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04. November 2010 21:38 Uhr

Nahostgeschichte

Stadt sagt Palästina-Ausstellung erst zu – und dann ab

Ursprünglich hat die Stadt ihre Zustimmung gegeben. Nun darf die Ausstellung "Die Nakba – Flucht und Vertreibung der Palästinenser 1948" doch nicht in der Stadtbibliothek gezeigt werden – zu tendenziös.

Die Wanderausstellung sollte im Rahmen der geplanten Palästina-Tage vom 12. bis 14. November gezeigt werden, die vom Freiburger "Café Palestine" organisiert werden, einem politischen Forum zum Nahen Osten. Die Stadtverwaltung begründete ihren Rückzieher damit, dass die Ausstellung "verzerrend und polarisierend" sei.

Gabi Weber von "Café Palestine" hatte bereits im September in der Stadtbibliothek angefragt: Kein Problem, hieß es damals. Die Ausstellung des Pfullinger Vereins "Flüchtlingskinder im Libanon" behandelt auf 14 Folien die Nahostgeschichte seit den jüdischen Einwanderungen bis zur Situation palästinensischer Flüchtlinge. Seit 2008 wurde sie in mehreren Dutzend Städten gezeigt, meist in evangelischen Kirchengemeinden. Allerdings hatte sie in einigen ebenfalls Streit provoziert: In Hannover, Frankfurt oder Tübingen gab es Proteste gegen die "tendenziöse Propaganda-Ausstellung"; der DGB machte einen Rückzieher, als sie im Haus des Deutschen Gewerkschaftsbundes gezeigt werden sollte. Die Kritik war im Großen und Ganzen dieselbe wie nun die der Freiburger Stadtverwaltung: Die Darstellung, wer schuld sei an der Vertreibung der Palästinenser, sei unfair und unausgewogen, weil allein Israel die Schuld gegeben werde. Nicht erwähnt würden zum Beispiel auch antisemitisch motivierte arabische Pogrome, unerwähnt bleibe, dass der Großmufti von Jerusalem mit Hitlerdeutschland verbündet gewesen sei.

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Salomon entschuldigt sich für Hin und her

Gabi Weber, die die Palästina-Tage unter anderem mit den Aktivistinnen Hedy Epstein und Evelyn Hecht-Galinski plante, will das nicht gelten lassen: "Es geht in der Ausstellung um berechtigte Kritik. Sie zeigt einen Teil der Geschichte, der bei uns ausgespart wird." Weber ist darüber erbost, dass seit September auch auf mehrmaliges Nachfragen hin alles in Ordnung schien, die Stadtverwaltung dann aber rund zwei Wochen vor der Eröffnung doch absagte – nachdem alle Einladungen gedruckt waren. In einer Rundmail an ihren Unterstützerkreis und an alle Stadträte Freiburgs schrieb sie am Donnerstag von "Zensur". Auf telefonische Nachfragen seien Epstein und Hecht-Galinski beleidigt worden; eine Behauptung, die Mitarbeiter der Stadtverwaltung von sich weisen.

Oberbürgermeister Dieter Salomon hält die Absage für richtig: "Eine sehr einseitige Darstellung, die die andere Seite völlig außer acht lässt." Dass man die Ausstellung erst genehmigt und dann kurzfristig abgesagt hätte, sei bedauerlich: "Dafür entschuldige ich mich." Trotzdem: "Einseitige Schuldzuweisungen und Freund-Feind-Schemata fördern nicht die Einsicht in die komplizierten Zusammenhänge im Nahen Osten." Werde die Ausstellung in privaten Räumen gezeigt, könne das jeder halten, wie er wolle, die Stadt habe jedoch besondere Verantwortung. Gestern wurde das Rathaus wegen der Absage bereits mit Protestmails überschwemmt. Während die CDU-Fraktion mitteilte, sie begrüße die Absage wegen der "antiisraelischen Stimmungsmache", forderten die Unabhängigen Listen Salomon auf, das Verbot zurückzunehmen, das Thema müsse enttabuisiert werden. Gabi Weber kündigte an, die Ausstellung "auf jeden Fall" zu zeigen.

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Autor: Simone Lutz