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19. Februar 2011 00:01 Uhr

Katholische Kirche

Unterstützung für das Memorandum "Kirche 2011"

Die aktuelle Debatte in der katholischen Kirche ist in den Pfarrgemeinden angekommen. Jetzt haben sich Geistliche der Erzdiözese Freiburg eingeschaltet: Priester und Diakone unterstützen das Memorandum "Kirche 2011". Aber auch die Gegenseite hat Befürworter.

Die aktuelle Debatte in der katholischen Kirche ist in den Pfarrgemeinden angekommen. Jetzt haben sich Geistliche der Erzdiözese Freiburg eingeschaltet: Priester und Diakone unterstützen das Memorandum "Kirche 2011" und sammeln im Internet Unterschriften aus ihrem Kollegenkreis. Gestern Abend war die Zahl der Unterzeichner bereits auf 162 angewachsen, 14 sind aus der Stadt.

Konrad Irslinger, Pfarrer von St. Maria Magdalena im Rieselfeld, hat den Aufruf nicht nur unterschrieben, sondern auch mitinitiiert – zusammen mit Dekan Claudius Stoffel und 13 anderen. Die Diskussion um die deutschlandweite Reformdebatte bewegt die Gläubigen im Rieselfeld. Als der Pfarrgemeinderat am Ende des Sonntagsgottesdienstes mitteilte, dass er das Memorandum der Theologen besprochen habe und begrüße, "da gab es spontanen Applaus", erzählte Irslinger gestern.

Seit Donnerstag gibt es die Seite im Internet, unterzeichnet haben aus Freiburg zum Beispiel Diözesancaritasdirektor Bernhard Appel, Thomas Herkert, der Direktor der Katholischen Akademie, sowie eine Reihe von Diakonen und Pfarrern im Ruhestand. Es sei die Reaktion auf die von Erzbischof Robert Zollitsch angestoßene Dialoginitiative, sagte Konrad Irslinger und betonte: Das Memorandum fordere nicht bestimmte Dinge, wie den Zölibat abzuschaffen, sondern die Themen auf die Tagesordnung zu setzen und darüber zu reden.

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Der Dialog ist notwendig, findet Irslinger. "Ich habe den Eindruck, dass sich Leitung und Basis ein Stück weit auseinander bewegt haben." So dürfen Geschiedene, die wieder geheiratet haben, theoretisch nicht zur Kommunion. Die Praxis ist oft anders. "Manche stürzt das in einen Gewissenskonflikt." In der orthodoxen Kirche habe man einen Weg gefunden.

Beide Seiten sind für einen Dialog

Hansjörg Rasch von Herz Jesu im Stühlinger hat den Aufruf auch unterschrieben. Er kann dem Memorandum viel abgewinnen. "Weil ich der Meinung bin, dass großer Handlungsbedarf besteht." Und zwar zum Sprechen und zum Ändern. Beispiel Priestermangel: "Eine Öffnung des priesterlichen ist Amtes angesagt – auch für Verheiratete", sagte Rasch, der sich zudem für Frauen als Diakone ausspricht. Das Thema beschäftige auch die Katholiken im Stühlinger. Die neuen "XXL-Gemeinden" seien zu groß für Seelsorge, die Nähe gehe verloren, sagte Rasch. "Selbst Menschen in hohem Alter sagen: Da muss etwas geschehen."

Auch die Gegenerklärung zum Memorandum, die "Petition pro Ecclesia", hat Unterstützer in Freiburg. Einer der Unterzeichner ist Priesterkandidat Florian Rebel. "Im Memorandum fehlt mir die göttliche Perspektive", sagte der 23-Jährige. Ihm geht es darin zu viel um Strukturen. Und seiner Meinung nach stehen im Papier sehr wohl feste Forderungen. Das lehnt er ab. "In der Kirche braucht es den Dialog", in diesem Punkt stimmt Florian Rebel mit der Gegenposition überein. Doch findet er, dass der Ausgang offen sein muss. "Über die Punkte sprechen finde ich sehr gut. Daraus kann vielleicht auch ein Aufbruch entstehen."

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Autor: sh