Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

12. September 2010 16:42 Uhr

Freiburg

Protest gegen Schließung: Omis besetzen das Lorettobad

Coole Aktion in der Wiehre: Weil "ihr" Lorettobad trotz Sommertemperaturen am Mittwoch in die Winterpause geschickt wurde, haben Stammgäste das Lollo am Sonntag zum Baden besetzt. Die ältesten Besetzerinnen waren 70.

25 Grad, blauer Himmel über Freiburg. Es ist ein Sommersonntag, vielleicht der letzte im ganzen Jahr. Und das Lorettobad? Das hat zu. Rund 20 Stammbadebesucherinen und -besucher haben am Sonntagnachmittag aus Protest gegen das nach ihrer Meinung verfrühte Saisonende das Lorettobad bis zum Abend besetzt. Sie sind kurzerhand über eine Bockleiter ins Bad gestiegen – und ab ging’s in kühle Nass.

Die beiden ältesten Badbesetzerinnen waren 70 Jahre alt. Ihre Botschaft an die Regio-Bäder GmbH: Bei so schönem Wetter kam man doch das "Lollo" nicht einfach dichtmachen.

Freiburgs erste Badbesetzung

Bevor sie am Sonntag die Stehleiter an den Zaun des Lorettobades stellten, hatten sie die ganze Woche über versucht, die Badbetreiber am Telefon mit Argumenten zum Weitermachen zu bewegen. "Dass das Wetter bis Sonntag schön bleibt, konnte man doch schon am Anfang der Woche in allen Wetterberichten hören", berichtet Rosemarie G. Doch es war nichts zu machen – am Mittwoch war finito, das Bad geschlossen.Die Sonne schien seither so wunderschön, als wär’s mitten im Sommer.

Werbung


Ein älterer Lorettobädler meinte kopfschüttelnd: "Dass man die letzten Ferientage nicht noch ausnutzt, kann ich nicht verstehen". Das Personal sei doch ohnehin noch die ganze Woche dagewesen. So wurde die Idee geboren: Erika W., Karin K., Brigitte W. und etliche andere Badfans planten Freiburgs wohl erste Badbesetzung und eine der ungewöhnlichsten Besetzungen überhaupt – zumindest was den Altersdurchschnitt der Besetzer und vor allem der Besetzerinnen anbelangt. Erika W. und Brigitte W. wohnen schon seit 50 Jahren in der Nachbarschaft. So lange kommen sie schon ins Lorettobad. Eine Dauerkarte ist seither Pflicht, jedes Jahr.

"Wir waren da!"

Die Gruppe diskutierte am Sonntag auch die in der BZ veröffentlichten Zahlen der städtischen Bäderbilanz. Diese lasse mal wieder außen vor, dass das Strandbad viel früher geöffnet hatte als das Lorettobad. Es gibt unter den Damen ohnehin zwei Glaubensrichtungen: Die einen gehen auch schon mal notfalls in Strandbad – für die anderen gilt dagegen: wenn Freibad, dann nur Lollo.

Zur Besetzung kamen sie mit Laken und Spraydosen – für ein Protestbanner. Wenig später hing schon ein Transparent am Eingang: "Wir waren da – 12.09.2010". Auch Familien mit Kindern stießen noch zum verbotenen Badetag hinzu, der fast ein richtiges Happening wurde."Was die Stuttgarter mit ihrem Bahnhof können, das können wir auch mit unserem Lorettobad", sagt Rosemarie, die einst sogar Wettkampfschwimmerin war.

Spontaner Mitbesetzer

Ein herbeiradelnder jüngerer Badewilliger wurde gleich zur Besetzung mit eingeladen. Er stieg ohne lange zu Zögern mit den Frauen über den Zaun: "Hier ist es heute auf jedenfalls viel leerer als im Strandbad", meinte er. Die Polizei ließ sich nicht blicken, die Lollo-Besetzer konnten ungestört plantschen. Und: Männer durften an diesem besonderen Tag sogar mal ins Damenbad. So versprachen es die Damen jedenfalls am Eingang.

Es ist übrigens auch nicht so, dass Rosemarie G. Erika W. und ihre Freundinnen das erste Mal unrechtmäßig in ein Freibad eingestiegen sind. Sie hätten das auch schon mal nachts gemacht, berichten sie. Das sei allerdings ein paar Jahrzehnte her.


Mehr zum Thema:

Autor: Joachim Röderer