Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

02. Juni 2012

Schluss mit prekärem Lohn

Zwei Stadträte wollen Volkshochschuldozenten unterstützen.

Das heftige Wort von den "Dumpinglöhnen" haben die Stadträte Daniel Sander (CDU) und Stefan Schillinger (SPD) aus dem Beschwerdekatalog von Mitarbeitern der Volkshochschule (VHS) übernommen: Gemeint sind die 18 Euro Grundhonorar der Dozentinnen und Dozenten an der VHS in Freiburg. In einer Presseerklärung teilen die beiden Stadträte mit, dass sie sich bei den Haushaltsberatungen 2013/2014 für eine Aufstockung des prekären VHS-Lohns einsetzen werden. VHS-Leitung und Dozentenvertretung nahmen’s mit Zufriedenheit zur Kenntnis.

Die Lage der VHS-Lehrer nämlich ist nach Einschätzung aller Beteiligten hochgradig unbefriedigend. "Der Haushalt der VHS – wie fast aller öffentlichen Bildungsträger – lässt keine angemessene Bezahlung zu", konstatiert VHS-Leiterin Eva von Rekowski. So kommt es, dass hier zwar qualitativ hochwertig gearbeitet, aber deutlich zu wenig gezahlt werde. Zusätzlich zu dem einen Euro mehr, den erhöhte Landesmittel ab Herbst auf das Grundhonorar aufschlagen, wollen Sander und Schillinger aus städtischen Mitteln einen weiteren Euro auf den Stundenlohn packen. Das hieße 20 Euro pro Unterrichtsstunde für Volkshochschullehrer.

Werbung


Zwar liegt die hiesige Volkshochschule mit den städtischen Zuschussleistungen in Höhe von knapp 900 000 Euro und mit den Honoraren im Durchschnitt baden-württembergischer Volkshochschulen, betont die VHS-Leiterin, jedoch könnten Dozenten selbst von einer "Vollzeittätigkeit" kaum leben. Denn angestellt arbeiten nur vier Lehrkräfte der VHS, fast 500 sind selbstständig tätig. Das heißt Krankheitsausfälle, Sozialversicherungsbeiträge, Steuern schmälern die 18 Euro, die sich bei 28 Stunden Lehrtätigkeit und 40 Arbeitswochen – das entspräche einer vollen Lehrerstelle – auf etwa 20 000 Euro Brutto-Jahressalär summieren würden.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft hat errechnet, dass das Grundhonorar für selbstständige Lehrer bei 26 Euro liegen müsste, um dem Gehalt eines Grundschullehrers zu entsprechen. Bei insgesamt 60 000 Unterrichtsstunden im Jahr, müsste die VHS für die Anpassung an 26 Euro Stundenlohn schon eine halbe Million Euro aufbringen. Unmöglich, erklärt Eva von Rekowski, denn der VHS-Etat sei gedeckelt. Insofern nennt sie die Aussicht, dass unter Umständen zumindest 20 Euro Grundhonorar möglich seien, erfreulich. Sie stellt allerdings klar, dass die gegenwärtige Erwerbssituation der Dozenten kein Freiburger Problem sei, sondern bundesweit den gesamten Bereich der öffentlichen Bildung betreffe. Den Vorstoß der beiden Stadträte findet Eva von Rekowski gut.

Das findet auch Alexandra Lauterbach, Sprecherin der Dozentenvertretung. In den zehn Jahren ihrer Tätigkeit als Deutschlehrerin in Integrationskursen habe es genau einmal eine Lohnerhöhung um 50 Cent gegeben, erzählt sie, dabei sei das Leben in diesen zehn Jahren viel teurer geworden. "Das ist doch seltsam – die Integrationskurse wurden zu einer der zentralen Aufgaben in unserer Gesellschaft erklärt, aber wir, die wir diese Aufgabe mit Uni-Abschlüssen und weiteren anspruchsvollen Zusatzqualifikationen tatsächlich umsetzen, arbeiten für Löhne, von denen wir nicht leben können."

Da habe über die Jahre ein enormer Wandel stattgefunden, sagt Eva von Rekowski: "Früher war der Unterricht an der VHS in der Regel ein Zuverdienst für Lehrer, die eine gute wirtschaftliche Basis hatten. Heute müssen viele der Dozenten von der Arbeit in der VHS leben." Das ist auch am städtischen Zuschusstopf für die Sozialversicherungsbeiträge der VHS-Lehrer zu sehen. Von den 20 000 Euro konnten anfangs etwa 25 Dozenten fast die Hälfte ihrer Beiträge bezuschussen lassen. Heute gibt’s für doppelt so viele Antragsteller nur noch 25 Prozent Zuschuss. Auch hier streben Sander und Schillinger Verbesserungen an.

Autor: Julia Littmann