Flüchtlingspolitik

Rund 2000 Menschen fordern auf Demo durch die Innenstadt ein Recht auf Seenotrettung

Fabian Vögtle

Von Fabian Vögtle

Sa, 22. September 2018 um 17:12 Uhr

Freiburg

Bis zu 2000 Menschen haben am Samstagmittag in der Freiburger Innenstadt mit einer Demonstration auf das Ertrinken von Flüchtlingen im Mittelmeer aufmerksam gemacht und eine Entkriminalisierung der Seenotrettung gefordert.

Zu Beginn der Demonstration um 12.30 Uhr versammelten sich knapp 1000 Personen auf dem Platz der Alten Synagoge. Oberbürgermeister Martin Horn freute sich über das "bunt gemischte Publikum" und sprach von einem der Podeste aus zu den Teilnehmern.

"Wenn uns die Schicksale im Mittelmeer kalt lassen und stattdessen Menschen, die sich für andere Menschen in Not einsetzen, Haftstrafen drohen, läuft politisch einiges schief in unserem Land und auf dem Kontinent", sagte Horn und fügte unter Applaus hinzu: "Wir dürfen die Menschlichkeit nicht verlieren."

Horn berichtete von seiner Reise auf die griechische Insel Samos als früherer Europakoordinator von Sindelfingen. Dort habe er das Leid und die Flüchtlingstragödie hautnah erlebt.

Medizinstudent half auf einem Rettungsboot

Neben zwei Flüchtlingsfrauen des Radioprojekts "Our Voice" sprach auch der Freiburger Medizin-Student Tim Groteclaes. Er erzählte von einem Rettungseinsatz auf dem Mittelmeer im Juni.

An Bord eines Schiffes der Hilfsorganisation Sea-Eye half er zwei Wochen lang Schiffbrüchige zu versorgen. "Die EU verlässt sich auf die libysche Küstenwache statt vorhandene Ressourcen zu nutzen", kritisierte der 24-Jährige.

Ihn mache es fassungslos, dass er und seine Mitstreiter in der politischen Diskussion oft gar nicht als Seenotretter, sondern als Schmuggler betrachtet werden. Wenn dazu noch Wörter wie etwa "Asyltourismus" salonfähig werden, müsse man ein Zeichen setzen. "Denn in so einem Europa möchte ich nicht länger leben", sagte er.

Demonstration durchs Zentrum verläuft friedlich

Nach der Kundgebung zogen nach Angaben der Polizei und des Veranstalters "Seebrücke. Schafft Sichere Häfen" bis zu 2000 Menschen, teils mit Plakaten, friedlich über die Rempartstraße, die Kaiser-Joseph-Straße und den Bertoldsbrunnen in Richtung Sedanviertel. Vor dem Konzerthaus und an der Wiwilí-Brücke gab es eine Abschlusskundgebung. Dabei wurden auch kleine orangene Boote gebastelt und gefaltet und damit die Brücke geschmückt.

Am Rande der Abschlussaktion kam es laut Polizei auch zu einem Zwischenfall. Von einem der Brückenpfeiler zündete jemand eine sogenannte Seenotrettungs-Rauchfackel. Dies führte zu einer Rauchentwicklung, verletzt wurde niemand. Gegen den Mann, dessen Personalien festgestellt wurden, wird nach Angaben eines Polizeisprechers nun ermittelt.

Teilnehmerzahl gibt Aktionsgruppe Aufwind

Insgesamt lobte die Polizei aber den reibungslosen Verlauf. Auch die Freiburger Aktionsgruppe des im Juni gegründeten Bündnisses Seebrücke zeigte sich sehr glücklich. "Wir haben es geschafft, das Thema aktuell zu halten und der Zuspruch gibt uns Aufwind und Motivation weiter zu machen, damit sich endlich was ändert", sagte Mitveranstalter Markus Wichmann nach der Demo.

Dieser hatten sich mehrere politische Parteien und Gruppierungen angeschlossen. Unter den Teilnehmern waren neben dem Oberbürgermeister mehrere Stadträte und auch Gernot Erler, der ehemalige Freiburger SPD-Bundestagsabgeordnete und Staatsminister im Auswärtigen Amt.

Auch der langjährige SC-Trainer Volker Finke, der sich mehrfach zu flüchtlingspolitischen Themen äußerte und nicht nur als Fußballtrainer auf dem afrikanische Kontinent engagierte, war dabei.

Bereits am 14. Juli hatte die Seebrücke, wie in vielen anderen Städten, auch in Freiburg eine Demo organisiert, auf denen sich Hunderte Menschen für Humanität aussprachen und von der Politik sichere Fluchtwege und die Entkriminalisierung der Seenotrettung forderten.

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