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30. November 2013

Niklas Arneggers Wochenschau

SALTO RÜCKWÄRTS            : Glüh’ im Glanze

  1. Foto: Lucia Reck

Als Sarah Connor ihr berühmtes "Brüh’ im Lichte dieses Glückes..." sang, dachte sie wahrscheinlich gerade an Heidi Brühl und deren Film "Solang die Sterne glüh’n" von 1958. Und hat dann was verwechselt. Jetzt, in der Vorweihnachtszeit, da die Welt voller Glühweihnachtsmärkte ist, würde die gute Sarah wahrscheinlich "Glüh’ im Glanze dieses Glückes, glühe deutsches Vaterland" singen. Schon haben sie (in Trier) eine deutsche Glühweinkönigin gewählt, und wie wir die Freiburger Tourismusförderer kennen, werden sie nicht rasten noch ruhen, bis auch an der Dreisam eine solche Königin zeigt, wie man dieses Getränk stilvoll schluckt. Da hätte sie zu tun. Der Glühwein übrigens wird traditionell von der Oma gemacht. Hauptbestandteile: Alkohol und naturidentische Aromastoffe. Nun, der Glühwein müsste eigentlich Vorglühwein heißen, denn zum Vorglühen eignet er sich besser als jedes andere winterliche Getränk.

Die öffentliche Förderung des Alkoholgenusses hat unausweichlich zur Konsequenz: Die Köpfe beginnen zu brummkreiseln, werden breit und breiter, und später, wenn die Alten schon ermattet im Bett liegen, die jungen Menschen aber immer noch nicht nach Hause wollen und schon tief in die Nachglühphase getaumelt sind, scharen sich um die Säule der Toleranz auf dem August und benehmen sich daneben, beziehungsweise asozial, wie es Stadtrat Daniel Sander auszudrücken beliebte. Denn Deutschland ist zwar, wie das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung diese Woche feststellte, ein "Niedrigfertilitätsland". Das bedeutet, dass die Gesamtverzauselung, wenn nicht Gesamtvertrottelung, der Gesellschaft unaufhaltsam wächst. Für Freiburg gilt das jedoch nicht, denn hier sammeln sich viele junge Leute. Die studieren und lernen fast alle sehr fleißig, aber halt nicht zu jeder Tages- und vor allem nicht zur Nachtzeit. Jedenfalls machen sich diese jungen Menschen umso mehr zum Affen, je größer der Affe wird, den sie sich durch Vor-, Zwischen- und Nachglühen zugelegt haben. Das ist natürlich menschlich. In diesem Fall aber rückt – oho! – demnächst die Stadtpolizei an. Dann könnten die Stadtbüttel doch gleich – um hier ausnahmsweise mit einem konstruktiven Vorschlag aufzuwarten – von den Junggesell(inn)- enabschiedsgruppen eine Passantenschnorrersteuer abgreifen. Sagen wir: Fünf Euro pro Schnapsnase. Allerdings nur, wenn es sich um private, nicht um Geschäftsjunggesell(inn)enabschiede handelt.

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Und jetzt wird’s ernst, denn wir müssen kurz auf die Freiburger Fasnet zu sprechen kommen. Die ist nämlich – und die Fasnet überhaupt – in höchster Gefahr: Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte entscheidet demnächst über das in Frankreich geltende Burkaverbot. Es wurde erlassen, weil die Verhüllung des Gesichts die zwischenmenschliche Kommunikation behindere. Übernimmt der Gerichtshof diese Argumentation, ist Schluss auch mit den Fasnetsmasken. Eine solche humanitäre Katastrophe wäre auch mit noch so großen Mengen Glühweins nicht wegzuschlucken.

Autor: arn