Bildung

Stadt Freiburg kämpft um Weiterführung des Modellversuchs "Schule ohne Noten"

Anita Rüffer

Von Anita Rüffer

Mi, 29. November 2017

Freiburg

Bei ihrem – vergeblich gebliebenen – „Verwaltungshandeln“ will es die Bürgermeisterin nicht belassen. „Nun wollen wir ein politisches Signal senden“, sagte Bürgermeisterin Gerda Stuchlik (Grüne) am Montag im Schulausschuss. Das Signal geht an das Kultusministerium, das aufgefordert wird, sein Nein zur Fortführung des Modellversuchs „Schule ohne Noten“ an der Paul-Hindemith-Grundschule noch einmal zu überdenken.

Er soll vielmehr um vier Jahre verlängert und wissenschaftlich bewertet werden. Auch am Modellschulstandort Mannheim, weiß Schulamtsleiter Hermann Maier, geht die Stadtgesellschaft auf die Barrikaden.

Auf einvernehmliches Unverständnis stößt bei den Freiburger Ausschussmitgliedern das Vorgehen des Ministeriums: Seiner Entscheidung liegen keinerlei belastbare wissenschaftliche Erkenntnisse zugrunde. Weil, wie Stadträtin Monika Stein von der Grünen Alternative mutmaßt, "die Ergebnisse zu gut ausgefallen wären?" Eine Bewertung jedenfalls hat – angeblich aus finanziellen Gründen – nie stattgefunden. Obwohl die Schulleitungen der zehn teilnehmenden Modellschulen das in den zurückliegenden vier Jahren immer wieder gefordert hatten. Zweimal jährlich hätten sich alle zu Gesprächen im Kultusministerium getroffen, erzählt Sandra Kieber, Schulleiterin an der betroffenen Paul-Hindemith-Grundschule. Zum Schluss hätten alle einen 30-seitigen Abschlussbericht abgeliefert.

Alle seien – basierend auf eigenen Erhebungen und Befragungen – positiv ausgefallen. Auch das Freiburger Regierungspräsidium hatte sich auf Anfrage des Kultusministeriums zustimmend geäußert. Danach kam das Aus.

Die Schulbürgermeisterin vermisst eine Wertschätzung für die differenzierte und vertrauensbildende Lern- und Rückmeldekultur, die das Kollegium der Paul-Hindemith-Grundschule unter wechselnden Kultusministern seit 2004 schrittweise mit großem zeitlichem Einsatz aufgebaut hat. Besonders beeindruckt zeigt sich Schulamtsleiter Maier davon, dass "Schüler, die an anderen Schulen zu scheitern drohten, es an dieser Schule schafften".

Grünen-Stadträtin Nadyne Saint-Cast ist überzeugt, dass die Schule ein "prima Konzept" hat, um mit der "zunehmenden Heterogenität" umzugehen. "Wir dürfen die Eltern nicht in die Privatschulen treiben", appelliert Monika Stein. "Auch die staatlichen Schulen müssen anbieten, was nachgefragt wird."

Für Philipp Riedel, der dem Ausschuss als Sachverständiger angehört, ist das an der Paul-Hindemith-Schule entwickelte Handwerkszeug ein notwendiger Baustein für eine "inklusive Gesellschaft. Noten von eins bis sechs hingegen führen davon weg".

Mitte Dezember beschäftigt sich der Gemeinderat mit dem Thema.