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24. Dezember 2009

SAGEN SIE MAL. . . : Wärme schenken für den Magen und die Seele

BZ-Fragebogen, heute ausgefüllt von Martin Schley (59), Kabarettist und "Weihnachtsmann" für Bedürftige

WALDSEE (cfr). Für bedürftige Menschen, die kein Geld oder kein Dach über den Kopf haben, organisiert der Kabarettist Martin Schley auch dieses Jahr gemeinsam mit Henrike Beck, Ricarda Kräuter-Schächtele und Eli Kligler ein Weihnachtsfest und führt damit die von der kürzlich verstorbenen Sissi Walther initiierte Aktion fort. Schley ist gebürtiger Freiburger, er hat Sozialpädagogik studiert, eine Ausbildung zum Schauspieler gemacht und arbeitet seit 1983 als freischaffender Künstler. Seit 15 Jahren leitet er ehrenamtlich die Theatergruppe im Freiburger Gefängnis. Der 59-Jährige lebt mit seiner Frau in Waldsee und hat zwei erwachsene Kinder.

Wie muss man sich denn ein solches Weihnachtsfest vorstellen?
Jedes Jahr kommen rund 200 Menschen zu den Feierlichkeiten, die von etwa 30 Ehrenamtlichen ausgerichtet werden. Die packen Päckle, schenken Getränke aus, schmücken den Baum und so weiter. Es gibt ein Weihnachtsessen, Geschenke und ein Unterhaltungsprogramm.

Sie sind seit sieben Jahren dabei. Wieso?
Ich bin durch Sissi Walther dazugekommen und habe eigentlich die gleiche Motivation wie sie: den furchtbaren Gedanken, dass Menschen draußen in der Kälte sind und an keinen warmen Ort können. Deshalb geben wir ihnen Wärme. Nicht nur für den Magen, sondern auch atmosphärisch und für die Seele.

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Was wollten Sie als Kind werden?
Radioansager.

Was ist Ihr Lieblingsplatz in Freiburg? Der Münsterplatz.

Ihr Lieblingsessen?
Mit lieben Menschen um den Tisch schmeckt mir fast jede Speise.

Ihr Lieblingslokal in Freiburg?
Immer wieder ein anderes. Ich war erst im Tee- und Schokoladenhaus, danach im Heiliggeiststüble, dann im Oberlindencafé. Jetzt will ich noch ins Schwabentörle.

Ihr Lieblingsfach in der Schule?
Religion.

Wann waren Sie zuletzt in der Kirche? Dieser Tage zum Proben in der Freiburger Gefängniskirche.

Worüber können Sie herzhaft lachen? Über die Filme "Die Orchesterprobe" und "Der Firmling", beide mit Karl Valentin und Liesl Karlstadt.

Was machen Sie gerne in Ihrer Freizeit? Spazierengehen mit meiner Frau.

Was lesen Sie gerade?
"Das Geständnis", Erzählungen von Wilhelm Dieß.

Wann waren Sie das letzte Mal im Kino? Neulich erst im tief anrührenden japanischen Film "Nokan" im Kandelhof.
Welche Musik hören Sie gerne?
Bach, Beatles, Gregorianik, Bobby McFerrin, balinesisches Gamelan, Drehorgel, afrikanische Trommeln, Dave Brubeck, Deutsche Schlager der 30er Jahre, Yo Yo Ma ...

Wovor haben Sie Angst?
Vor endlosen Schmerzen.

Welche Eigenart hätten Sie lieber nicht? Meinen hamsternden Sammeltick.

Welche Eigenschaften schätzen Sie an anderen Menschen am meisten?
Humor, Kreativität, Herzensgüte und unkomplizierte Entscheidungsfreude.

Was ist Ihnen peinlich?
Dass Menschen, die mir wertvoll sind, immer noch auf Antwort von mir warten.

Was bringt Sie auf die Palme?
Unser Strafvollzug. Gefangene können zwar arbeiten, doch möchte ich, dass ihre Arbeitsleistung dem Abtragen des angerichteten materiellen Schadens dient und sie das Gefühl bekommen, gutzumachen.

Ihr größter Erfolg?
Als Künstler das arbeiten zu dürfen, was ich gerne mache und dass mein Publikum daran Freude hat.

Was fehlt zum vollkommenen Glück? Frieden zwischen Menschen, Nationen, Oben und Unten. Könnten wir diesen Planeten bevölkern, ohne anderen den Schädel einzuschlagen? Wäre das dann spannend?

Ihre Traum-Schlagzeile?
"Bedingungsloses Grundeinkommen beschlossen."

Angenommen, Sie gewinnen bei Jauch eine Million. Was machen Sie damit?
Erst Nächte drüber schlafen, an mich und andere denken, Frau, Kinder und Freunde hören und dann entscheiden.

Bitte vervollständigen Sie: Als Oberbürgermeister von Freiburg würde ich ... ... wahrscheinlich Chaos verursachen.

Autor: cfr