Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.
19. Juli 2010
Den "Schauinslandkönig" gemeistert
Skurrilitäten und sportliche Höchstleistungen beim Schauinslandkönig.
Enge Kurven, starke Steigungen, 800 Höhenmeter auf 11,5 Kilometern Streckenlänge: Für Profis ist der "Schauinslandkönig" ein forderndes Radrennen. So auch gestern, als der Wettkampf bei erträglichen 23 Grad auf der L 124 stattfand. Viele der rund tausend Teilnehmer machten aber aus Spaß an der Freude mit – unter ihnen exotische Sportler mit Einrädern, Inlineskatern und Fahrrädern mit Anhänger.
Endlich geschafft! "Prost, König", raunt ein Radler seinem Kompagnon zu und erhebt ein alkoholfreies Bier. Beide haben den "Schauinslandkönig" gemeistert. Während die einen ihre sportliche Leistung noch feiern, strampelt ein anderer Teilnehmer der Zielgeraden entgegen. Als der Moderator ihn erblickt, ist er erst mal baff: "Das ist ja abartig gut, wie man sich so quälen kann", ruft er und meint das exotische Gefährt, mit dem der Sportler unterwegs ist: ein handelsübliches Einrad.Der Mann auf dem Einrad heißt Christian Mertens und kommt aus Übach bei Aachen. "Ich konnte letzte Nacht gar nicht richtig schlafen", sagt der 43-jährige Lehrer mit hastiger Stimme. "Bei meiner ersten Trainingsfahrt musste ich drei Pausen einlegen und mir war richtig schlecht danach. Da hat man schon ein wenig Angst." Die Übung hat sich ausgezahlt: Knapp über eine Stunde brauchte Mertens, um die 800 Höhenmeter zu überwinden. Den Abstieg – ohne Bremse – möchte aber selbst er nicht wagen: "Da nehme ich lieber die Schauinslandbahn und genieße die Landschaft."
Werbung
Volksfeststimmung am Ziel: Würstchenduft, Luftballons und Verkaufsstände für Radzubehör erwarten die abgekämpften Sportler. Kinder drängen sich um einen Thron, der sie zu kleinen Schauinslandkönigen machen soll. Für solche Finessen hat Juliane Barth keine Augen. Die Büroangestellte aus Frankfurt am Main rollt mit Inlineskatern an den Start. "Das ist ein Gag, einfach mal was anderes als ein normales Rennen", sagt die 32-Jährige. Doch den Gag nimmt sie ernst: "Ich will ans Ziel kommen und meinem Team, den Speedfüchsen, alle Ehre machen. Für uns ist das eine Etappe beim baden-württembergischen Inline-Cup." Beim Anblick der ersten Steigung geht ihr Optimismus dann aber doch leicht zurück: "Ich bin diese Strecke noch nie gefahren. Wenn ich’s mir recht überlege, bin ich froh, einfach nur anzukommen."
Das Wetter steht den ambitionierten Radlern zur Seite. Da es am Samstag kräftig geregnet hat, ist die Luft kühler und sauberer als in den hochsommerlichen Vortagen. Dementsprechend viele Wettkämpfer messen sich in den verschiedensten Kategorien: Neben Inlineskatern und Einrädern sind auch Tandems und behinderte Sportler auf ihren Rädern dabei. Manche ziehen freiwillig einen Anhänger hinter sich her – so wie der Freiburger Hans-Joachim Machnow, der seinen zweieinhalbjährigen Sohn Felix dabei hat.
"Ich bin die Tour vor zwei Jahren schon mal gefahren, als er noch ganz klein war", sagt der 48-Jährige. "Damals war er noch ein bisschen leichter." Wie für viele Teilnehmer, die nicht auf Zeit fahren, geht es Machnow vor allem ums Dabeisein: "Die Atmosphäre ist eine ganz besondere. Wir haben einfach Spaß daran, das Ziel zu erreichen."
Autor: Steve Przybilla


