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23. Dezember 2010

Software aus Freiburg entlockt Waren ihre Geschichte

Verbraucher sollen mehr über biologische, nachhaltige und fair gehandelte Erzeugnisse erfahren können – mittels der Ecoscan-App.

  1. Moriz Vohrer führt das Ecoscan-Programm vor. Foto: Ingo Schneider

Man sollte mehr Geschichten erzählen, findet Moriz Vohrer, einer der Geschäftsführer des jungen Freiburger Softwareunternehmens E-Formic. Am besten solche, die von guten und grünen Dingen handeln: einem ohne chemische Düngemittel großgezogenen Apfelbaum zum Beispiel, einem kolumbianischen Bauern, der für seine Kaffeeernte anständig bezahlt wird, oder einem Kleiderhersteller, bei dem keine Kinderhände Ärmel an T-Shirts nähen. Deshalb hat Vohrer gemeinsam mit seinem Team die Software Ecoscan entwickelt. Mit dieser App für Smartphones kann der Verbraucher den Barcode eines Produktes scannen und erfährt in Sekundenschnelle alles, was der Hersteller darüber preisgeben will.

"In Deutschland werden Produkte, die Bioqualität haben oder unter Fair-Trade-Bedingungen produziert und geliefert worden sind, zwar mit einem kleinem Symbol gekennzeichnet", sagt Vohrer. "Aber das sagt ja nicht wirklich viel aus und wird von vielen Kunden auch übersehen. Mit Ecoscan jedoch können wir die ganze Geschichte eines Produktes erzählen, die wir beim Einkaufen so sonst nicht sehen." In die App lassen sich zum Beispiel Bilder von den saftigen Streuobstwiesen, auf denen die Apfelbäume stehen, ebenso einstellen wie Informationen zu den verwendeten Apfelsorten, Lieferwege können per Google-Maps nachverfolgt und die einzelnen Herstellungsschritte in Videos angesehen werden. "Theoretisch ist alles denkbar, jedes Unternehmen kann potenzielle Kunden auf eine Entdeckungsreise mitnehmen", erklärt Vohrer.

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Zielgruppe für Ecoscan sind Firmen, die Lebensmittel, Kleidung oder Alltagsgegenstände nachhaltig, ökologisch und fair produzieren. "Mittelfristig wird es auch möglich sein, ein im Restaurant bestelltes Menü einzuscannen und zu sehen, woher die einzelnen Zutaten stammen", sagt Vohrer. Oder Konzertveranstalter hinterlegen via Strichcode auf den Konzertkarten Informationen dazu, wie sie den Kohlendioxid-Ausstoß der Veranstaltung kompensieren. "Mit Ecoscan wollen wir Unternehmen eine ökologische Informationsplattform bieten, die Verbraucher kostenlos nutzen können", sagt Vohrer. Er ist sich durchaus im Klaren darüber, dass der Spagat zwischen Verbraucherinformation und Produktwerbung gelingen muss, damit sich Ecoscan zu einem ernstzunehmenden Onlinedienst entwickelt. "Wir haben da unsere Prinzipien und achten darauf, dass die Unternehmen seriös über ihr soziales und ökologisches Engagement informieren", verspricht Vohrer. Alle Informationen in den grünen Geschichten seien von unabhängigen Dritten zertifiziert. Seit vier Wochen ist die App auf dem Markt, die ersten Unternehmen lassen Ecoscan bereits die Entstehung ihres Produktes erzählen. Dem Verbraucher signalisieren sie das mit einem grünen Auge neben dem Strichcode. Mit Ecoscan, da ist sich Vohrer sicher, lässt sich die Kaufentscheidung eines Kunden unmittelbar beeinflussen.

Weitere Informationen online unter http://www.ecoscan.info.

Autor: Claudia Füßler