Geburstag

Olga Hoffmann wird 100 Jahre alt

Anja Bochtler

Von Anja Bochtler

Do, 12. Juli 2018

Freiburg

Olga Hoffmann spielte als Kind in Köln mehrmals in Radiohörspielen mit, später kümmerte sie sich um ihre Kinder, Enkel und Urenkel.

FREIBURG. Manches klappt inzwischen nicht mehr so gut wie früher: Lange Strecken zu Fuß gehen oder schwere Sachen tragen zum Beispiel. Doch ansonsten führt Olga Hoffmann nach wie vor ein abwechslungsreiches, selbständiges Leben. Längst nicht nur an ihrem 100. Geburtstag, heute ist sie gern mittendrin im Trubel – sie feiert den Tag mit 24 Gästen.

Zu den Spielen der Fußball-WM kommt meist eines der vier Enkelkinder bei ihr vorbei – sie sind zwischen 37 und 44 Jahre alt. Olga Hoffmann ist großer Fußballfan. Sie hat auch andere Interessen, mag Krimis und schaut regelmäßig die Nachrichten an. Einmal in der Woche geht sie zum Friseur und anschließend Kaffeetrinken. Und bei ihren zwei Töchtern und dem Sohn (69 bis 73 Jahre alt) ist sie fest in deren Freundeskreise integriert und gehört einfach dazu.

Mit so viel Anschluss merkt Olga Hoffmann kaum, dass sie schon sehr lang allein in ihrer Wohnung an der Stefan-Meier-Straße lebt – ihr Mann starb bereits 1979 an einem Herzinfarkt. Damals wohnte ihre Mutter noch bei ihr, bis zu ihrem Tod 1981 mit 95 Jahren. Danach hatte Olga Hoffmann meist eines der damals noch kleinen Enkelkinder bei sich. Ihr Einsatz ermöglichte es ihren Kindern, in Zeiten, als es noch kaum Kinderbetreuung gab, trotzdem weiter zu arbeiten. Olga Hoffmann war daran gewöhnt, für Kinder da zu sein: Acht Jahre lang, bis sie 1958 mit ihren vier Kindern ihrem Mann nach Freiburg nachzog, war sie fast alleinerziehend gewesen – allerdings unterstützt von ihrer Mutter und ihrer Schwiegermutter. Denn ihr Mann hatte 1950 begonnen, beim SWR in Freiburg zu arbeiten, als seine Familie noch jahrelang in der Nähe von Köln lebte. Er war unter anderem Regisseur von Hörspielen und leitete den Schul- und Jugendfunk.

"Damals kam er zu uns nur als guter Onkel, zu Geburtstagen und Feiertagen", erzählt Olga Hoffmann und lacht. Wegen der Wohnungsnot in Freiburg konnte die Familie erst 1958 nachziehen – in eine Wohnung der Genossenschaft Familienheim, in der sie damals zu acht lebten: Eltern, zwei Großmütter und vier Kinder. Köln war Olga Hoffmanns Heimatstadt, dort wurde sie 1918 geboren, am Ende des Ersten Weltkriegs, während der letzten großen Bombardierungen, als alle dauernd im Keller saßen.

Sie hatte zwei Brüder, beide sind mittlerweile tot. Der Vater war erst Feinmechaniker, musste seine kleine Firma aber aufgeben, später arbeitete er als Arbeitsvermittler. 1933 sei er ’rausgeflogen, weil er im Nationalsozialismus nicht der NSDAP beitreten wollte, erzählt Olga Hoffmann. Das änderte nichts daran, dass sie nicht nur im Schulchor gern sang, sondern auch beim nationalsozialistischen "Bund deutscher Mädel".

Ungewöhnlich an ihrer Kindheit war, dass sie als Zehnjährige über den Lehrer ihres Bruders eine Rolle als Osterhase in einem Kinderhörspiel im Rundfunk bekam. Auch später hatte sie noch ein paar Auftritte, einen davon im Hörspiel ihres acht Jahre älteren Mannes. Nach ihrem Abitur arbeitete sie als Assistentin im Rundfunk, in Köln und Berlin, lebte während des Zweiten Weltkriegs eine Zeitlang in Schlesien, dann wieder in der Hauptstadt. Ihr Mann arbeitete als Funker auf der Krim, 1944 kam die erste Tochter zur Welt, die vor einigen Jahren gestorben ist. 1945, 1947 und 1949 wurden die weiteren Kinder geboren.

Die Familie lebte ein Jahr in Bad Mergentheim im nördlichen Baden-Württemberg und nach der Rückkehr nach Köln wegen des Wohnungsmangels bis 1954 in einem Lager in Dickhausen. In Freiburg hat sich Olga Hoffmann ab 1958 schnell eingelebt. Sie hätte gern wieder gearbeitet, kam aber nie mehr dazu: Da waren die Kinder, dann die Enkel, außerdem hat sie bis 1975 die Schwiegermutter gepflegt, die – wie ihre Mutter – in der Familie lebte und zuletzt schwer krank war. Zu tun gab es immer was – und nebenbei hat sich Olga Hoffmann ihre Neugier und ihr Interesse bewahrt.