RÜCKBLICK 1961

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Von grü

Di, 15. Februar 2011

Freiburg

FINSTERNIS ÜBER DER STADT
In den Morgenstunden des Aschermittwochs 1961 konnten die Freiburger eine beinahe totale Sonnenfinsternis beobachten. Zu 95 Prozent verdeckte der Mond die gerade aufgegangene Sonne. Auf dem Schlossberg, zu dem sich einige aufgemacht hatten, war das Phänomen ab 8 Uhr zu bewundern und tauchte den Münsterturm in rotes Licht. Da die Verfinsterung schon zu Tagesbeginn stattfand, wurden im Tierreich nicht die sonst für solche Erscheinungen typischen Fluchtreaktionen festgestellt. Eine kleine Sensation: Die Planeten Saturn und Jupiter, die sonst von der Sonne überstrahlt werden, waren während der Finsternis am Himmel zu sehen. Da es in Freiburg keine totale Verfinsterung gab, eine solche für die Wissenschaft aber aussagekräftiger ist, hatte sich der damalige Leiter des Freiburger Fraunhofer-Instituts für Sonnenphysik, Karl-Otto Kiepenheuer (nach dem die Einrichtung später benannt wurde), mit seinen Mitarbeitern ins "stockdunkle" Oberitalien begeben. Erst am 11. August 1999 konnten die Süddeutschen eine totale Sonnenfinsternis erleben. Die nächste ist am 13. November 2012 von Australien und Südamerika aus zu sehen. Erst am 3. September 2081 wird der Kernschatten der Sonne wieder über Deutschland hinwegziehen.

BAULÜCKE SCHLIESST SICH
Das seit dem Bombenangriff 1944 brach liegende Areal zwischen Schiff- und Wasserstraße wurde im Februar 1961 endlich bebaut. Die Freiburger Wohnbaugesellschaft hatte das Grundstück ein Jahr zuvor erworben. Einst war dort ein Parkhaus geplant, das drei Stockwerke in die Tiefe reichen sollte. Dieser Garagenkeller wurde 1961 in Lagerräume umfunktioniert. In das Erdgeschoss kamen Läden, darüber Büros und Studentenwohnungen. Mit dem Bau des Häuserkomplexes schloss sich die letzte große Baulücke in der Innenstadt. Vor allem die unmittelbaren Anwohner freute das. Sie hatten sich des öfteren über riesige Pfützen beschwert und wünschten sich eine feste Straße. 1973 wurde der Block noch einmal komplett neu gebaut. Seitdem befindet sich dort auf drei Etagen das Einkaufszentrum "Schwarzwald City", mit 37 Geschäften. Außerdem beherbergt der Komplex Praxen und Wohnungen sowie ein Parkhaus. Betreiber des Centers ist seit August 2006 die "Center Management Freiburg GmbH". Die ehemalige, funktional und schlicht wirkende Fassade der 70er Jahre in der Schiffstraße wurde mittlerweile an die historische Altstadt angepasst.

DEMOS IN PERSIEN
Auf Grund der Studentenunruhen in Persien (heute Iran) mit Verhaftungen und der kurzzeitigen Schließung der Uni Teheran, beschloss der Studentenrat der Freiburger Universität im Februar 1961, die persischen Kommilitonen in ihren Forderungen nach Demokratie zu unterstützen. Ihre Solidarität bekundeten sie in einem Brief, den sie an das Staatsoberhaupt Schah Mohammad Reza Pahlavi, den Regierungschef Jafar Sharif-Emami sowie an die iranische Botschaft in Bonn schickten. Die persische Studentengruppe in Freiburg schloss sich dem Brief an. Ähnliche Aktionen, die teils von Demos begleitet waren, gab es auch in Göttingen, Karlsruhe und Tübingen. Die Kritik der deutschen Studenten an den Verhältnissen in Persien und der Haltung der deutschen Regierung dazu, waren ab Mitte der 1960er Jahre in Westdeutschland einer der Auslöser für die Studentenbewegung.