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21. November 2014 00:33 Uhr

Computersicherheit

Profi-Hacker will Schüler auf Sicherheitslücken aufmerksam machen

Erwin Markowsky kennt die Sicherheitslücken von Smartphones und Computern – und will sie im April bis zu 20.000 Freiburger Schülerinnen und Schülern verraten.

  1. Weiß, wie man sich einhackt: Erwin Markowsky Foto: Ingo Schneider

Heimlich schleicht er sich ein, in Handys, Smartphones und Computer. Sichtbare Spuren hinterlässt er nicht. Erwin Markowsky ist ein Profi-Hacker. Immer wieder knackt er Netzwerke von Firmen, Behörden und Banken. "Beruflich", sagt er. Sein Auftrag: Sicherheitslücken aufzeigen.

Im April 2015 sollen in Freiburg bis zu 20 000 Schülerinnen und Schüler live erleben, wie der Hacker angreift – um in Zukunft sicherer im Internet unterwegs zu sein.

Die rund 60 Freiburger Schulleiter im Kreismedienzentrum staunen. Eben hat sich Erwin Markowsky mit eigenem Programm und wenigen Klicks in verschiedene Smartphones gehackt. Auf dem Monitor tauchen Namen auf: Birgits I-Phone oder Schnuckimausi, die Netzwerk-Namen "wheitrabbit" oder "fingerwegdupenner". Alle lachen. Markowskys Zugangstür: das WLAN, ein drahtloses lokales Netzwerk ins Internet. Sein Tipp: deaktivieren, und zwar manuell.

Der 46-jährige IT-Sicherheitsexperte aus Bayern kennt die Fehler in den Softwares der Handys und Smartphones – und zeigt, wie man sie ausnutzen kann. Markowsky lässt Handys klingeln, verschickt SMS unter falschem Absendernamen, liest private Whatsapp-Nachrichten aus und startet einen Lauschangriff auf ein Handy im Raum. "Herr Obama hat Frau Merkel ja auch abgehört", sagt er und grinst. Die Schulleiter staunen.

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Markowskys Vortrag am Donnerstag ist die Auftaktveranstaltung zum "Sparda-Surf-Safe". Das Projekt der Sozialstiftung der Bank und des Vereins "Sicherheit im Internet" will Schüler, Eltern und Lehrer für die digitale Medienwelt fit machen. Seit 2011 haben in Baden-Württemberg mehr als 180 000 Menschen teilgenommen. Im April 2015 ist Freiburg dran. Patrick Löffler vom Verein "Sicherheit im Internet" rechnet damit, dass rund 40 weiterführende Schulen teilnehmen werden.

Unterstützt wird die Aktion vom Regierungspräsidium, dem staatlichen Schulamt und dem Amt für Schule, Bildung und Soziales, mit im Boot sind auch das Landesmedien- und das Kreismedienzentrum. Deren Dozenten bieten ergänzend Workshops für Eltern und Lehrer zum Thema Internetsicherheit. "So wird das Projekt nachhaltig", sagt Sebastian Lorenz vom Kreismedienzentrum.

Zeigen, wie man sich am besten schützen kann, das ist Erwin Markowskys Ziel. Seit rund acht Jahren gibt er Workshops, am liebsten für Kinder und Jugendliche. Manchmal sind bei seinen Live-Hack-Angriffen 1800 Schüler im Raum – alle mucksmäuschenstill. "Sie sind verblüfft, und geschockt", erzählt er.

Vor allem, wenn er zeigt, wie sich im Internet-Chat Männer als Jugendliche ausgeben und Teenies auffordern, ihnen Nacktfotos zu schicken. Oder wenn er erzählt, wie ein Schüler auf Facebook veröffentlichte, dass er mit den Eltern nach Italien fährt. Als sie zurückkamen, war die Wohnung leer. Die Profis haben erst Facebook durchstöbert, dann die Wohnräume – getarnt als Umzugsunternehmen.

Auch wenn Markowskys als Hacker die technischen Sicherheitslücken kennt: "Die größten Erfolge habe ich bei den Menschen." Wenn er sich vor Ort in einen Computer schleichen will, schaut er als erstes unter die Schreibtischunterlage. "Oft finde ich dort das Passwort."
Tipps vom Experten

1. "Das A und O sind die Firmenupdates", sagt Erwin Markowsky. Sein Rat: Updates aufspielen, das sei der wichtigste Schutz.

2. Dateien, zum Beispiel Bilder oder PDFs, die man nicht kennt, nicht öffnen – nicht nur bei E-Mails, auch bei SMS.

3. In sozialen Netzwerken immer anonyme Nicknames verwenden und keine persönliche Daten angeben.

4. Den Kopf einschalten. "Die Neugier des Menschen ist der größte Erfolg für Hacker", sagt der IT-Experte.

Autor: Yvonne Weik