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01. Oktober 2009 17:24 Uhr
Interview
OB-Wahl: Von Kirchbach tritt gegen seinen Chef Salomon an
Jetzt ist es offiziell: Sozialdezernent Ulrich von Kirchbach wird 2010 für das Amt des Freiburger Oberbürgermeisters kandidieren – und fordert seinen jetzigen Chef Dieter Salomon heraus. Seine Motive erläutert er im Interview.
Freiburgs Sozial- und Kulturbürgermeister Ulrich von Kirchbach (SPD) geht ins Rennen: Am 25. April 2010 wird er unter dem Leitmotiv "Mehr Miteinander, mehr Möglichkeiten" um das Amt des Freiburger Oberbürgermeisters kandidieren – und damit seinen jetzigen Chef Dieter Salomon (Grüne) heraus fordern. Das gab von Kirchbach im Heiliggeiststüble am Münsterplatz bekannt – ganz ohne Mitstreiter seiner Partei.
BZ: Herr von Kirchbach, warum tun Sie sich das an?Von Kirchbach: Ich gehe in diesen Wahlkampf, um zu siegen. Vor allen Dingen will ich den Bürgerinnen und Bürgern ein Angebot unterbreiten, sie sollen sich mit unterschiedlichen Konzepten und Zielvorstellungen auseinander setzen dürfen. Die Stadt hat ein Recht darauf, dass es einen Wahlkampf gibt. Das ist das Wesen einer Demokratie. Ich tu das gern und voller Lust. Es gab schon bei vielen Wahlen Überraschungen.
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BZ: Wann haben Sie sich entschieden?
Von Kirchbach: In den Sommerferien habe ich mir intensiv darüber Gedanken gemacht und nach Rücksprache mit meiner Familie die Entscheidung getroffen.
BZ: Ihre Chancen, die Wahl zu gewinnen, stehen aber schlecht, zumal die CDU wohl Dieter Salomon unterstützen wird und die SPD bei den vergangenen Wahlen in Freiburg immer unter 30 Prozent lag.
Von Kirchbach: Die OB-Wahl ist keine Parteienwahl, sondern eine Persönlichkeitswahl. Ich bin in Freiburg sehr bekannt und glaubwürdig durch mein langjähriges Engagement in der Politik und in der Verwaltung.
BZ: Vor der OB-Wahl steht im Februar im Gemeinderat ihre Wiederwahl als Sozial- und Kulturbürgermeister an. Treten Sie da wieder an?
Von Kirchbach: Ja, denn da möchte unabhängig von der zeitlichen Nähe zur OB-Wahl meine erfolgreiche Arbeit im Sozial- und Kulturbereich bestätigen lassen. Ich hatte in den vergangenen Jahren meist eine Sieben-Tage-Woche und habe mich sehr für den Kultur- und Sozialbereich eingesetzt. Die SPD hat das Vorschlagsrecht für den Posten, ich wüsste nicht, warum man mich nicht wiederwählen sollte.
BZ: Bei der OB-Wahl kandidieren Sie gegen Ihren eigenen Chef, dessen Politik Sie in den vergangenen Jahren mitgetragen haben. Wie werden Sie im Wahlkampf miteinander umgehen?
Von Kirchbach: In der Politik gibt es sowieso nur wenige Freundschaften. Ich glaube, wir sind beide Persönlichkeiten genug, dass wir auch künftig anständig miteinander umgehen. Dem OB habe ich am Donnerstag in einem Vier-Augen-Gespräch mitgeteilt, dass ich antreten werde.
BZ: Was würden Sie als OB anders machen als Dieter Salomon?
Von Kirchbach: Ich stehe für ein soziales, solidarisches Freiburg. Für mich wäre es nie in Frage gekommen, die Stadtbau zu verkaufen. Die kommunale Daseinsvorsorge muss eher ausgebaut werden. Ich stehe auch für ein ökologisches Freiburg. Es reicht nicht, das Label der Umwelthauptstadt zu vermarkten, wir müssen das mit Leben erfüllen, uns ehrgeizige Ziele stecken. Freiburg kann es schaffen, Null-Emissionsstadt zu werden. Ich stehe auch für eine qualitative Stadtentwicklung. Deshalb bin ich für ein eigenständiges Baudezernat. Bei mir wird Kultur Chefsache, vor allem muss die Bewerbung zur Kulturhauptstadt offensiv geführt werden.
BZ: Wenn Sie bei der Wahl scheitern und als Salomons Dezernent weiter machen, haben Sie doch ein Glaubwürdigkeitsproblem in der Bevölkerung.
Von Kirchbach: Überhaupt nicht. Jetzt warten wir mal ab, wie die OB-Wahl ausgeht.
BZ: Man munkelt, Sie wollen 2013 die Nachfolge von Gernot Erler im Bundestag antreten. Stimmt das?
Von Kirchbach: Das ist alles dummes Zeug. Ich weiß nicht, aus welchem Umfeld diese Gerüchte kommen. Ich habe keinerlei bundespolitische Ambitionen. Ich fühle mich in der Kommunalpolitik zu Hause.
Ulrich von Kirchbach
- Geboren am 28. März 1956 in Deggingen, Landkreis Göppingen
- Jurastudium in Tübingen
- 1985 in Freiburg Referatsleiter für Wasserstraßen im Regierungspräsidium
- 1992 bis 2002 im Landratsamt Rastatt Dezernent für Umwelt, Soziales, Kultur
- Seit 1999 für die SPD im Freiburger Gemeinderat, 2001 bis 2005 SPD-Kreisvorsitzender
- Seit 2002 Sozial- und Kulturbürgermeister der Stadt Freiburg
- von Kirchbach lebt mit seiner Frau, die Lehrerin ist und zwei Kindern (7 und 9 Jahre) in Mooswald
Autor: Heike Spannagel
