Ausweichquartier

Staatsanwaltschaft zieht für drei Jahre an die Berliner Allee

Joachim Röderer

Von Joachim Röderer

Di, 05. Dezember 2017

Freiburg

Die Staatsanwaltschaft Freiburg mit ihren 120 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zieht für drei Jahre ins Ausweichquartier im Telekom-Gebäude an der Berliner Allee. Am Standort Holzmarkt wird ein neues Justizzentrum gebaut.

Die Staatsanwaltschaft zieht um. 2400 Umzugskisten haben die rund 120 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Anklagebehörde packt oder sind noch dabei. Weil am bisherigen Standort am Holzmarkt im Innenhof drei Gebäude abgerissen werden und ein neues Justizzentrum hochgezogen wird, muss die Staatsanwaltschaft für drei Jahre ins Telekom-Gebäude an der Berliner Allee, mittlerweile so etwas wie das Standard-Ausweichquartier für Behörden.

Die ersten Umzugslastwagen sind am Montagmorgen vorgefahren. Jetzt läuft der von langer Hand geplante Umzug. Alles muss raus. Umgezogen wird abteilungsweise. Ein Möbelpackerteam räumt am Holzmarkt aus, ein zweites Team an der Berliner Allee 1 wieder ein. "Bisher läuft es gut", meinte am Montagnachmittag Verwaltungsleiter und Umzugsorganisator Gerold Wintermantel. Natürlich ist der Ortswechsel von Menschen, Akten und EDV-Technik eine logistische Herausforderung. "Wir hoffen, dass am neuen Standort dann alles gleich wieder funktioniert", so der Leitende Oberstaatsanwalt Dieter Inhofer, der Leiter der Behörde.

Bis in zwei Wochen sollen dann sechs der sieben Abteilungen an den Ersatzstandort umgezogen sein und dort wieder die Arbeit aufnehmen. Eine Abteilung bleibt in der Altstadt – sie residiert an der Kaiser-Joseph-Straße in einem anderen Gebäude und ist deswegen von den Baumaßnahmen nicht betroffen.

Seit den 1980er-Jahren hat die Staatsanwaltschaft ihren Sitz im ehemaligen Notariatsgebäude mit der denkmalgeschützten Fassade an der Kaiser-Joseph-Straße, direkt neben dem Amtsgericht am Holzmarkt. Weil nun bei Abriss und Neubau im Innenhof in den Büros zum Hof hin nicht an normales Arbeiten zu denken war, zieht die Staatsanwaltschaft vorübergehend um. Die Büros in dem Gebäude zur Kaiser-Joseph-Straße hin werden von Richtern und Mitarbeitern des Amtsgerichtes genutzt, die ebenfalls ihre Büros, die zum Hof hin liegen, räumen müssen. Noch im Dezember sollen die Bagger anrollen.

Die Staatsanwaltschaft wird im Telekom-Gebäude an der Berliner Allee zwei komplette Stockwerke beziehen – das sind die Räume, welche die Stadt Freiburg nach dem Umzug ins Rathaus im Stühlinger gerade freigemacht hat. Einen Nachteil gibt es: "Die Arbeitszeiten werden sich erhöhen", sagt Oberstaatsanwalt Michael Mächtel. Denn das Amtsgericht liegt nun nicht mehr in direkter Nachbarschaft, sondern einen längeren Anfahrtsweg entfernt. Pausen in Verhandlungen etwa oder andere Hohlzeiten lassen sich nicht mehr so einfach überbrücken wie bislang. Die Mitarbeiter hoffen, dass sie nach Ende der Bauarbeiten wieder in die Innenstadt zurückkehren werden.

Die Staatsanwaltschaft Freiburg ist zuständig für ein Gebiet, dass bis zur südlichen Ortenau reicht und die Landkreise Emmendingen, Breisgau-Hochschwarzwald und die Stadt Freiburg abdeckt. Die 43 Staatsanwältinnen und Staatsanwälte haben im Jahr rund 40 000 Verfahren gegen bekannte Tatverdächtige und rund 30 000 Verfahren gegen Unbekannt geführt. In 6883 Fällen wurde Strafen vollstreckt, davon waren 6185 Geldstrafen. Bei den 512 Freiheitsstrafen gab es 161 Strafen ohne Bewährung.