Großprojekt

Sanierung der Freiburger Stadtbahnbrücke könnte sechs bis acht Jahre dauern

Simone Höhl

Von Simone Höhl

Do, 23. August 2018 um 09:28 Uhr

Freiburg

Die Stadtbahnbrücke in Freiburg ist undicht, der Beton bröckelt. Die Sanierung wird Jahre dauern, schätzungsweise einen zweistelligen Millionen-Betrag kosten und eine Sperrung der Tramgleise nötig machen. Im Frühjahr soll’s losgehen.

Die Stadtbahnbrücke ist eine der wichtigsten Brücken in Freiburg: Sie verbindet die Innenstadt mit dem Stühlinger und die Eisenbahn mit der Straßenbahn – und sie ist Frank Uekermanns größtes Sorgenkind. "2007 sind die ersten Teile runtergefallen", sagt der Leiter des Garten- und Tiefbauamts am Mittwoch beim Ortstermin, um die Problemstellen zu zeigen. 2009 war klar, dass saniert werden muss, weil Wasser durch den Beton sickert – eine Gefahr für den Stahl in der Brücke.

"Rost ist der Tod von jedem Spannbetonbauwerk", sagt Uekermann. "Das gibt ein schlagartiges Versagen der Spannlitzen." Der Termin stand schon vor dem Unglück von Genua fest. "Wir sind gut aufgestellt", so der Amtschef für Freiburg.

"Das ist kein Nice-to-have." Amtsleiter Uekermann
Die Stadtbahnbrücke muss oben abgedichtet werden, bevor Teile rosten, die für die Standsicherheit wichtig sind. "Das muss jetzt gemacht werden, das ist kein Nice-to-have", betont Uekermann. Andernfalls müsste die Brücke in absehbarer Zeit gesperrt werden – auch für den Bahnverkehr auf der Rheintalachse.

An Gleis 8 geht es per Hubsteiger zu einer Tür im Brückenpfeiler. Darin zeigt Johannes Scherer, wo Wasser eindringt. Mini-Stalaktiten hängen von der Decke.

Wenn es richtig regnet, reicht auch das neue Abflussloch im Boden nicht mehr: Wasser schwappt am Rand auf den Bahnsteig. Der Mann von der Stabsstelle Brückenbau steht vor einer Wand, hinter der die Spannseile verankert sind. Zu ihnen sei das Wasser noch nicht vorgedrungen: "Wir prüfen das regelmäßig."

Derzeit wird die Sanierung der fast 40 Jahre alten Brücke geplant, angedacht ist, sie über sechs bis acht Jahre zu strecken. Beginnen soll sie mit Geländer und Gehweg. Die Betonpoller muss man regelmäßig abklopfen, weil auch schon Teile abfielen. Dieses Jahr hat der Statiker die rote Karte gezeigt. Uekermann ging zu Finanzbürgermeister Stefan Breiter und der stimmte zu: Der Posten soll in den Etat.

1000 Trams fahren am Tag über die Brücke

Die Stadt teilt sich die Kosten mit der VAG. Vier von fünf Linien nutzen die Brücke, werktags mit 1000 Straßenbahnen und 39.000 Fahrgästen, sagt Ralph Uhle von der VAG. Die hat die Gleise erst 2007 saniert und will das nächste Mal etwas vorziehen: Irgendwann nach 2020 soll die Strecke für die Abdichtung gesperrt werden. Uekermann rechnet mit ein bis zwei Monaten Vollsperrung – und einem zweistelligen Millionenbetrag. Die alte Schätzung liegt bei acht Millionen.

Der Markt der Baubranche ist überhitzt, die Auftragsbücher sind voll und die Preise hoch. Freiburgs Brückensanierungsstau steige dadurch von 30 auf 40 Millionen Euro. Es gebe keine oder überzogene Angebote, in Freiburg konkret für die Besançonbrücke sowie die Brücken über die Breisacher Bahnlinie im Zuge der Granadaallee-Sanierung. Das Amt zog die Ausschreibungen zurück und probiert es erneut. Die Geländersanierung wird nun auch ausgeschrieben.

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