetalle festgestellt, dass in Böden mit hohem PH-Wert offenbar die Belastung geringer ist: "Das wär doch wichtig, das auch bekannt zu machen!" Für die Verbraucher auf dem Wochenmarkt liegen solche Überlegungen fern. "Zumindest hat man hier den ganzen Quatsch mit den Dioxinen nicht", ist sich Münstermarkt-Stammkunde Oliver Hanke sicher, "und wenn mir die Bauern sagen, ihre Böden sind in Ordnung, kann ich mich da drauf verlassen." Die Umstehenden stimmen zu – auch zum Nachsatz: "Die Behörden müssen aber die Verbraucher noch viel besser zu dieser Thematik informieren", findet Oliver Hanke.

Autor: Julia Littmann