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03. Juli 2016 14:20 Uhr

Senioren

Freiburg: Wie das DRK alte Menschen in Bewegung halten möchte

Wer sich sportlich betätigt, hat im Alter bessere Chancen, länger mobil und gesund zu bleiben. Das Deutsche Rote Kreuz bietet deshalb schon seit den 70er Jahren Gesundheitsprogramme für Seniorinnen und Senioren an.

  1. Carola Schark (Mitte) leitet Gymnastikgruppen für Senioren und Seniorinnen. Foto: Michael bamberger

Auch in Freiburg gibt es Gymnastik-, Yoga- und Tanzkurse für ältere Menschen, die dafür nur einen geringen Beitrag bezahlen müssen. Der DRK-Landesverband Badisches Rotes Kreuz sucht dafür regelmäßig neue Übungsleiterinnen und -leiter.

Aus der Turnhalle im Haus der Jugend klingt Musik, die so gar nicht zu diesem Ort passt. Zu "Das Wandern ist des Müllers Lust" und Bata Illics "Michaela" schwingen rund ein Dutzend Männer nicht nur ihre Arme und Beine, sondern singen auch noch lauthals mit. Der Jüngste von ihnen ist 69, der Älteste 87 Jahre alt. Zwischendrin steht Übungsleiterin Carola Schark und gibt Anweisungen.

Die 51-Jährige nennt alle beim Vornamen. Weil so viele von ihnen Franz heißen, hat sie sie einfach durchnummeriert. "Ich war früher sehr schlecht im Turnen", erzählt Schark. Daran hat sie inzwischen selbst etwas geändert. Sie hat etwas über die Gymnastikkurse gelesen und gewusst: "Das will ich machen." Die gelernte Anwaltsgehilfin absolvierte eine Übungsleiterausbildung beim DRK und übernahm bereits 2002 erste Gruppen.

Heute leitet Schark 18 Gruppen in der Woche, ihr Spezialgebiet ist die Sturzprophylaxe. Auch in der Herrengruppe, die es schon seit 1978 gibt, sind ihre Übungen vor allem darauf ausgerichtet, Oberschenkelhalsbrüche zu vermeiden. Der 76-jährige Alfred Föhrenbach ist sich sicher, dass er "bestimmt schon ein paar Mal hingefallen wäre", wenn er nicht regelmäßig zur Gymnastik gehen würde. Seit 2004 gehört der Opa von Bundesliga-Profi Jonas Föhrenbach zu der Gruppe. "Erst als ich in Rente gegangen bin, hatte ich die Zeit, vorher war ich im Außendienst tätig", erzählt Föhrenbach. Noch später ist der 85-jährige Bernd Schillen, ein Hobbypilot, eingestiegen. Vor sechs Jahren hat ihn seine Frau davon überzeugt, auch etwas für seine Beweglichkeit zu tun. "Das regt den Kreislauf an und es macht Spaß, weil wir eine gute Kameradschaft haben." Beide sind gute Beispiele dafür, dass es nie zu spät ist, sich sportlich zu betätigen. "Viele fangen mit um die 60 an, manche auch erst mit Mitte 70", sagt Annette Willesch, Referentin für die Gesundheitsprogramme beim DRK in Freiburg, "und darunter sind viele, die noch nie Sport gemacht haben."

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Gesundheit und Lebensqualität bis ins hohe Alter bewahren

Dass auch sie Erfolge erzielen können, hat die Universität Heidelberg 2011 mit einer Evaluation der DRK-Bewegungsprogramme nachgewiesen. "Sie weisen positive Effekte auf körperlicher und seelisch-geistiger Dimension auf", heißt es dort, und sie würden dazu beitragen Gesundheit, Leistungsfähigkeit und Lebensqualität bis ins hohe Alter zu bewahren. Hinzu käme ein soziales Netzwerk, das durch die Kurse aufgebaut werde.

Auch die Freiburger Herrengruppe trifft sich nicht nur im Haus der Jugend. "Wir gehen regelmäßig kegeln", erzählt der 85-jährige Ewald Löffler, der immer mit dem Fahrrad aus Zähringen zum Kurs kommt. "Ich merke, wenn ich nichts mache, dann klemmt’s." Ansonsten ist die Gruppe aber nicht typisch für die DRK-Programme, denn rund 96 Prozent der Teilnehmenden sind Frauen. Manche von ihnen bleiben den Kursen Jahrzehnte verbunden, weiß Willesch. Im Gegensatz zu Sportvereinen und Fitnessstudios müssen sich die Teilnehmer aber nicht binden, sondern bezahlen nur für die Stunden, bei denen sie mitmachen. Die Preise zwischen zwei und drei Euro sind dabei sehr moderat.

Dementsprechend ist allerdings auch das Honorar für die Übungsleiter eher eine Aufwandsentschädigung. Für Willesch ist es "eigentlich ein Ehrenamt" und Carola Schark kann das bestätigen: "In freien Gruppen kann man drei Mal so viel verdienen, aber mir ist es wichtig, dass auch Menschen dieses Angebot bekommen, die nicht so viel Geld haben." 160 Stunden dauert die Ausbildung für Leiter von Gymnastikgruppen, bezahlt wird sie – genau wie später Fortbildungen – vom Roten Kreuz. "Die Fortbildungen sind großartig, man lernt viel von den Kolleginnen", schwärmt Schark. Ihre Herrengruppe sei hingegen nicht immer ganz so begeistert, wenn sie mit neuen Übungen und Ideen zurückkomme. Sie würden lieber Prellball spielen, als sich auf die unbeliebte Gymnastikmatte zu begeben.

Autor: Daniela Frahm