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10. März 2014

"Tanzen ist irgendwie hemmungslos"

Beim Projekt Braindance tauschen sich Parkinsonkranke, Tänzer und Wissenschaftler aus / Morgen gibt’s wieder Üben für jedermann.

  1. Brain Dance Uni Freiburg Theater Universität Parkinson Brain-Links Brain-Tools Foto: Alicja Schindler

Menschen mit Parkinson leiden an Bewegungsstörungen – Tänzer dagegen gelten als Bewegungsexperten. Die beiden Gruppen bringt "Braindance" zusammen, ein Projekt von Stadttheater und dem Exzellenzcluster "Brainlinks – Braintools" der Universität.

Gespannt drehen zwei Männer mit Hemd und zwei Frauen in Trainingshosen die Köpfe. Sie heben die Augenbrauen, lächeln aufmunternd von der Bühne ins Publikum und warten. Nichts weiter. Die Frau in der ersten Reihe bleibt regungslos sitzen. Die Kammerbühne ist voll mit Menschen aller Altersstufen, die mehr über das Zusammenspiel von Tanz, Wissenschaft und Parkinson erfahren möchten. Der wissenschaftliche und der künstlerische Ansatz treffen zusammen.

Das Projekt gliedert sich in vier Teile. Zum einen geben die Tänzerinnen Monica Gillette und Mia Haugland Habib zweimal pro Woche Tanzstunden für Menschen mit der neurologischen Krankheit. Zum anderen gibt es "Studiotagebücher", Treffen zwischen Kunst und Wissenschaft und die "Open Practices" – Übungen, zu denen jeder eingeladen ist.

Die Tänzerinnen zeigen eine Übung, die sie aus einem parkinsonschen Syndrom entwickelt haben. Mia Haugland Habib stellt den Wecker. Sie setzt sich auf den Boden und senkt den Blick. Monica Gillette steht aufrecht daneben. Im Publikum recken sich einzelne Köpfe. Nichts passiert. Langsam, sehr langsam schiebt sich der Oberkörper der stehenden Tänzerin nach unten. Die Sitzende lässt ihren Körper seitlich zu Boden wandern. Die beiden scheinen ein Ziel zu fokussieren. Langsam winden sie sich in ihrer Bewegung. Als nach acht Minuten der Wecker klingelt, atmet das Publikum auf. Langsamkeit der Bewegung ist ein Symptom von Parkinson.

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Wissenschaftler kommen ins Theater, um mit Tänzerinnen zu sprechen: Was passiert, wenn ein unkontrollierbares Symptom auf den eigentlich kontrollierbaren Körper eines Tänzers trifft? Aus der körperlichen Arbeit lassen sich Eindrücke von Bewegung gewinnen, die beim theoretischen Nachdenken allein nicht entstehen.

Drei Wochen lang geben die Tänzerinnen nun Stunden für Menschen, die an Parkinson leiden. Ein Teilnehmer meint in einem Video etwas verlegen: "Tanzen ist irgendwie hemmungslos." Zwei andere Teilnehmerinnen sitzen im Publikum. Eine von ihnen sagt nach der Übung: "Das hat mich sehr beeindruckt." Nichts weiter.

Braindance: Open Practices am Dienstag, 11. März, und am 3. April im Stadttheater, Kammerbühne, 20 Uhr. Eintritt frei. Im Mai findet eine Premiere mit den Projektergebnissen statt. Die Teilnahme an der Reihe der Tänzerinnen ist kostenlos. Anmeldung per E-Mail braindance@theater.freiburg.de.

Autor: Alicja Schindler