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17. Januar 2013

Kantinenstraße

Sicher und koscher: Neue Kita betreut auch jüdische Kinder

Die Kita Kantinenstraße hat besondere Sicherheitsanforderungen – weil dort auch jüdische Kinder betreut werden sollen.

  1. Noch ist die Kita Kantinenstraße in Zähringen eine Baustelle, im Mai soll es dort losgehen. Foto: Ingo Schneider

Im Mai soll in Freiburg eine jüdische Kindertageseinrichtung eröffnet werden – die erste in Baden seit der Nazizeit. In der Kita Kantinenstraße in Brühl-Beurbarung werden 50 jüdische und nichtjüdische Kinder gemeinsam spielen und voneinander lernen. Wie bei allen jüdischen Einrichtungen werden auch hier besondere Sicherheitsvorkehrungen getroffen – für insgesamt 93 000 Euro. Ein Hochsicherheitstrakt wie in Köln, Frankfurt oder Berlin wird die Freiburger Kita aber nicht werden.

Zurzeit wird in der Kantinenstraße auf dem Gelände des alten Güterbahnhofs noch umgebaut. Für Mai ist die Eröffnung geplant, Platz für drei Gruppen und 50 Kinder wird es in der Kita geben (siehe Info-Box). Das Jugendhilfswerk Freiburg, der konfessionslose Träger der neuen Einrichtung, hat eine Kooperation mit der Jüdischen Gemeinde Freiburg geschlossen. Deren Mitglieder haben ein Vorrecht auf einen Teil der Betreuungsplätze. Zunächst werden es wohl acht Mädchen und Jungen sein, der Rest wird vergeben. Das Ziel der Einrichtung: Kinder sollen den jüdischen Alltag kennenlernen – vom koscheren Essen, das die jüdische Gemeinde liefern wird, bis hin zu jüdischen Festen und Ritualen.

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"Freiburg ist eine sehr tolerante Stadt"

In Deutschland gibt es 21 jüdische Kinderbetreuungseinrichtungen, zwei davon in Baden-Württemberg (Stuttgart und Rottenburg). Sie stehen wie alle jüdischen Einrichtungen bundesweit unter besonderem Schutz. In Berlin beispielsweise halten aufgrund rechtsradikaler Gefahren Polizei und Sicherheitsleute Wache – nicht nur vor der Synagoge, auch vor der Kita.

In Freiburg sei das alles glücklicherweise undenkbar, sagt Irina Katz, Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde: "Freiburg ist eine sehr tolerante Stadt – für alle Religionen." Keine Probleme hätte die jüdische Gemeinde hier, weder mit ihren beiden Friedhöfen, noch an der Synagoge in der Innenstadt. Dennoch betont sie: "Wir brauchen etwas mehr Sicherheit als andere." Deshalb werde es auch an der Kita Schutz geben, aber unauffällig und mit sehr niedrigen Kosten. "Das wird kein Hochsicherheitstrakt", erklärt Katz.

Das bestätigt auch Carlos Marí, Geschäftsführer des Jugendhilfswerks. "Vor allem geht es um eine erhöhte Einbruchsicherung", sagt er. Die Polizei hat die Kita vor Ort besucht und danach einige Sicherheitsvorkehrungen empfohlen. Geplant seien vor allem teure, bruchsichere Fenster und auch Bewegungsmelder, die nachts Licht auslösen, sagt Marí. Denn das Gebäude, das einem privaten Vermieter gehört, liege etwas abseits. Ob es für die Kita auch eine Kameraüberwachung geben wird, kann der Geschäftsführer noch nicht sagen.

Die Stadt Freiburg finanziert die Sicherheitsmaßnahmen mit 93 000 Euro . "Die Stadt unterstützt diese Kita grundsätzlich sehr", sagt Stadt-Sprecherin Edith Lamersdorf. Allerdings sei es Realität, dass jüdische Einrichtungen einen stärkeren Schutz als andere Einrichtungen bräuchten.

Kita Kantinenstraße

In der Kita Kantinenstraße in Brühl-Beurbarung gibt es Ganztagesplätze für 50 jüdische und nichtjüdische Kinder. Die Gruppe für die Betreuung der Kinder unter drei Jahren ist ausgebucht, freie Plätze gibt es noch in den Gruppen für Kinder ab drei Jahren. Eine davon startet im Mai, die zweite voraussichtlich im Herbst. Die Elternbeiträge orientieren sich an denen der Stadt Freiburg, sind jedoch etwas höher. Mehr Infos gibt’s auf: http://www.jugendhilfswerk.de  

Autor: ywe

Autor: Yvonne Weik