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26. April 2016

Uni Freiburg

Rektor Schiewer will Geldanlagen der Uni überprüfen

Rektor Hans-Jochen Schiewer sagt auf eine Petition der Initiative "Fossil Free" hin zu, dass alle Geldanlagen durchleuchtet werden.

  1. Die Fossil-Free-Gruppe übergibt Uni-Rektor Schiewer die Petition mit 1171 Unterschriften. Foto: Ingo Schneider

  2. Zum Vermögen der Freiburger Universität gehören auch Weinberge – eine garantiert nachhaltige Geldanlage. Foto: Ingo Schneider

Die Universität Freiburg wird in den kommenden Monaten ihre gesamten Geldanlagen durchforsten und prüfen, ob und gegebenenfalls wie viel Kapital in Unternehmen steckt, die Atomenergie erzeugen oder andere nicht nachhaltige und klimaschädliche Energie. Dann soll geprüft werden, ob die Uni dieses Mittel dort abzieht und anderweitig investiert. Das teilte die Hochschule kürzlich mit, nachdem eine Petition von 1171 Unterzeichnern mit diesem Ansinnen eingegangen war.

Ihren Betrieb finanziert die Uni aus dem vom Land aus Steuergeld bereitgestellten Etat von derzeit 260 Millionen Euro und Drittmitteln von 170 Millionen Euro jährlich. Darüber hinaus verfügt sie aber auch über beträchtliches eigenes Vermögen im Gesamtvolumen von 33 Millionen Euro, das aus – oftmals historischen – Zuwendungen und Stiftungen stammt und dessen Erträge in Lehre und Forschung fließen oder anderweitig den Studenten zugutekommen. 16 Millionen Euro davon sind so genanntes Grundstockvermögen, über dessen Erträge die Uni ohne Zweckbindung verfügen kann, 17 Millionen sind zweckgebundenes Stiftungsvermögen – bestimmte Erträge dürfen dann zum Beispiel ausschließlich der Krebsforschung dienen.

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Vergangene Woche haben nun Vertreter der Initiative "Fossil Free" im Uni-Rektorat am Fahnenbergplatz 1171 Unterschriften abgegeben, die allesamt die Forderung unterstützen, dass die Uni Freiburg ihr Geld künftig nicht mehr in Unternehmen der fossilen oder nuklearen Energiewirtschaft stecken soll. Das Schlagwort hierfür heißt Divestment – als Gegenstück zu Investment. "Fossil Free" ist eine weltweit agierende Bewegung, die Hochschulen und kommunale Körperschaften dazu bringen will, ihr Geld nur noch nachhaltig anzulegen. Nach Angaben von Tine Langkamp von "Fossil Free", die dazu auf eine Liste von ethisch-ökologische Anlagekriterien der Stadt Münster verweist, sollen auch solche Geldanlagen gebannt werden, die Kinderarbeit, Militärwaffen, Fracking oder Tierversuche finanzieren.

Nachhaltigkeit als Handlungsprinzip

Im Zusammenhang mit der Aktion an der Uni Freiburg geht es jedoch laut Unisprecher Rudolf-Werner Dreier vor allem um die Energiethematik. "Wir haben im Laufe von einem Jahr 1171 Unterschriften für die Petition zusammengetragen", sagt Christian Hauenstein von der Freiburger Gruppe von "Fossil Free" mit rund einem Dutzend Aktivisten. "Dabei haben wir zum einen Unterschriften direkt an der Uni gesammelt, aber auch online Unterstützer gesucht. Im Web haben auch Leute unterzeichnet, welche nicht selbst an der Uni Freiburg studieren oder tätig sind", so Hauenstein weiter.

Unirektor Hans-Jochen Schiewer begrüßt die Aktion. "Für uns als Universität ist das Thema Nachhaltigkeit sehr wichtig – als Forschungsgegenstand und auch als Prinzip des eigenen Handelns", erklärt dazu Rudolf-Werner Dreier. Der Rektor habe zugesagt, alle Geldanlagen der Hochschule durchforsten zu lassen, so Unisprecher Dreier. "Außerdem wollen wir dabei nach Möglichkeit mit der Stadtverwaltung zusammenarbeiten."

Dieses 33-Millionen-Univermögen besteht laut Dreier rund zur Hälfte aus Immobilien, darunter auch Weinberge, und zur Hälfte aus Wertpapieren und Barmitteln. Um dieses Kapital geht es vor allem bei der Forderung. Zuständig ist dafür die Stiftungsverwaltung der Uni. "Die Prüfung ist nicht ganz so trivial, denn das Geld steckt ja in verschiedenen Fonds, die es weiter investieren. Und einzelne Unternehmen verfügen dann ja auch selbst zum Teil wieder über Beteiligungen."

Was nach der Prüfung mit den Geldanlagen passiert, werde in einem zweiten Schritt entschieden. "Es ist ja durchaus denkbar, dass durch das Divestment die Erträge zurückgehen", so Dreier – das betreffe dann auch die Studierenden, mit denen man es besprechen müsse. Derzeit brächten die Unigeldanlagen eine Rendite von zwei bis drei Prozent jährlich – das wären also um die 800 000 Euro pro Jahr.

Autor: Holger Schindler