Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

08. September 2010 15:06 Uhr

Freiburg

Tempo-30-Gebot: Nur etwa jedes siebte Auto wird geblitzt

Für viele Autofahrer ist Tempo 30 nachts auf Freiburgs Hauptverkehrsadern ein Ärgernis. Dem widerspricht die Stadtverwaltung. Ihr zufolge wird das Tempolimit angenommen. Nur jeder siebte Autofahrer fahre zu schnell.

  1. Blitzlichtgewitter am Abend: 17,1 Prozent aller Autofahrer auf der Kronenstraße fahren zu schnell in Richtung Stadt. Foto: Thomas Kunz

  2. Vor einigen Wochen wurde die Beschilderung an der Kronenstraße nachgebessert. Foto: Michael Bamberger

Seit Anfang Mai gilt zwischen 22 Uhr und 6 Uhr Tempo 30 auf allen Fahrspuren der B31 entlang der Dreisam zwischen Kronenbrücke und Einfahrt Schützenalleetunnel und auf der Kronenstraße bis zur Basler Straße. Einige Wochen später rutschte auch die Eschholzstraße im Stühlinger ins 30er-Paket. Der Gemeinderat hat diese Tempolimits im Rahmen des Lärmaktionsplanes und damit aus Gründen des Lärmschutzes beschlossen. Viele Autofahrer fassten sich an den Kopf wegen diesen Ideen made in Freiburg.

Seit Anfang Juli wird kontrolliert

Seit Anfang Juli laufen die Kontrollen und seither hat das Amt für öffentliche Ordnung bei 80 Messeinsätzen 212 Stunden lang den Verkehr überwacht. 12. 457 Autofahrer sind bei Radarkontrollen geblitzt worden – in etwa jedes siebte Fahrzeug war zu schnell. "Das bedeutet, dass die Geschwindigkeitsbeschränkung akzeptiert wird", resümiert der Erste Bürgermeisters Otto Neideck. Er sieht auch das angestrebte Ziel erreicht, dass die Anwohner an den Straßen weniger Lärm ertragen müssen.

14,9 Prozent aller Auto- und Lasterfahrer waren zu schnell unterwegs. Bei Fahrten stadteinwärts gab es mehr Verstöße als stadtauswärts. Die höchste Temposünderquote registrierten die Kontrolleure auf der Schwarzwaldstraße stadteinwärts, wo 17,8 Prozent aller Fahrer zu viel Gas gaben. 17,1 Prozent waren es auf der Kronenstraße. Die Eschholzstraße liegt mit 15 Prozent Beanstandungen im Schnitt.

Werbung


An der Dreisamstraße fuhren 17 Prozent der Autofahrer zu schnell, auf der anderen B31-Seite an der Schillerstraße sieben Prozent. Nach anfänglicher Umstellungsphase habe man nun gute Werte erreicht, das Tempolimit werde eingehalten, urteilt Bürgermeister Neideck.

Interaktive Karte: Freiburg bremst Autofahrer aus

Vor allem auf der Kronenstraße gab es anfangs den stationären Radargeräten ein nächtliches Blitzlichtgewitter. 30 Prozent der Fahrer rauschten in die Tempofalle – mittlerweile hätten sich die Werte aber verbessert, so Walter Rubsamen, Leiter des Amtes für öffentliche Ordnung. Allerdings: Die Zahl der Temposünder pro Woche an der Kronenstraße entspricht auch heute noch den früheren Monatswerten.

Rekord: Mit 97 Sachen durch die 30er-Zone

Übrigens: Der bisherige Rekordhalter wurde mit 97 Stundenkilometer in der nächtlichen Tempo-30-Zone an der Eschholzstraße geblitzt. Die Aktion brachte dem Fahrer ein Strafe von mindestens 480 Euro, vier Punkte in Flensburg und drei Monate Führerscheinentzug ein.

Rund 200.000 Euro hat die Stadtverwaltung durch die Tempo-30-Kontrollen an Verwarnungsgebühren eingenommen. Man müsse aber auch die Ausgaben dagegenrechnen, die für die Kontrollen anfallen, sagt Bürgermeister Neideck. "Wir machen das nicht wegen der Einnahmen, sondern ordnungspolitischen und lärmschutztechnischen Gründen".

Ob wegen der zusätzlichen Kontrollen das Personal aufgestockt wird, bleibt erst einmal offen. Man habe die Zusatzeinsätze durch ein Verlagern der Schwerpunkte gestemmt, so Amtsleiter Rubsamen. Offen ist auch, ob die Stadt mehr stationäre Kontrollgeräte anschafft. Neue Anlagen mit moderner Lasertechnik werden derzeit in anderen Städten getestet.

BMW-Sprecher: "Völliger Quatsch"

Weitere Tempolimits sind nun für Freiburg erst einmal nicht geplant, berichtet Frank Uekermann, Leiter des Garten- und Tiefbauamtes. Lediglich für den Zubringer-Mitte stadteinwärts, auf dem es auf dem ersten Teilstück von der Autobahn her noch gar keine Geschwindigkeitsbegrenzung gibt, läuft eine Prüfung auf Temporeduzierung.

Subjektiv sei der Lärm entlang Straßen mit Tempo 30 niedriger geworden, heißt es im Rathaus. Experten von Autoherstellern zweifeln aber an einer solchen Aussage. So sei für den Fahrzeuglärm weniger die Geschwindigkeit maßgeblich, als vielmehr die Motordrehzahl oder die Reifen. Der Pressesprecher von BMW hält ein nächtliches Tempolimit von 30 Stundenkilometern aus Lärmschutzgründen "für völligen Quatsch".

Mehr zum Thema:

Autor: Joachim Röderer