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08. September 2011

Thementage gegen Palästina-Tage

Zwei Veranstaltungen zu Israelis und Palästinensern in Freiburg.

Der Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern schlägt bis nach Freiburg Wellen: Das Café Palestine, ein politisch-kulturelles Forum, das über die Lage der Palästinenser informieren möchte, veranstaltet von Freitag bis Sonntag die sogenannten Palästina-Tage. Dies hat die Kritik der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG) Freiburg und der Initiative Sozialistisches Forum (ISF) hervorgerufen, die nun eine Gegenveranstaltung zum selben Zeitpunkt ins Leben gerufen haben.

Für Unmut bei den Kritikern sorgt vor allem die Podiumsdiskussion am Sonntag zum Thema "Palästina, Israel und Deutschland – Die Grenzen der offenen Diskussion". An der Debatte nehmen unter anderen Evelyn Hecht-Galinski, die die deutsche Abteilung der Organisation "Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost" mitbegründet hat, der israel-kritische Palästinenser Samir Abed Rabbo und der in Israel geborene Jazzmusiker Gilad Atzmon teil.

DIG und ISF werfen den Veranstaltern vom Café Palestine vor, nur israel-kritische, zum Teil antisemitische Referenten eingeladen zu haben. Besonders Gilad Atzmon ruft das Missfallen hervor, der in seiner ihm eigenen provokanten Art die israelische Politik gegenüber den Palästinensern mit der der Nationalsozialisten verglichen hat. DIG und ISF nennen ihn antisemitisch. Gabi Weber, die Veranstalterin der Palästina-Tage, bestreitet das entschieden. Atzmon sei zwar israelkritisch aber kein Antisemit. Evelyn Hecht-Galinski, pflichtet ihr bei. Sie beklagt, dass Israel-Kritik allzu oft mit Antisemitismus gleichgesetzt werde.

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Um ein Zeichen gegen die Palästina-Tage zu setzen, veranstalten DIG und ISF nun gemeinsam "Thementage gegen Antisemitismus". Das Jugendforum der Deutsch-Israelischen Gesellschaft beschäftigt sich mit dem Thema "Was ist Antisemitismus?" Die ISF hat eine Kundgebung vor dem Bürgerhaus in Zähringen geplant, wo die Podiumsdiskussion des Café Palestine stattfindet. Die Vorsitzende der DIG, Ursula Fiedler, will daran allerdings nicht teilnehmen. Sie betont, dass sie nicht alle politischen Positionen der ISF teilt. Weil es aber um Antisemitismus gehe, habe man sich entschlossen, bei der Veranstaltung mitzumachen. Die Initiative Sozialistisches Forum sieht sich als Streiter wider den deutschen Nationalismus, der im Zuge der deutschen Wiedervereinigung erstarkt sei und Antisemitismus befördert habe.

Im Rahmen freier Meinungsäußerung

Die DIG hat sich auch in einem Brief an das Arnold-Bergstraesser-Institut gewandt, dessen Nahost-Experte Tilman Lüdke die Moderation der Podiumsdiskussion vom Café Palestine übernommen hat, allerdings als Privatperson. In dem Brief bittet die DIG den Moderator, seine Teilnahme noch einmal zu überdenken. Lüdke lehnt dies allerdings ab. Er sieht zwar, dass Gilad Atzmon durchaus problematische Positionen einnimmt, deshalb bestehe aber kein Grund, die ganze Konferenz zu boykottieren. Die Mehrheit der Referenten vertrete Thesen, die diskutierenswert seien. Etwa Samir Abed Rabbo, der behauptet, der Zionismus, die jüdische Nationalbewegung, weise rassistische Züge auf. Im Rahmen der freien Meinungsäußerung müsse es möglich sein, sich darüber Gedanken zu machen.

Lüdke bedauert, dass sich die DIG nicht an der Podiumsdiskussion beteiligt. Gabi Weber vom Café Palastine beteuert, die DIG eingeladen zu haben, ebenfalls Referenten zu stellen. "Wir wollen endlich das Freund-Feind-Schema überwinden." Eine Antwort habe sie aber nie erhalten. "Aufgrund unserer Erfahrungen hatten wir die Befürchtung, dass wir unsere Position gar nicht darlegen können und niedergeschrien werden", sagt dazu Andrea Lauser, Schriftführerin der DIG.

Veranstaltungen und Termine: http://www.thementage.tk (gegen Antisemitismus) und http://paltagefreiburg2011.blogspot.com (Palästina)

Autor: Annemarie Rösch