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13. Januar 2015 09:16 Uhr

Wolfswinkel

Stadion-Debatte: Neue Gutachten zur Flugsicherheit widersprechen Stadt

Die Bürgerinitiative Pro Flugplatz und die Flugschule Harter legen neue Gutachten vor. Sie sollen belegen, dass ein SC-Stadion am Flugplatz den Motorflugbetrieb direkt gefährden würde.

  1. Den Flugplatz im Blick haben die Stadiongegner. Foto: Patrick Seeger

Die Bürgerinitiative Pro Flugplatz und Flugschule-Betreiber Udo Harter haben am Montag zwei neue Gutachten vorgelegt, die belegen sollen, dass beim Bau eines Stadions am Flugplatz auch der Motorflugbetrieb direkt gefährdet wäre. Die BI und Harter halten ein Stadion am Wolfswinkel für nicht genehmigungsfähig und zudem für rechtswidrig, weil ein Recht auf Flugsicherheit bestehe. Zudem kündigte Harter an, dass er, falls der Standort durch den Bürgerentscheid bestätigt wird, auf jeden Fall gegen das Stadion klagt.


Interaktive Grafik: Geplantes SC-Stadion im Wolfswinkel [Klicken Sie auf die Icons und erfahren Sie mehr.]

Die Kritik der Flugplatz-Bürgerinitiative richtet sich gegen die städtischen Gutachten. Die flugmeteorologische Untersuchung durch den Deutschen Wetterdienst (DWD) sei nicht vertiefend genug erfolgt. Auf diesen – aus Sicht der Stadionstandortgegner – unvollständigen Ergebnissen fuße die Expertise für die Flugsicherheit. Der von der Stadt beauftragte Sachverständige habe zudem kein Gutachten vorgelegt, sondern lediglich eine gutachterliche Stellungnahme. "Das ist unzureichend", sagt BI-Vorsitzender Herbert Kallinich.

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Die BI und Harters am Flugplatz beheimatete FFH Flugschule haben nun eigene Gutachter beauftragt, die zu einer anderen Einschätzung kommen als die Stadtverwaltung. Ingenieur Heiko Tebben aus Rottenburg hat untersucht, wie sich die Luftströmung an der Landebahn durch einen Stadionkörper verändern würde. Dieser läge als Haupthindernis genau in Hauptwindrichtung vor der Piste. Tebben sagt, seine Messungen hätten ergeben, dass die Auswirkungen des Wolfsbucks bei weitem nicht so stark wie die eines Stadions wären. Er betrachtete auch die drei Arten von Windverwirbelungen, die entstehen, wenn der Wind links und rechts und über das Stadion weht.

Diese Strömungsberechnung wiederum nutzte der zweite Gutachter Harald Hanke, Diplom-Luftfahrtsachverständiger, Professor an der Uni Karlsruhe und ehemaliger Lufthansa-Pilot, um die Auswirkungen auf die Flugsicherheit zu beurteilen. Nach Hankes Einschätzung würde der Stadionkörper für Windverwirbelungen sorgen, welche die Piloten ausgerechnet in einer diffizilen Phase des Landeanflugs zwölf Meter über dem Boden erreichen würden. "Die Piloten können aus der Landebahn herausgetragen werden, wenn sich plötzlich Richtung und Stärke des Windes ändern", so Hanke über das sogenannte Windshear-Phänomen. Und Hanke behauptete auch, dass Motorflug an deutlich mehr als den vom städtischen Gutachter summierten neun Tagen im Jahr nicht möglich sein würde. Sein Fazit: "Das Risiko würde steigen."

Strömungsverhalten hängt von der Form des Stadions ab

Dass ein Motorflugbetrieb nicht mehr genehmigungsfähig sein würde, darauf wollte sich der Gutachter der BI nicht festlegen. Und Diplom-Ingenieur Tebben räumte ein, dass das Strömungsverhalten stark von der Form des Stadionkörpers abhänge. Die kann aber niemand kennen, weil es überhaupt noch keine Pläne gibt. Tebben glaubt aber, dass ein strömungsoptimiertes Stadion nicht bezahlbar sei. Udo Harter von der FFH-Flugschule verweist auf seine geltenden Pachtverträge, die ihm einen Flugbetrieb ohne Einschränkungen zusagen würden. Für Harter steht fest: Kommt der Stadionbau, wird er vor Gericht ziehen. Er müsse dies, so erklärte er am Montag, schon aus versicherungsrechtlichen Gründen tun. Harter kündigte auch an, der Bauverwaltung der Stadt die rund 30 000 Euro Kosten für die jetzt erstellten Expertisen in Rechnung zu stellen.

Im Rathaus kennt man die neuen Gutachten noch nicht. Sie werden erst am Dienstag im Internet auf der Homepage der BI und der FFH Flugschule veröffentlicht. "Bei dem, was wir bisher gehört haben, sind keine neuen Argumente dabei", erklärte am Abend Baubürgermeister Martin Haag. Aber natürlich werde man sich die Expertisen genau anschauen.

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Autor: Joachim Röderer