Fasnetrufer versus BNZ

Streit unter Freiburger Narren eskaliert nach Ärger um OB-Ehrung

Joachim Röderer

Von Joachim Röderer

Fr, 11. Januar 2019 um 13:03 Uhr

Freiburg

Zwist zwischen den Fasnetrufer und dem Dachverband Breisgauer Narrenzunft. Der Vorwurf: Die BNZ habe zu hintertreiben versucht, dass OB Horn die Katzenschwanzmütze der Fasnetrufer annimmt.

Jeder weiß es: Die Fasnet ist eine ernste Sache. Gar nicht lustig geht es derzeit in Freiburg zu. Denn bei den Narren hängt der Haussegen schief – und zwar so richtig. Es gibt Streit zwischen der Erznarrenzunft der Fasnetrufer und der Breisgauer Narrenzunft (BNZ), dem Dachverband aller 34 Freiburger Zünfte.

Der Zwist zwischen der BNZ-Spitze und den bekanntermaßen selbstbewussten Fasnetrufern als Erznarren Nummer eins schwelt schon lange. Er ist nun aber zur neuen Fasnetsaison völlig eskaliert. Das Fass zum Überlaufen gebracht hat nach Darstellung der Fasnetrufer die geplante Überreichung der berühmten Katzenschwanz-Ehrenmütze an Neu-OB Martin Horn durch den Vorjahres-Geehrten Stephan Burger, den Erzbischof von Freiburg. Horn hatte früh nach Amtsantritt die Annahme der Mütze zunächst zugesagt, dann seien aber zwischenzeitlich andere Signale aus dem Rathaus gekommen.

Die Fasnetrufer behaupten: Die BNZ solle den OB an jenem Abend zu einem Alternativprogramm mit einer großen Tour durch Veranstaltungen in verschiedenen Narrennestern überredet haben. Denn Martin Horn ist seit dem 11.11. auch amtierender Narrenpreisträger der BNZ.

Zwar steht längst wieder die Zusage von Horn bei den Fasnetrufern für deren Zunftabend am 2. Februar, aber der Ärger ist geblieben. Die Fasnetrufer werfen der BNZ vor, dass es nie zu einer Aussprache wegen dieser angeblichen Abwerbeversuche gekommen sei. "Es ist hanebüchen, dass daraus nun so eine Riesengeschichte wird", sagt Fasnetrufer-Zunftvogt Alexander Schöpe. Die Mitglieder der Fasnetrufer stünden einmütig hinter der Entscheidung ihrer Zunftleitung, an Kappensitzung und auch bei der Fasneteröffnung auf dem Rathausbalkon am Schmutzigen Dunschdig nicht teilzunehmen. Auch bei der närrischen OB-Entmachtung war die Erznarrenzunft seit Jahrzehnten in führender Funktion mit dabei.

Die Fasnetrufer wollen wichtige Veranstaltungen boykottieren

Die Folge der Auseinandersetzung: Die Fasnetrufer werden mit ihren Akteuren weder am BNZ-Altennachmittag noch an der Kappensitzung teilnehmen. Das ist pikant. Denn die Fasnetrufer im Flecklehäs haben als tragende Säule der Veranstaltungen immer gut die Hälfte aller Programmpunkte auf der Bühne bestritten und waren auch für die Regie des Abends verantwortlich.

Zunftvogt Schöpe wirft der BNZ-Geschäftsführung mangelnde Wertschätzung der Fasnetrufer vor, zudem Respektlosigkeit und mangelnde Gesprächsbereitschaft. Die BNZ hat wegen des Streits für kommende Woche einen großen Zunftrat einberufen. In dem rund 90-köpfigen Gremium sitzen alle BNZ-Zunfträte, die Ehrenmitglieder und die Zunftvögte samt Stellvertreter der 34 Zünfte. Laut Auskunft von Alexander Schöpe wird der ebenfalls eingeladene Narrenrat der Fasnetrufer an dem Krisengipfel nicht teilnehmen. "Man hätte das Thema schon lange vorher in kleinerer Runde bilateral klären können, aber das war nicht gewünscht", so Schöpe.

"Es ist hanebüchen, dass daraus nun so eine Riesengeschichte wird." Alexander Schöpe


BNZ wehrt sich gegen die Vorwürfe

Die Breisgauer Narrenzunft bedauert, dass die Fasnetrufer nicht zur Aussprache in den großen Zunftrat kommen wollen. Man habe eigens einen kompetenten externen Moderator engagiert.

Stasch dementiert, dass es keine Gesprächsangebote seitens der BNZ gegeben hatte. Und er fügt hinzu: Bevor die Narrenpreis-Ehrung an OB Martin Horn ausgesprochen wurde, habe man nichts von der Anfrage der Fasnetrufer beim neuen Rathauschef gewusst. Die BNZ wünschte sich dann aber schon, dass der neue Oberbürgermeister und Narrenpreisträger bei der Fasneteröffnung an jenem 2. Februar mit der BNZ als übergeordnetem Verband die Runde durch die Narrennester dreht. Schließlich sei er der Schirmherr aller Freiburger Narrenzünfte getreu seinem Gemeinsam-Motto. An den diversen Veranstaltungen nehmen an jenem Abend laut BNZ rund 2000 Narren teil. Die Freiburger Fasnet, so Zunftmeister Stasch, seien aber eben die Fasnetrufer und die BNZ. "Wir freuen uns nun aber auch, dass er die Katzenschwanz-Ehrung bekommt, die eine besondere Auszeichnung der Freiburger Fasnet darstellt", so Stasch.

Für die große BNZ-Kappensitzung am 16. Februar im Ballhaus Freiburg sieht Stasch keine Probleme – trotz der Fasnetrufer-Absage: "Die Kappensitzung ist eine unserer Premiumveranstaltungen und wir werden ein ebenbürtiges Program haben", so Stasch. Er hat aber eine Hoffnung: Man wolle so schnell als möglich mit den Fasnetrufern an einen Tisch kommen.

OB Horn: Fasnet ist ein verbindendes Fest

Und was sagt Oberbürgermeister Martin Horn zu dem Streit, in den er unfreiwillig und unabsichtlich mit hineingeraten ist? "Fasnet soll ein verbindendes Fest sein, bei dem alle zusammen feiern und den Ernst des Lebens weg lächeln", sagt er. Er habe sich über beide Ehrungen sehr gefreut. Er finde es schade, wenn es deswegen nun zu Konflikten komme.

In der Freiburger Fasnetszene wurde nach dem Pressegespräch viel telefoniert und Kurznachrichten verschickt. Wenn es um mögliche Schlichtungsversuche geht, fiel immer wieder auch der des Ersten Bürgermeisters Ulrich von Kirchbach, der die Fasnet und ihre Macher gut kennt. "Wenn es gewünscht wird, wäre ich gerne bereit, im Interesse der Sache, die Beteiligten zu einem Gespräch einzuladen", so von Kirchbach. Es dürfe nicht sein, dass es nun zu dauerhaften Verwerfungen komme.