Super-Putzlappen und smarte Fahrradpedale

Holger Schindler

Von Holger Schindler

Do, 07. Dezember 2017

Freiburg

Bei der diesjährigen Runde des Gründerwettbewerbs "Startinsland" wurden die Sieger gekürt – die Geschäftsideen sind vielfältig.

Eine Methode zur Vermeidung von Spritzen, Software, die Menschen und Gegenstände in Videos erkennt, Fahrradbauteile, die ins Internet funken, Haushaltszubehör, das von der Natur lernt – bei der aktuellen Runde des Freiburger Gründerwettbewerbs "Startinsland" gab’s erstaunliche Siegerkonzepte. Nach 2014 und 2015 wurden zum dritten Mal Gewinner gekürt. Veranstalter sind die Uni Freiburg, das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme, die Hochschule Offenburg und die Industrie- und Handelskammer.

Ausgezeichnet wurden einerseits Innovationen aus Wissenschaft und Hochschulen und andererseits aus Firmen und Gesellschaft. Zudem gab’s zwei Sonderpreise – den Preis "Green Economy" für nachhaltige Geschäftsideen und den Preis "Digitale Zukunft" – sowie einen Publikumspreis. Die ersten Plätze der Hauptkategorien sind mit je 5000 Euro dotiert, die zweiten mit 2500 Euro. Bei den Sonderpreisen gibt es jeweils 2000 Euro für den ersten und 1000 Euro für den zweiten Platz. Der Publikumspreis bringt 1000 Euro Preisgeld ein.

Das Vorhaben "Heideltec" – dahinter verbirgt sich ein sechsköpfiges Gründerteam und eine in Heidelberg ansässige GmbH – lag bei den Innovationen aus Wissenschaft und Hochschulen vorn. Die Firma hat eine Methode entwickelt, mit deren Hilfe peptid- und proteinbasierte Arzneistoffe geschluckt werden können. Bisher muss man solche Stoffe spritzen, eine Belastung für Patienten. Die betreffenden Arzneien werden zur Behandlung von Diabetes, Krebs und diversen Autoimmunerkrankungen benötigt.

Der zweite Preis in dieser Kategorie geht an "Aucteq". Die vier Gründer aus Mannheim haben einen Bioreaktor zur Züchtung von Zellkulturen konzipiert, der sich mit dem Wachstum der Zellen erweitern kann.

Bei den Innovationen aus Firmen und Gesellschaft liegt das Projekt "Deep-VA" ganz vorn. Die drei Gründer aus Freiburg haben eine Software entwickelt, die automatisch Menschen, Marken, Texte, Farben und viele andere Objekte in Videos erkennt – und dazulernt.

Software soll Filme automatisch verschlagworten

So lassen sich Videoarchive automatisch verschlagworten und anschließend gezielt durchsuchen. Mit dem zweiten Preis in dieser Kategorie wird "Naturetex" ausgezeichnet. Die Gründer wollen mit einer Art Super-Putzlappen, einem auf Basis von Beobachtungen in der Natur entwickeltem Reinigungstuch, die Arbeit im Haushalt erleichtern. Das Tuch soll die natürliche Selbstreinigungskraft von Pflanzen nutzbar machen.

Beim Sonderpreis "Green Economy" landet "Thriving Green" auf dem ersten Platz – mit dem Vorhaben, die Mikroalge Spirulina in Regionen, in denen Menschen Hunger leiden, als gesundes Nahrungsmittel nachhaltig zu produzieren. In Kenia läuft seit April eine Pilotanlage. Platz zwei belegt "My Heart Beat" mit einer App, die Patienten mit Herzerkrankungen unterstützt, indem sie Körperwerte aufzeichnet und bei kritischen Veränderungen eine Warnung gibt.

Beim Sonderpreis "Digitale Zukunft" landet ebenfalls "Deep-VA" vorn. Auf Platz zwei folgt "Immergency" – mit der Idee, per virtueller Realität die Notfallmanagement-Ausbildung zu erleichtern.

Den Publikumspreis erhält "Smart Faraday" für ein intelligentes, energieautarkes Fahrradpedal, das Daten wie Tretkraft, Geschwindigkeit, Höhenmeter und Position erfasst und ins Internet stellt, sodass Nutzer sie im Web oder per Smartphone in Echtzeit auslesen können.