Großereignis

Riesenstimmung, Riesenrennen: So war der 13. Freiburg Marathon

Simone Lutz

Von Simone Lutz

Mo, 04. April 2016 um 15:55 Uhr

Freiburg

Rund 10.000 Menschen sind am Sonntag beim Freiburg Marathon an den Start gegangen. Auf 21 oder 42 Kilometern durch die Stadt begleiteten die Läufer Jubler, Helfer und 42 Bands.

Eigentlich unfassbar: Rund 10 000 Menschen opfern ihren freien Tag und laufen freiwillig 42 oder 21 Kilometer oder in Staffeln durch die Stadt – und zahlen auch noch Geld dafür. Aber wahr: Am Sonntag fand die 13. Auflage des Freiburg-Marathons statt.

Der erste Eindruck
Ausnahmezustand. Straßensperren. Live-Musik. Schwitzende Menschen, laufende Menschen, humpelnde Menschen. Weggeworfene Wasserbecher, jede Menge Bananen. Zusammengebissene Zähne. Glück, Lachen und ein paar Tränchen hinter der Ziellinie.



Die Läufer
Groß sind sie oder klein, dick oder dünn, jung oder alt. Laufen kann fast jede und jeder, in Freiburg machen rund 10 000 aus 70 Nationen mit. Manche haben tragbare Musikboxen dabei und beschallen ihre Mitläufer mit Diskomucke, andere tragen Motto-T-Shirts spazieren ("Opa 2.0"). Ein Paar hat sich als Teufel und Engele verkleidet, Clowns traben mit. Ein Läufer ist Wookie: Er sieht in seinem Zottelkostüm aus wie Chewbakka aus "Krieg der Sterne".

Der Jahrgangsbeste
Reinhold Wolter ist ein echter Champion, auch ohne den Streckenrekord geholt zu haben. Wolter läuft den Halbmarathon für den TB Emmendingen in zwei Stunden, 57 Minuten und 58 Sekunden – und ist 80 Jahre alt. Top!

Missionarischstes Läufershirt
Auf der Rückansicht steht passenderweise: "Komm und folge mir nach." Darunter ganz klein: "Jesus".

Kritischer Moment
Keine 20 Minuten mehr bis zum Start, und die Schlange vor dem Damenklo ist sehr lang.

Das Publikum
Wie viele es sind, kann niemand seriös sagen, 70 000 schätzen die Organisatoren. Viele klatschen, feuern die Läufer an. Riesenstimmung an der Messe beim Zieleinlauf. Und die Polizei meldet: Im Großen und Ganzen ist alles problemlos verlaufen.

Der Organisator
Premiere für Gernot Weigl vom Veranstalter Runabout Sports: Er läuft zum ersten Mal einen der eigenen Marathons mit, mit drei Flüchtlingen in der Staffel. Weigl: "Zum Glück hat man mir die kürzeste Distanz gegeben." Mit Flüchtlingen laufen auch Sozialbürgermeister Ulrich von Kirchbach und DRK-Vorstand Wolfgang Schäfer-Mai.

Die Bands
Am Sandfangweg, wo sich die Läufer wieder auf den Weg zurück zur Messe machen, steht die Freiburger Band Pulsando und trommelt aufmunternde afro-brasilianischen Rhythmen. Samba, Baby, Samba – wenn Bandleader Heinrich Kirsch in die Trillerpfeife Signale gibt, muntert das die müdesten Sportler auf. Viele von ihnen recken die Daumen nach oben, manche wagen sogar ein paar Tanzschrittchen. 42 Bands insgesamt stehen an der Strecke und feuern die Läufer an.

Die Helfer
Der Eisenbahner-Sportverein (ESV) ist zum 13. Mal dabei – er war der erste Verein, der sich 2003 auf einen Aufruf in der BZ hin bei den Organisatoren meldete. Und, sagt Horst Brändle, der ESV sei der erste Verein gewesen, der neben Helfern auch Musik dabei hatte. Das habe den Marathon-Veranstaltern so gut gefallen, dass daraus im Laufe der Jahre "Rock & Run" geworden sei. 84 Helferinnen und Helfer hat Horst Brändle dieses Mal mitgebracht, allein 44 stehen in Herdern und verteilen in der Richard-Wagner-Straße Wasser, isotonische Getränke, Bananen und Gel. "Iso, Iso, Iso", rufen die Damen am Stand, "mit Waldbeerengeschmack", und halten den Läufern die Becher hin. Damit es schnell geht, wird das Getränk im Badewännle angerührt und geschöpft. Konstanze Jarvers ist zum ersten Mal dabei und verteilt Wasserbecher, ihr Mann Stefan ist mit dem Rad als "Pacer" im Läuferpulk unterwegs und zeigt an, wo der Zweitplatzierte im Marathon läuft. Konstanze Jarvers steht irgendwann gut gelaunt in einem Meer von Pappbechern, die Läufer werfen sie ihr vor die Füße. "Banane nit vergesse", ruft Horst Brändle den Sportlern zu und auch nicht "Iso, Iso, Iso". Wenn alles vorbei ist, wird in der Rettich-Bar am Flugplatz gefeiert.

Die Retter
An der Messe warten die Nothelfer vom DRK, den Johannitern und den Maltesern mit vier Behandlungszelten. Bei solchen Anlässen muss statistisch etwa ein Prozent der Teilnehmer versorgt werden, schätzt Einsatzleiter Dieter Brodmann, das wären etwa 100 Personen. Ob Schürfwunden, Hitzschlag oder gar Herzinfarkt, die Retter sind vorbereitet. Etwa 200, die meisten Ehrenamtliche, sind an der Messe und an der Strecke im Einsatz. In Freiburg arbeiten DRK, Johanniter und Malteser zusammen. "Wir machen das gemeinsam, das ist toll", sagt Brodmann. Die gute Nachricht: Nichts Größeres passiert.

Der Trostpreis
Hinterher für alle: Maultaschenparty!

Fazit
Eigentlich unfassbar: Sieht tatsächlich aus, als würde Marathonlaufen Spaß machen. Und: Sieger Benedikt Hoffmann hat nur 2 Stunden, 23 Minuten und 2 Sekunden für 42 Kilometer gebraucht.

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