Wiedersehen!

Das Siegesdenkmal soll an seinen ursprünglichen Standort zurückkehren

Peter Kalchthaler

Von Peter Kalchthaler

Mo, 23. Mai 2016

Freiburg

Im Gegensatz zum Rotteckdenkmal hat das gerade eingelagerte Siegesdenkmal seit seiner Aufstellung erst einen Standortwechsel erlebt. Auch hier ist die Rückkehr an einen früheren Platz vom Freiburger Gemeinderat beschlossen worden.

Die historische Aufnahme aus der Zeit um 1880 stammt von Georg Röbcke und zeigt das Denkmal an seinem ursprünglichen Aufstellungsort am Nordende der Kaiser-Joseph-Straße auf dem Platz zwischen Karlskaserne, Kommandantur und Merianschem Haus. Auch wenn sich bereits früh die Bezeichnung "Am Siegesdenkmal" durchgesetzt hat, war der Platz nach der Errichtung des Monuments 1877 offiziell als "Wilhelm-Platz" beziehungsweise "Kaiser-Wilhelm-Platz" benannt worden.

Schon wenige Tage nach dem Ende des deutsch-französischen Krieges am 18. Januar 1871 war von Freiburg aus vorgeschlagen worden, dem Dank für die Leistungen des heimischen XIV. Armeekorps unter General August von Werder Ausdruck zu verleihen. Bald waren sich die angeschriebenen Gemeinden einig, dass man ein Denkmal aufstellen solle und dass Freiburg als größter Ort im Oberland – so bezeichnete man damals das südliche Baden – der geeignete Ort dafür wäre. Es bildete sich eine Kommission, und die erste Standortdiskussion begann. Sie wurde intensiv geführt und erst im April 1876 entschieden, nur wenige Wochen vor der Aufstellung des Denkmals. Die Mittel für das Projekt kamen in kürzester Zeit aus ganz Baden zusammen, insgesamt fast 84 000 Gulden (dies entspricht etwa 924 000 Euro). Den größten Anteil leistete die Stadtgemeinde Freiburg mit mehr als 28 000 Gulden, aber auch die anderen badischen Großstädte Mannheim, Karlsruhe und Pforzheim steuerten zwischen 2000 und 4000 Gulden bei, bis hinunter zu kleinen Gemeinden wie Buchen oder Walldürn mit Beträgen von 10 bis 15 Gulden.

Ein künstlerischer Wettbewerb für das Denkmal wurde im Oktober 1871 reichsweit ausgeschrieben. Bis zum Endtermin am 1. Mai 1872 waren 20 Vorschläge in Freiburg eingetroffen, die für einige Tage in der Kunst- und Festhalle am Stadtgarten öffentlich präsentiert wurden. Die Jury wählte den Entwurf des Bildhauers Friedrich Moest, Professor an der Karlsruher Kunstgewerbeschule, der sein Modell unter dem Motto "Feststehen" eingereicht hatte. Gelobt wurde unter anderem der Gedanke der Landesverteidigung, der sich in den vier großen Soldatenfiguren der verschiedenen Truppengattungen ausdrückte.

Der Guss des Bronzeaufbaus, zu dem auch erbeutete französische Kanonen verwendet wurden, erfolgte in Nürnberg, den Sockel aus heimischem Granit fertigte ein Freiburger Betrieb. Am 3. Oktober 1876 wurde das Siegesdenkmal feierlich eingeweiht. Nicht nur Großherzog Friedrich I. und Großherzogin Luise mit dem Erbprinzen Friedrich waren dazu nach Freiburg gekommen, sondern auch Kaiser Wilhelm I. selbst mit dem Kronprinzen Friedrich. Zum mehrstündigen Festprogramm gehörte ein Bankett der Stadt im Kaufhaus, dem der festlich geschmückte Saal seinen noch heute üblichen Namen "Kaisersaal" verdankt.

Das Denkmal – dessen bekrönende Viktoria nicht, wie häufig behauptet, nach Westen, gen Frankreich "zum Feind" blickte, sondern auf die Kaiserstraße nach Süden ausgerichtet war – überstand beide Weltkriege unbeschadet. Nach 1933 formulierte Vorschläge zur Umsetzung auf den Karlsplatz wurden nicht realisiert.

Der NSDAP-Kreisleiter, der im ehemaligen Kommandantenhaus unmittelbar neben dem Denkmal residierte, schlug 1940 vor, das Denkmal abzubauen und dem Führer als kriegswichtige Metallspende zu schenken. Die Idee fand bei der Stadtspitze keine Zustimmung. Auch nach dem Einmarsch der Franzosen 1945 blieb das Monument unangetastet und bildete nach dem Wiederaufbau der Karlskaserne wieder den städtebaulichen Mittelpunkt des Platzes "Am Siegesdenkmal". Dem zunehmenden Straßenverkehr und dem Ausbau der verkehrsreichen Kreuzung als Bus- und Straßenbahnknoten musste das Denkmal schließlich weichen und wurde 1963 um gut 100 Meter nach Westen versetzt. Nun blickte die Siegesgöttin zur Karlskaserne.

Nach 53 Jahren wurde das Monument jetzt wiederum abgebaut und eingelagert. Derzeit ist die Platzierung an der ursprünglichen Stelle geplant – es gab aber schon Gegenvorschläge, es in den Stadtgarten zu versetzen oder es gar auf dem Hauptfriedhof zu verstecken, bis hin zu der Idee, das Siegesdenkmal einzuschmelzen und aus der Bronze eine Friedensglocke zu gießen – Kanonen zu Glocken sozusagen. Doch auch hier gilt: An einem authentischen Platz kann ein Monument seiner Zeit zum Nachdenken über die Geschichte und ihre Folgen anregen und so zum Denk-Mal für die heutige Zeit werden. Ansonsten könnte die Folge sein: Aus den Augen – aus dem Sinn.