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20. November 2012 13:07 Uhr

Polizeibilanz

Starke Zunahme bei Straftaten rund um SC-Heimspiele

Die registrierten Straftaten rund um Heimspiele des SC Freiburg sind in der Saison 2011/12 um 120 Prozent auf 268 Fälle gestiegen. Besonders stark zugenommen haben Verstöße gegen das Sprengstoffgesetz.

  1. Rund um Heimspiel des SC Freiburg haben Vergehen gegen das Sprengstoffgesetz stark zugenommen – wie hier im Spiel gegen Borussia Dortmund im Dezember 2011. Foto: dpa

Freiburg liegt damit sogar deutlich über dem bundesweiten Trend. Die Zentrale Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS) hatte am Montag von 8140 Straftaten rund um Bundesligaspiele in der vergangenen Saison berichtet. Das sind im Schnitt 70 Prozent mehr als in den vergangenen zwölf Jahren, meldete die ZIS.

Nach Recherchen der Badischen Zeitung hat sich die Situation in Freiburg deutlich verschlechtert, wie aus der Statistik der Freiburger Polizei hervorgeht. In der Saison 2011/12 gab es in 37 Heimspielen bei SC-Spielen in der Bundesliga, in der Regionalliga (SC Freiburg II) und in der Vorbereitung 268 Straftaten und damit mehr als doppelt so viele wie in der vorherigen Spielzeit (119). Die Zunahme im Vergleich zu Spielrunde 2009/10 (64 Straftaten bei 35 Heimspielen) beträgt sogar 320 Prozent.


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29 Verletzte wurden in der Spielzeit 2011/12 gezählt, gegenüber 21 im Jahr davor. Betroffen waren 16 Polizeibeamte (6 im Vorjahr), 9 Unbeteiligte (davor 6) und 4 sogenannte Störer (9). Die Zahl der Körperverletzungsdelikte rund um SC-Spiele ist zuletzt von 58 auf 43 zurückgegangen. Aber: In der Spielzeit 2009/10 waren nur 15 Körperverletzungen registriert worden.



Signifikant ist auch die Zunahme der Fälle bei Verstößen gegen das Sprengstoffgesetz – hier geht es um den versuchten oder tatsächlichen Einsatz von Pyrotechnik im Stadion. In der Saison 2009/10 zählte die Polizei nur 13 Fälle, 2010/11 waren es schon 24 und zuletzt in der Saison 2011/12 dann sogar 80 Fälle. Natürlich sind in der Freiburger Statistik auch die Vergehen von Fans der Gastverein erfasst. Nur in einem Fall hatten Freiburger Fans in der letzten Saison bei einem Heimspiel Pyrotechnik abgebrannt. Dabei wurde eine unbeteiligte Stadionbesucherin verletzt.

"Es gibt nichts schönzureden, die Zahlen sollten uns zu denken geben", sagte am Dienstag SC-Pressesprecher Rudi Raschke.Er verweist aber auch darauf, dass der SC bei den verhängten Strafzahlungen durch den DFB wegen Pyrotechnikeinsatz von Fans in der vergangenen Saison am Ende der Tabelle gelegen habe.

Dennoch will der Verein reagieren. Noch in diesem Jahr soll ein Fanprojekt vorgestellt werden. Dabei werden sich Sozialarbeiter um die Betreuung von Fans kümmern. Solche Fanprojekte gibt es in vielen anderen Städten, etwa auch in Karlsruhe. Finanziert werden soll das Projekt von Deutschen Fußballliga, Stadt Freiburg und Land Baden-Württemberg. Das Fanprojekt, so SC-Sprecher Raschke, soll eng an den Sportclub gebunden werden.

Die Juristin Angela Furmaniak, Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Fananwälte, sieht in der stark gestiegenen Zahl der Pyrotechnik-Verstöße auch eine Trotzreaktion der Ultraszene auf die ungeschickten Verhandlungen von Deutschem Fußballbund und Deutscher Fußballliga: "Dümmer kann man es nicht anstellen", so Furmaniak. DFB und DFL räumen mittlerweile Fehler ein. Die Situation sei verfahren, so Furmaniak.

Die Anwältin relativiert auch die Gesamtzahl der Straftaten in der ZIS-Statistik für alle Bundesligastandorte. Es gehe um die Zahl der eingeleiteten Ermittlungsverfahren. Viele davon würden aber am Ende wieder eingestellt. Und: Die hohe Fallzahl liege auch an der starken Polizeipräsenz in den Fußballarenen: "Es gibt keinen besser überwachten Ort als deutsche Stadien", sagt sie. Die Bereitschaft der Polizei sei hoch, bei jedem Vorfall "eine dicke Akte anzulegen".

Dass es immer wieder Verletzte gebe, sei bedauerlich: "Aber es gibt in einer Saison in der Ersten, Zweiten und Dritten Bundesliga zusammen weniger Verletzte als an einem Wochenende des Münchner Oktoberfestes." Auch in Freiburg liege bei der Zahl der Verletzten im Schnitt aller Ligavereine– das sind rein statistisch rund 1,5 Betroffenen pro Spiel. Bei einem Besucherschnitt von mehr als 22 000 Fans pro Partie relativiere sich auch diese Zahl, so Angela Furmaniak.

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Autor: Joachim Röderer, aktualisiert um 15.45 Uhr