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25. März 2011 14:38 Uhr

Freiburg / Tokio

Station auf dem Schauinsland misst radioaktives Jod aus Japan

Seit zwei Wochen spucken die Reaktoren in Fukushima radioaktive Teilchen in die Luft – nun ist der Dreck erstmals in Südbaden angekommen: Erstmals wurde radioaktives Jod aus Japan auf dem Freiburger Schauinsland gemessen.

  1. Sonden und Messapparate auf dem Schauinsland Foto: Dominic Rock

  2. Physiker Clemens Schlosser vom Bundesamt für Strahlenschutz hält in der Frühwarnstation für Radioaktivität auf dem Schauinsland ein Messinstrument für das radioaktive Gas Xenon in den Händen. Foto: dpa

Am Freitagmorgen schlugen die Detektoren des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) auf dem Schauinsland an. Radioaktives Jod aus Fernost hatte sich in den Filtern der Messgeräte, die wie eine Art Staubsauer arbeiten, verfangen. Da sie nur alle 24 Stunden ausgewertet werden, sei davon auszugehen, dass die Radionuklide bereits am Donnerstag am deutschen Himmel aufgetaucht seien, so der Leiter der BfS-Anlage, Erich Wirth.
Ebenfalls in die Fänge gerieten den Experten auf dem Freiburger Hausberg Spuren des radioaktiven Edelgases Xenon, die es aus Japan herübergeweht hatte. Eigentlich war mit der Ankunft der strahlenden Teilchen bereits zwei Tage zuvor gerechnet worden. Am Dienstag hatte man sie über Island gemessen, dann legten sie aber laut dem Bundesamt für Strahlenschutz noch einen Schwenk über Nordeuropa ein.

Aus der einst in Japan hochgestiegenen radioaktiven Wolke ist allerdings auf der Reise nur noch ein strahlender Lufthauch geworden. "Laut unseren Berechnungen liegt die Äquivalentdosis im Bereich von 0,05 Nanosievert (Milliardstel Sievert) pro Tag", so Wirth. Zum Vergleich: In Japan wurde eine Strahlenbelastung von bis zu 1 Sievert gemessen. Allein durch die natürliche Strahlung hageln jede Stunde 0,07 Mikrosievert (Millionstel Sievert) auf den Südbadener nieder, in Teilen des Schwarzwaldes sind es bis zu 0,13 MikroSv.

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Südbaden wird sich an solche Meldungen gewöhnen müssen

Lässt man die biologische Wirkung der Strahlen außer Acht, die durch die Einheit Sievert beschrieben wird, und betrachtet allein die Zahl der auf dem Schauinsland zerfallenden japanischen Jodatome, dann sind dort in den Messgeräten der Strahlenwächter 60 Millionstel Becquerel (Mikro-Bq) im Kubikmeter Luft zu messen. Radioaktives Cäsium sei noch nicht gefunden worden, so Wirth, nach seiner Schätzung dürfte sich dessen Menge aber im Bereich von 0.6 Mikro-Bq bewegen.

Fest steht jedoch: Südbaden wird sich an derartige Meldungen aus dem Schwarzwald gewöhnen müssen."Solange in Japan weiter radioaktive Teilchen freigesetzt werden", sagt Erich Wirth, "solange werden wir auch über längere Zeiträume immer wieder ähnliche Aktivitäten messen."

Bundesweit wachen 1800 Sonden über die Radioaktivität in der Luft. Schlagen mindestens zwei davon Alarm, heißt es für die Rufbereitschaft in Freiburg: Rauf auf den Berg.

Die radioaktive Wolke aus Tschernobyl

Die Geschichte der Station auf Freiburgs Hausberg ist eng verknüpft mit dem Wettrüsten der Atommächte in den 1950er- und 60er-Jahren – reicht aber noch weiter zurück. Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg erforschte die Universität Freiburg die kosmische Höhenstrahlung und stieß 1953 in Regenproben unerwartet auf radioaktives Jod, Fallout eines Atomwaffentests in der Wüste Nevadas. Kurz darauf begann auf dem Schauinsland die kontinuierliche Messung von Radioaktivität in der Luft, im Niederschlag und am Boden.

Die Ergebnisse trugen dazu bei, dass 1958 ein Vertrag zum Verbot oberirdischer Atomtests unterzeichnet wurde und 38 Jahre später alle Kernwaffentests untersagt wurden. Über die Einhaltung des Verbots in Mitteleuropa wacht die Station. Sie geriet schlagartig ins Licht der Öffentlichkeit, als 1986 der Reaktor 4 in Tschernobyl explodierte – und ähnlich wie jetzt eine radioaktive Wolke über Europa zog.

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Autor: Michael Brendler, Alexandra Sillgitt