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05. November 2012

"Stein gewordenes Zeichen für die Zukunft der Juden"

Vor 25 Jahren wurde die Neue Synagoge eingeweiht.

  1. Der Chor der Basler Synagoge begleitete den Festakt. Foto: Rita Eggstein

Eine neue Heimat sei sie gewesen, so die Vorstandsvorsitzende der Jüdischen Gemeinde Freiburg, Irina Katz, als die Neue Synagoge an der Engelstraße auf den Tag genau vor 25 Jahren, am 5. November 1987, eingeweiht wurde. Gestern gedachte die Jüdische Gemeinde mit vielen Gästen dieses Geburtstags, aber auch der wechselvollen Geschichte jüdischen Lebens in Freiburg.

Für die Theologin Barbara Henze, die den Festvortrag hielt, war es nicht nur mutig, die Synagoge in der Freiburger Innenstadt zu errichten, sondern auch, sich damit der nicht gerade ungetrübten Geschichte des jüdischen Lebens in der Stadt zu stellen. Freiburg sei im Laufe seiner Geschichte allzu oft dem Trend gefolgt und habe sich Judenverfolgungen nicht in den Weg gestellt. Das war 1349 so, als den Juden die Schuld an der Pest angedichtet wurde und auch 1938, als in der Nacht zum 10. November die Alte Synagoge am Werthmannplatz niedergebrannt wurde. Henze hofft, dass die Stadt künftig eher dem Regensburger Beispiel aus dem Mittelalter folgt und den Juden innerhalb ihrer Mauern Schutz anbietet.

Die Freiburger Jüdische Gemeinde erwachte erst im 19. Jahrhundert wieder zum Leben. Die Zahl der Gemeindemitglieder war auf 330 angestiegen, die Freiburger Juden waren als Bürgerinnen und Bürger akzeptiert und respektiert, wie Oberbürgermeister Dieter Salomon in seinen Grußworten bemerkte. Der Bau der Alten Synagoge war ein logischer Schluss, der die Jüdische Gemeinde bis zum furchtbaren Ende in der Nazizeit zum Erblühen brachte. Mit Blick auf den Neubau dankte Salomon denjenigen in der Stadtpolitik, die den Bau mitten in der Stadt durchgesetzt hatten. Namentlich nannte Salomon seinen Vorgänger Rolf Böhme und Sissi Walther. Die Synagoge sei heute ein Haus, in dem sich Kulturen begegnen und mithin ein Beispiel für gutes Zusammenleben in der Stadt.

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Domkapitular Peter Birkhofer stellte die Aussöhnung der Katholischen Kirche mit dem Judentum ins Zentrum seiner Betrachtungen. Johannes Paul II. habe die Juden "unsere bevorzugten Brüder" genannt und damit einen weiteren Schritt nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil getan. Die enge Nachbarschaft von Münster und Synagoge sei mehr als nur räumliche Nähe. "Ein Stein gewordenes Zeichen für die Zukunft des Judentums in der Stadt" war die Synagoge auch für Marc Witzenbacher, der die Grüße des Evangelischen Stadtdekanats überbrachte.

Dass auch ein Festakt Momente zum Schmunzeln bieten kann, bewies der Gemeinderabbiner Avraham Yitzchak Radbil, der in seine Dankesworte das Zitat "es gibt nichts Neues unter der Sonne" eingebaut hatte. Das Zitat stammt von Salomon, dem König, nicht vom Oberbürgermeister.

Autor: ftu