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13. Juli 2010 17:54 Uhr

Schauinslandbahn wird 80 – und bleibt ein Minusgeschäft

Ein technisches Denkmal und ein Stück Heimatgeschichte feiert 80. Geburtstag: Die Schauinslandbahn ist zwar beliebt bei Urlaubern und Einheimischen – kämpft aber mit sinkenden Passagierzahlen. Sie bleibt ein Minusgeschäft.

  1. Die Eröffnung der Schauinslandbahn am 17. Juli 1930. Foto: Privat

Sie lachen und zwitschern, recken ihre Arme aus dem Kabinenfenster und winken mit weißen Taschentüchern den Schaulustigen zu. Am 17. Juli 1930 schweben Trachtenmädchen aus Horben und Hofsgrund in der festlich geschmückten Gondel mit der Nummer 1 in der Talstation der neuen Schauinslandbahn ein. Um 11.44 Uhr tritt sie mit dem damaligen Oberbürgermeister Karl Bender ihre erste offizielle Bergfahrt an.

Historischer Film über eine Fahrt mit der Schauinslandbahn von 1932:Schauinslandbahn
"Die Schauinslandbahn ist über die Jahrzehnte hinweg ein Stück Heimatgeschichte geworden", sagt Betriebsleiter Günter Voigt. Innerhalb von nur einem Jahr hatten Dutzende von Arbeitern mit Zugpferden und Dampfwalzen die längste Seilbahn im Umlaufverfahren an den Berg gezimmert. Dem gingen Jahre der Planung voraus: Bereits 1893 liebäugelte der damalige OB Otto Winterer mit dem Bau einer Bahn auf den Hausberg. Doch erst 1925 nahm die Idee konkrete Formen an, als die Stadt eine Schauinslandbahn-Studiengesellschaft gründete. Daraus wurde drei Jahre später eine Aktiengesellschaft mit städtischer Mehrheit. Anfang Mai 1829 erfolgte die Grundsteinlegung für das 2,15 Millionen Reichsmark teure Großprojekt.

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In den ersten fünf Jahrzehnten fuhr in jeder Kabine noch ein Schaffner mit, der Fahrkarten verkaufte und die Technik im Blick behielt. 1987, als die Bahn modernisiert wurde, musste das fahrende Personal gehen. Heute arbeiten 17 Angestellte an der Berg- und Talstation. Pro Stunde kann die Schauinslandbahn 700 Passagiere auf den 1284 Meter hohen Gipfel transportieren.Doch die alte Dame ist und bleibt ein Verlustgeschäft – das mit immer niedrigeren Fahrgastzahlen zu kämpfen hat.

Fuhren 2007 noch mehr als 221 000 Passagiere mit der Seilbahn, waren es im vergangenen Jahr nur noch 206 400. Das entspricht einem Rückgang von 6,6 Prozent. 2009 fuhr die Schauinslandbahn ein Defizit von 760 000 Euro ein. Sie deckt damit ihre Kosten zu 60 Prozent.

"Wir sind vom Wetter abhängig", versucht VAG-Sprecher Andreas Hildebrandt eine Erklärung. Auch habe der ein oder andere technische Defekt die Bahn aus dem Verkehr gezogen. Trotzdem sei die Stadt auf das umweltfreundliche Verkehrsmittel stolz, sagt Freiburgs OB Dieter Salomon. Seit Januar 2009 treibt Ökostrom die alte Dame an. "Sie ist ein Denkmal, das heute aktueller denn je ist", sagt Salomon.

Jubiläumsprogramm

Das Jubiläum am Samstag, 17. Juli, wird von 18 bis 24 Uhr gefeiert. Von 19.30 bis 23.30 Uhr gibt es an der Bergstation Live-Musik mit Enrico Novi und das Bergrestaurant bietet Barbecue und Cocktails an. Eine Ausstellung informiert über den Bau der Bahn 1930. Bei einem Glücksrad werden Freikarten für Seilbahnfahrten verlost. Drei Mal finden Technikführungen statt und auch im Museumsbergwerk gibt es Sonderführungen. Historische Nachtwanderungen beginnen um 20.30 und 20.45 Uhr (Preis 8 Euro,- zzgl. Seilbahnfahrt
Anmeldung unter Tel. 0761/ 701943 oder info@vistatour.de).

Von 18 Uhr an gilt ein Jubiläums- Sondertarif. Berg- und Talfahrt kosten 8 Euro wobei Kinder bis 14 Jahren in Begleitung von mindestens einem Erwachsenen gratis fahren. Die Buslinie 21 zwischen Günterstal und der Talstation wird zwischen 18 und 20.30 Uhr im 15-Minuten-Takt und danach bis Betriebsschluss im 30-Minuten-Takt angeboten.

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Autor: Alexandra Sillgitt mit Material von dpa